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Praxistest - Diktiergerät Philips Voice Tracer DVT8010

Verlässlicher Meeting-Profi

Selten erhält man die Gelegenheit, ein Testgerät so gründlich auf Herz und Nieren zu prüfen, wie wir mit dem Diktiergerät Philips Voice Tracer DVT8010. Es begleitete uns rund 14 Monate im Redaktionsalltag, zeichnete in dieser Zeit verlässlich alle unsere Interviews und Round Tables auf und ließ uns nie im Stich. Nur einmal gab es einen Schockmoment – doch dazu später mehr.

von: Rudolf Felser

Wozu ein Diktiergerät kaufen, wenn doch heutzutage jedes Smartphone mit entsprechender App diese Aufgabe übernehmen kann? Das mag für den Hausgebrauch stimmen, aber wenn es auf die Qualität der Aufnahme auch in schwierigen Situationen und nicht zuletzt die Zuverlässigkeit geht, führt doch kein Weg an einem eigenen Gerät vorbei. Um das deutlich zu machen, reicht schon eine verlorengegangene Interview-Aufzeichnung, wie so mancher Kollege (inklusive dem Schreiber dieser Zeilen) bereits leidvoll erfahren musste. Außerdem gerät man auch bei mehrstündigen Gesprächen nicht in Gefahr, dass der Smartphone-Akku seinen Geist aufgibt.

 

Meeting-Profi

Die Version DVT8010 ist unter anderem für Meetings mit mehreren Personen gedacht und wird deshalb mit einem externen, runden 360°-Mikrofon geliefert, dass über ein Kabel am Mikrofoneingang des Gerätes eingestöpselt wird. Darüber hinaus sind im Lieferumfang ein Etui, Stereokopfhörer, ein USB-Kabel, eine Infrarot-Fernbedienung sowie eine Schnellstartanleitung enthalten.

Bild: Speech Processing Solutions
Philips Voice Tracer DVT8010 mit Tellermikro und Fernbedienung
Bild: Speech Processing Solutions

Apropos Anleitung: Die Bedienung ist im "Einsatz" sehr einfach. Man schaltet das Gerät ein und drückt den roten Knopf in der Mitte, schon startet die Aufnahme. Ein Bewegungssensor erkennt, ob das Gerät in der Hand gehalten wird, oder auf dem Tisch steht, und optimiert die Einstellungen dementsprechend. Doch um das Gerät zu konfigurieren und seine Möglichkeiten auszuschöpfen, ist ein Blick ins Handbuch unerlässlich. Dank eines großen und farbigen Displays verliert man aber nicht den Überblick.

 

Verständnisvoll

In dem gut verarbeiteten und widerstandsfähigen Metallgehäuse in der Größe von rund 5 mal 12,5 mal 3 cm bei 85 Gramm Gewicht hat Philips 3 Mikrofone untergebracht, zwei zueinander im 90°-Winkel angebrachte Stereomikrofone und ein hochempfindliches in der Mitte (das bei Aufzeichnungen auf größere Entfernung, zum Beispiel bei Vorträgen, in einen "Zoom-Modus" geschalten werden kann). Sie zeichnen MP3- oder WAV-Dateien in verschiedensten Bitraten auf. In der Praxis waren die Gesprächspartner immer gut zu verstehe, egal ob beim 1:1-Interview im lauten Kaffeehaus oder bei Gesprächsrunden mit bis zu sechs Teilnehmern. Die beim Abspielen zuschaltbare Klangoptimierungs-Funktion ClearVoice verstärkt zusätzlich die Frequenzen der menschlichen Stimme und sorgt für ein noch deutlicheres Klangbild.

 

 

Integriert sind 8 GB Speicher. Das reicht laut dem Hersteller für bis zu 88 Tage kontinuierliche Aufnahme (natürlich in niedrigster Qualität). Wir haben uns in der Praxis für die zweithöchste Qualitätsstufe entschieden und sind in den 14 Monaten des Tests trotz regelmäßigem Einsatz nicht auch nur in die Nähe von Kapazitätsproblemen gekommen. Der Speicher lässt sich aber auch mit microSD-Karten erweitern, unterstützt werden bis zu 32 GB.

