Hardware Test
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Das Plantronics Voyager 6200 UC mit Nackenbügel und In-Ear-Ohrstöpseln für den Business-Einsatz im Monitor-Test.
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Wie der Schalk im Nacken

Plantronics Voyager 6200 UC im Test

Headset-Spezialist Plantronics hat Anfang des Jahres sein erstes Stereo-Bluetooth-Headset mit Nackenbügel und In-Ear-Ohrstöpseln für den Business-Einsatz vorgestellt: das Voyager 6200 UC. Wir haben ihm gründlich auf den Zahn – oder besser das Ohr – gefühlt.

von: Rudolf Felser

Beim Auspacken fällt einem gleich eine praktische Hartschalen-Tasche ins Auge. Darin sind neben dem Headset auch ein USB-Sender/Empfänger (BT600, wie auch bei anderen Geräten des Herstellers mitgeliefert) sowie eine Ladestation, an der das Headset mit seinen Kontakten magnetisch einrastet, und ein Micro-USB-Kabel enthalten. Der kleine USB-Empfänger ist natürlich bereits vorab mit dem Headset gepairt, kann aber auch erneut verbunden werden.

Bei der Bauform gibt es keine Überraschungen. Der Nackenbügel (erhältlich in Schwarz und Sand) ist weich, biegsam, robust und relativ groß, muss er doch die ganze Elektronik beherbergen. An zwei dünnen Kabeln (immer rot) hängen die Ohrstöpsel, aber kein Mikrofon und auch keine Bedienelemente. Die Bedienung läuft über die Tasten auf dem Bügel, der auch die vier omnidirektionalen Mikrofone mit digitaler Signalverarbeitung beinhaltet. Außerdem ist eine Micro-USB-Buchse vorhanden, wenn man das Headset unterwegs laden möchte und die Ladestation nicht dabei hat. Insgesamt bringt das Plantronics Voyager 6200 UC 56 Gramm auf die Waage.

Beim Laden leuchtet eine LED auf dem Headset erst rot (bedeutet niedriger Akkustand), dann blau (zweimal blinken heißt mittlerer, dreimal hoher Akkustand), wenn der Akku voll ist, leuchtet sie gar nicht mehr auf. Laut Hersteller dauert der Ladevorgang für den 340 mAh-Akku 90 Minuten, das hat sich im Test bestätigt. Auch die angegebenen bis zu neun Stunden Sprech- und bis zu 16 Stunden Hördauer kommen in der Realität hin, im reinen Standby sind bis zu 14 Tage drin.

Verbindungsfreudiges Bluetooth-Headset

Das Koppeln mit Android-Smartphone via Bluetooth und PC über USB-Stick klappte im Test problemlos und auf Anhieb, auch ohne Admin-Rechte und ohne Installation eigener Software – ebenso mit einem MacBook Pro. In den Systemeinstellungen muss nur noch das Headset als Audio-Ein- und -Ausgabegerät gewählt werden. Nicht nur mit dem USB-Stick, auch via Bluetooth klappte die Nutzung mit dem MacBook problemlos. Die Verbindung zu Smartphone, PC und Mac war stabil und klappte auch durch die eine oder andere (nicht zu dicke) Wand hindurch. Im Alltags-Test störten keinerlei Aussetzer, solange man sich mit dem Headset nicht zu weit vom Endgerät entfernte (laut Hersteller-Angaben bis zu 30 Meter). Insgesamt lässt sich das Gerät mit bis zu acht Geräten paaren, zwei davon können gleichzeitig verbunden sein. Bei einem eingehenden Anruf schaltet das Headset automatisch zum richtigen Gerät.

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Die unterstützten Standards, Profile und Codecs: Bluetooth v.4.1-Headset/Freihandprofil HSP 1.2 und HFP 1.6 (Breitband-HD-Sprachübertragung); BT-Radio der Klasse 1; A2DP (Advanced Audio Distribution Profile) 1.2, AVRCP 1.5; APTx

Trotz anderslautender Angaben in Bedienungsanleitung und auf der Homepage war die App "PLT Hub" für Android zu Beginn des Test noch nicht mit dem 6200 UC kompatibel. Da hat Plantronics aber in der Zwischenzeit nachgebessert. Die Software für Windows funktionierte zum Glück von Anfang an auch mit dem Bluetooth-Headset, sonst hätte man die meisten Funktionen nicht konfigurieren können, beispielsweise die Sprache der Ansagen. Das Headset meldet sich zum Beispiel bei eingehenden Anrufen, die man über Sprachkommandos annehmen oder ablehnen kann. Auch wenn der Akku an Kraft verliert, meldet sich eine freundliche Stimme.

