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Zwei weitere Feldtests

Probelauf für die flexible Energiezukunft

Ein von AIT koordiniertes Konsortium entwickelt Lösungen für einen effizienten Betrieb von lokalen Stromnetzen. Mit März starteten weitere zwei Feldtests nach der steirischen Premiere im vergangenen Herbst.

Der Trend zur Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen hält ungebrochen an. Immer mehr Hausbesitzer installieren Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern, um sich mit umweltfreundlichem Strom zu versorgen. Da die erzeugte Energiemenge wetterbedingt stark schwankt, drängen in letzter Zeit auch verstärkt Batteriespeicher auf den Markt. Neben der lokalen Erzeugung und Speicherung gibt es auch eine steigende Zahl von Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen. Die Flexibilitäten, die diese Komponenten bieten, sollen nun vor Ort besser genutzt werden, um so die lokalen Stromnetze zu entlasten und eine Bereitstellung weitere Services zu erlauben. Unter der Leitung des AIT wurden im Projekt "Leafs" Technologien und Systemlösungen für diese flexible Energiezukunft entwickelt – im März liefen die Feldtests voll an.

Realitätscheck in drei Gemeinden

"Leafs" ist ein Leitprojekt des Klima- und Energiefonds und wird von einem österreichischen Konsortium aus Netzbetreibern, Forschungsinstitutionen und Komponentenherstellern durchgeführt. Nach einer Analyse der Einsatzmöglichkeiten von Speichern und flexiblen Lasten im Stromnetz wurden mit Hilfe von Simulationen und Labortests konkrete Anwendungsfälle unter die Lupe genommen. "Das Ergebnis sind Steuerungskonzepte, die den Eigenverbrauch optimieren, einen möglichst netzfreundlichen Betrieb sicherstellen und die aktive Teilnahme an Energiemärkten erlauben", so Projektleiter Johannes Kathan vom AIT Center for Energy. Diese Konzepte werden nun abschließend in Feldtests in drei österreichischen Gemeinden validiert.

Speichersysteme und Sonnenbonus

Bereits im Herbst 2017 startete der erste groß angelegte Praxistest im steirischen Heimschuh, wo ein zentraler Batteriespeicher im Verteilnetz integriert wurde. Tagsüber speisen die teilnehmenden Haushalte überschüssigen PV-Strom in diesen Speicher ein und können ihn dann abends bei Bedarf wieder zurückholen. Ziel ist es, so den Eigenverbrauch der privaten PV-Anlagen von aktuell 30 auf über 70 Prozent der erzeugten Energie zu steigern. Zusätzlich entlastet der Speicher das lokale Netz und kann Marktdienstleistungen erbringen. Im März fiel nun auch der Startschuss für die beiden anderen Feldversuche.

In Eberstalzell in Oberösterreich setzt man auf Heimspeichersysteme und auf Anreizsysteme für Endkunden, um einen netzfreundlichen Betrieb sicherzustellen. Kunden erhalten einen "Sonnenbonus", wenn sie lokal erzeugten Sonnenstrom in bestimmten Zeitfenstern verbrauchen, in denen viel Energie zur Verfügung steht. Die Kunden werden täglich via App am Smartphone informiert, wann dieser Bonus verfügbar ist und können damit Geld sparen und gleichzeitig eine spannungsbedingte Abregelung der PV-Einspeisung vermeiden.

In der Salzburger Gemeinde Köstendorf sind die Heimspeichersysteme mit einem Building Energy Agent verbunden, der Verbraucher und Speicher auf Grundlage von Signalen des Netzbetreibers optimal steuert. Unter anderem können hier auch Elektroautos zur Flexibilität beitragen, indem etwa bei Stromüberschüssen automatisch die Batterien aufgeladen werden.

Win-Win-Situation für Kunden und Netzbetreiber

"In Leafs wollen wir der Vielfalt der Ansätze und Rahmenbedingungen für die Nutzung von Flexibilität Rechnung tragen und daraus gemeinsame, übertragbare Aspekte zwischen Netzbetreibern herausarbeiten", unterstreicht Kathan. "Mit dem hier gewählten umfassenden Ansatz soll auch anderen Netzbetreibern gezeigt werden, wie sie Flexibilitäten aktivieren können." Denn eine flexible Energiezukunft ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Die Kunden können ihren selbst erzeugten Photovoltaikstrom optimal nutzen und durch die Bereitstellung von Services einen Zusatzverdienst lukrieren, während die Netzbetreiber von einer Entlastung der Netze profitieren. Nach dem Abschluss der Feldversuche in einem Jahr sollen damit Ergebnisse für die Anwendbarkeit der entwickelten Ansätze vorliegen.

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