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Marco Zaia-Eichberger wacht über mehr als 2.500 Screens in ganz Österreich.
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Interview - Marco Zaia-Eichberger, Infoscreen

"Schirm-Herrschaft" in Österreich

Marco Zaia-Eichberger ist Head of Technics, IT & Scheduling beim österreichischen Nachrichten- und Informationsmedium Infoscreen. Wir haben mit ihm über die Technologie im Hintergrund gesprochen – und wie das Unternehmen es geschafft hat, ihn seit mehr als 17 Jahren bei Laune zu halten.

von: Rudolf Felser

Wer in Eisenstadt, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz oder Wien die öffentlichen Verkehrsmittel nützt, der kennt sie: Die Bildschirme in U-Bahn, Bus und Straßenbahn, die den Fahrgästen mit News-Schnipseln, Infotainment und nicht zuletzt Werbung die Warte- und Fahrzeiten verkürzen. Dahinter steht das 1998 gegründete Unternehmen Infoscreen Austria, seit 2003 eine hundertprozentige Tochter von Gewista. Die Konzernmutter ist Außenwerbe-Spezialist JCDecaux mit Hauptsitz in einem Vorort von Paris, der mit seinen Töchtern weltweit solche (und andere) Displays installiert.

Der im Burgenland aufgewachsene, aber in einem steirischen Spital geborene, Marco Zaia-Eichberger ist seit dem Jahr 2000 beim Unternehmen und hat dort als System-Administrator begonnen. 2007 stieg er zum IT-Teamleiter auf, später zum stellvertretenden Leiter jener Abteilung, die er schließlich im Frühjahr 2017 komplett übernommen hat: Als Chef von EDV, Technik und Disposition gehört es unter anderem zu seinen Aufgaben, neue Technologien zu evaluieren sowie strategische Entscheidungen zu treffen.

Der Grundstein für seine Karriere wurde gelegt, als er als Kind auf einem Commodore 64 in Basic zu programmieren begonnen hat. Später besuchte er dann in seinem Heimatort Pinkafeld die HTL für EDV und Organisation und ist diesem Bereich bis heute treu geblieben.

Herr Zaia-Eichberger, wie sieht die technologische Basis von Infoscreen aus?

Wir haben über 2.500 Screens in ganz Österreich. Hauptsächlich sind das mobile Medien in Bussen und Straßenbahnen. In Wien natürlich auch in den U-Bahn-Stationen sowie im City Airport Train. In den U-Bahn-Stationen binden wir die Anlagen über LWL-Leiter (Lichwellenleiter) an, für die mobilen Medien verwenden wir HSDPA. Es steckt also in jedem Computer, zum Beispiel in der Straßenbahn, eine SIM-Karte, über die wir die Daten und die Software aktualisieren. Momentan bewegen wir uns zwischen 12 und 20 GB pro Monat und Player, die übertragen werden. Die Nachrichten werden über den Tag verteilt laufend aktualisiert.

Es wird also in jedem Fahrzeug ein zentraler Server bespielt und der verteilt die Infos an die einzelnen Screens?

So ist es. Es gibt einen Computer pro Fahrzeug, an dem die Displays hängen. In den Bussen passiert das über DVI-Kabel, in den Straßenbahnen sind es neuere Systeme mit Streaming-Technologie. Da gibt es einen Streaming-Switch und die Displays streamen den Content. Es gibt eine Ausnahme: In den Wiener ULF-Straßenbahnen ist in jedem Display-Gehäuse ein Computer. Deswegen zeigen die auch ein unterschiedliches Programm.

Welchen Grund hat diese Ausnahme?

Das ist historisch gewachsen. Als wir mit dem ULF begonnen haben, gab es diese Streaming-Technologie noch nicht. Wir haben uns deswegen für dieses System entschieden. Nach und nach hat sich dann bei unserem Hardware-Partner das Streaming etabliert.

Wer ist Ihr Partner?

Ein international agierendes deutsches Unternehmen, das unter anderem auch Außenanzeigen für Straßenbahnen und Busse macht. Die kennen die Fahrzeuge. Wir geben aber immer nur Empfehlungen ab und teilen die Mindestanforderungen mit. Das fließt in die Ausschreibungen mit ein. Die Verkehrsbetriebe bestellen dann die Hardware mit den Fahrzeugen gemeinsam.

Bruno ist vielleicht das bekannteste, aber sicher nicht das einzige Gesicht von Infoscreen Austria.

Was sind die großen technischen Herausforderungen bei Infoscreen?