Der Nackenbügel vibriert außerdem bei einem eingehenden Anruf. Zudem zeigt er ein laufendes Gespräch durch rote LEDs an, damit die Umgebung weiß, dass sie jetzt besser nicht stören sollte. Das lässt sich, wie viele andere Funktionen auch, über die erwähnte Software oder App für Windows, Android, Mac und iOS konfigurieren.

Gezähmter Hi-Fi-Sound

Obwohl die Mikros sich im Nackenbügel verstecken, waren im Test Telefongespräche auf der Straße für das Gegenüber am anderen Ende der Leitung auch durch einen dicken Wintermantel und einen Schal hindurch gut verständlich, nur ein wenig gedämpft. Gerade im Winter nicht unbedeutend, denn wer trägt den Bügel schon auf der dicken Jacke? Apropos Tragekomfort: Plantronics hat sich keine Blöße gegeben, das Voyager 6200 UC ist auch über mehrere Stunden bequem zu nutzen, bauartbedingt ist es außerdem uneingeschränkt für Brillenträger geeignet.

Zum Klang: Der Sound ist klar definiert und sauber, die Bässe knackig (Frequenzbereich 20 Hz-20 kHz). Das Bluetooth-Headset ist sehr gut für das Hören von Musik geeignet. Allerdings nur, solange man keine Vorliebe für besonders hohe Schallpegel hat: Die Maximallautstärke ist nach EU Verordnung auf 118dB beschränkt. Darüber hinaus lässt sich eine Funktion aktivieren, um die wöchentliche Gesamt-Lautstärke-Belastung zu senken. Für Nutzer, die Musik gerne sehr (ohrenbetäubend) laut hören, ist dieses Headset also nicht geeignet.

Gedacht ist es aber ohnehin (auch) für die Nutzung in Büroumgebungen, in denen zu laute Musik aus den Stöpseln des Nachbarn nur einen weiteren Störfaktor darstellen würde. Die Devise lautet eher Geräuschvermeidung. Da kommen die Noise-Cancelling-Funktionen ins Spiel. Neben der passiven Variante durch die Ohrpolster (drei verschiedene Größen werden wie üblich mitgeliefert) ist auch eine aktive integriert. Sie schwächt gleichbleibende, niedrigfrequente Geräusche deutlich ab, beschert dafür aber ein leises Grundrauschen wenn keine Soundquelle aktiviert ist. Diese Technologie bewährt sich gegen Klimaanlagen-Brummen, Kühlschränke, Zug-Geräusche oder im Flugzeug. Gegen die Geräuschkulisse eines Großraumbüros kann sie allerdings nichts ausrichten, da dreht man lieber die Musik etwas lauter. Was das betrifft, kann aber auch die Konkurrenz keine Wunder bewirken.

Funktionen für Profis

Wie erwähnt richtet sich das Gerät an Business-Anwender, was vor allem an der breiten Unterstützung für Softphones sichtbar wird. Auf der Liste stehen (für Windows) unter anderem Avaya, Cisco, BroadSoft, Genesys, Lync, Skype oder NEC. Auf dem Mac ist die Liste etwas kürzer (siehe Software-Kompatibilitätsleitfaden unter www.plantronics.com/us/support/supported-softphones). Auch die Stummschaltungs-Taste ist ein Indiz für den Einsatzzweck. Eine dynamische Stummschaltungs-Funktion informiert übrigens den Benutzer darüber, wenn er bei aktiver Stummschaltung spricht. Das verringert unfreiwillige Selbstgespräche.

Außerdem lässt sich das Voyager 6200 UC in die Managementumgebung Plantronics Manager Pro einbinden, um zum Beispiel Firmware-Updates gesammelt auszurollen. Sie ist ein im Abonnement-Modell verfügbarer webbasierter Dienst und separat von der Voyager-Familie erhältlich.

Zum Verkaufsstart hat Plantronics das Voyager 6200 UC für rund 280 Euro (UVP exkl. MwSt.) angepreist. Auf Plattformen wie geizhals.at ist es aber mittlerweile zum Beispiel in der schwarzen Variante ab rund 200 Euro zu finden.

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