Bild: RNF

Auch an der Kapazitätsgrenze des eingebauten Lithium-Polymer-Akkus haben wir nie auch nur gekratzt. Er bietet laut dem Hersteller Laufzeiten von 50 Stunden bei Nutzung des internen Speichers bzw. 25 Stunden bei Aufzeichnung auf Speicherkarte. Wenn man den Voice Tracer, wie wir, beim Kopieren der Sprachaufzeichnungen einfach etwas länger am Computer hängen lässt, bleibt er immer einsatzbereit. Geladen wird natürlich über den gleichen Micro-USB-Anschluss, über den auch der Datenaustausch mit PC oder Mac erfolgt.

 

Das mühsame Abtippen der Gespräche nimmt einem das Philips Voice Tracer DVT8010 leider nicht ab. Aber der Hersteller bietet auch dafür Lösungen. Neben professionellen Transkriptions-Hard- und -Software-Lösungen gibt es auch Schnittstellen zu Spracherkennungssoftware sowie die cloud-basierte Diktierlösung Philips SpeechLive, über den man sogar einen Schreibservice, bei dem speziell ausgebildete Transkriptionisten die Aufnahmen der Anwender verschriftlichen, buchen kann.

 

WARNUNG! Don't try this at home!

Doch nun zum eingangs erwähnten Schockmoment. Nach rund 13 Monaten – leider nicht an einem Freitag dem 13., dieser Zufall wäre zu schön gewesen – ließ sich das Philips-Diktiergerät plötzlich nicht mehr einschalten. Es machte keinen Mucks, auch das Anstöpseln an Ladegerät und Computer brachte keine Besserung. Es ließ sich auch via USB nicht ansprechen. Aus die Maus, Ende Gelände, rien ne va plus. Natürlich genau im unpassendsten (gibt es auch einen anderen?) Moment, mit einer noch nicht auf dem PC gesicherten, wichtigen Interview-Aufnahme. Was tun? Der richtige, sichere, offizielle Weg, also die Kontaktaufnahme mit dem Händler, das Einschicken des Gerätes, Reparatur und warten auf die Rücksendung, kam natürlich nicht in Frage. Dr. Google war auch nicht sonderlich hilfreich, es waren zwar vereinzelt ähnliche Fälle zu finden, die Problemlösungs-Ansätze beschränkten sich jedoch auf das Eröffnen eines Service-Falles. Aber die Angelegenheit war dringend. Wozu ist man schließlich IT-Redakteur und mit unerschütterlichem Selbstvertrauen sowie einem Satz Feinmechaniker-Schraubenzieher ausgestattet? WARNUNG: Wir raten dringend davon ab, unserem Beispiel zu folgen. Selbstverständlich erlischt in so einem Fall jeglicher Anspruch auf Garantie, Gewährleistung und sonstige Annehmlichkeiten des Konsumentenlebens. Wir fassten uns also ein Herz, lösten die fünf winzigen Schrauben, mit denen der hintere Gehäusedeckel befestigt war und warfen einen Blick in das aufgeräumte Innenleben. Hier steckt also der Akku, mit einer Steckverbindung an die Platine angeschlossen. Zu unserer großen Enttäuschung war kein Defekt erkennbar. Doch ein bisschen maßvolles rütteln, schütteln und wackeln hat auch in der IT zumeist noch nicht geschadet. Also flugs das Akku-Kabel ab- und wieder angesteckt und siehe da, seitdem läuft das Gerät wieder. Allerdings ist es ein bisschen so, wie in der Religion: Wie und warum etwas geklappt hat, ist nur schwer zu eruieren. Aber es hat geklappt, deswegen fragt man nicht nach sondern ist einfach dankbar.

 

Fazit: Wer ein verlässliches Diktiergerät sucht, das auch mit schwierigen Aufnahmesituationen zurecht kommt und auch Gespräche mit mehreren Teilnehmern in guter Qualität aufzeichnet, macht mit dem Philips Voice Tracer DVT8010 nichts falsch. Der offizielle UVP inklusive dem 360°-Tischmikrofon liegt bei rund 220 Euro, in freier Wildbahn wurde es aber auch schon ab rund 150 Euro gesichtet.

Bild: Speech Processing Solutions
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