Ganz klar die Hardware in den Fahrzeugen, den Straßenbahnen und Bussen. Da kann man nicht irgendeinen Computer einbauen, die Hardware muss zertifiziert sein. Bei Bussen ist es nicht ganz so kritisch, aber gerade im Rail-Bereich müssen verschiedenste Normen erfüllt werden. Das schränkt den Markt ziemlich ein, weil diese Überprüfungen, die die Hardwarehersteller machen müssen, teuer und zeitintensiv sind. Es kommt also nicht so wie im Consumer-Bereich alle sechs Monate ein neues Produkt heraus. Wir haben Systeme mindestens sieben Jahre im Einsatz, zum Teil auch länger. Manche sind bereits seit 15 Jahren in Betrieb. Die Systeme sind auch relativ teuer auszutauschen, deshalb wird das auch so gut wie nie gemacht. Sie müssen sich vorstellen, dass eine Straßenbahn bis zu 40 Jahre in Betrieb ist. Die Verkehrsmittelbetreiber wollen natürlich nicht alle fünf Jahre die Hardware austauschen. Es ist schwierig, Hardware zu bekommen, bei der man sicher sein kann, dass sie die nächsten 7+ Jahre läuft.

Ich fand es spannend, als man vor einigen Jahren in den U-Bahn-Stationen erstmals bewegte Bilder gesehen hat. Vorher war alles ein bisschen statisch.

Anfangs wurde sehr viel mit Bildern gearbeitet, weil es zu Beginn noch keine LWL-Leitungen gab. Wir haben mit ISDN gearbeitet. Da war es natürlich ein Problem, Video-Content über die Leitungen zu bringen. Auch weil damals die Videos durch geringere Kompression viel größer waren als heute. Als wir dann LWL hatten, ging es immer mehr in Richtung Video und Bewegtbild. 

In der Presseaussendung anlässlich Ihres neuen Jobs wurden Sie zitiert, dass Sie Technologien und Innovationen nutzen wollen, um das Programm "noch aktueller, spannender und brillanter" zu präsentieren. Was meinen Sie damit?

Es gibt zum einen neue Softwaretechnologien, um den Content noch schneller auf den Screen zu bringen. Da wir eine Konzernlösung haben ist es so, dass wir unseren Content auf Server in Kanada und Frankreich hochladen und es dauert ein bisschen, bis aktualisiert wird. 2017 haben wir daher eine Breaking-News-Funktion implementiert, die bei uns am Server liegt. Auf den Playern läuft ein Programm, das im Sekunden-Bereich prüft, ob es etwas Neues gibt, und spielt das dann sofort ab. Hardware-mäßig gehen wir noch mehr in die Richtung Location Based. In Wien gibt es das ja schon. Momentan ist es so gelöst, dass wir die Informationen über die nächste Station vom Fahrzeug bekommen. Darauf aufbauend bieten wir Location Based Advertising an. Zukünftig werden wir vermutlich vermehrt auf GPS setzen. An diesen Punkten arbeiten wir momentan.

Für solche Anwendungen ist Ihr System natürlich prädestiniert, beispielsweise um bestimmte Angebote mit Haltestellen und Shops in der Nähe zu verknüpfen.

Wir können so etwas bereits umsetzen. Wir haben intern eine Software entwickelt, mit der wir Inhalte zu einer bestimmten Station einbuchen können – oder auch einen Countdown zu einer Station machen. Bei den drei Stationen vor einer bestimmten Haltestelle wird dann eine Werbung getriggert. 

Zum Abschluss die für mich spannendste Frage: Die IT-Branche ist nicht unbekannt für Personalfluktuation. Sie sind schon seit über 17 Jahren bei Infoscreen. Wie hat es das Unternehmen geschafft, Sie so lange bei Laune zu halten?

Ich weiß nicht, ob es darauf eine globale Antwort gibt. Infoscreen ist ein sehr familiärer Betrieb. Anfangs, als ich System-Administrator war, hatte ich hier keine Arbeitskollegen, sondern Freunde. Die Arbeit war immer abwechslungsreich. EDV und Technik haben immer sehr eng zusammengearbeitet. Man hat in der EDV viel von der Technik mitbekommen, mit den Beamern gearbeitet, in der U-Bahn Einsätze gemacht. In der EDV gab es außerdem immer wieder Investitionen in die Infrastruktur. Es war sehr interessant, man konnte viel lernen. Es gab auch ein gutes Schulungsangebot, man konnte sich weiterbilden. Nicht zuletzt war für mich um 2007 herum der Grund zu bleiben, dass ich die Teamleitung der IT übernommen habe. Die erste Führungsrolle war für mich natürlich eine Herausforderung. Es ist spannend geblieben. 2007 hat auch der Ausbau der mobilen Medien begonnen, mit Themen wie der Anbindung der Rechner über HSDPA. Rund sieben Jahre später begannen die Gespräche zur Übernahme der Stellvertretung der Abteilungsleitung und letztes Jahr dann die Abteilungsleitung selbst. Es ist eine Mischung aus sehr interessanten Aufgaben, familiärem Umfeld und der Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung.

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