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EY Stadtwerkestudie 2017

Österreich "Musterschüler" bei Smart Meter

Zwar haben 57 Prozent der heimischen Energieversorger mit dem Rollout von Smart Metern begonnen – mehr als in Deutschland und der Schweiz –, trotzdem hegt die Mehrheit Zweifel, ob sie die gesetzliche Vorgabe bis Ende 2017 erfüllen kann.

von: Rudolf Felser

Wer Energiewende sagt, muss auch Energienetz sagen. Denn neue Technologien, bzw. die neuartige Anwendung vorhandener Technologien, erlauben es den Strom-Konsumenten zugleich auch -Produzenten zu werden. Die Energieversorger müssen sich daher daraif vorbereiten, neue Energiequellen dezentral und kosteneffizient in bestehende Netze zu integrieren. Netzbetreibern kommt dadurch eine neue Funktion zu: Sie werden zum "Enabler" und sorgen dafür, dass andere Marktakteure neue Geschäftsmodelle in einer dezentralen Energiewelt ausrollen können. Das erinnert nicht von ungefähr an die Veränderungen im Telekommunikationssektor.

Die tragenden Säulen sind dabei intelligente Netze (Smart Grids) und intelligente Messzähler (Smart Meter). In Österreich sei diese Transformation vergleichsweise weit fortgeschritten, so Stefan Uher, Partner und neuer "Energy Sector Leader" bei der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY Österreich: "Österreichs Energieversorger sind Vorreiter bei der Umstellung auf intelligente Stromzähler: 57 Prozent haben bereits mit dem Rollout begonnen – fast doppelt so viele wie in Deutschland und der Schweiz, wo erst jeweils rund ein Drittel mit der Umstellung gestartet hat. Allerdings wird dieses beachtliche Tempo voraussichtlich nicht reichen, um die gesetzlichen Vorgaben bis Ende 2017 zu erfüllen."

Uher bezieht sich dabei auf die Ergebnisse der "Stadtwerke-Studie 2017" von EY. Dafür wurden 214 Geschäftsführer und Vorstände von Energieversorgungsunternehmen im deutschsprachigen Raum, darunter 21 aus Österreich, befragt.

In Österreich sind die Anforderungen bei der Einführung intelligenter Stromzähler besonders hoch: Die Intelligente Messgeräte-Einführungsverordnung (IME-VO) gibt vor, dass 70 Prozent aller Zähler bis Ende 2017 auf intelligente Messgeräte umgestellt sein müssen. Laut Schätzungen der Netzbetreiber werden bis dahin aber nur 30 Prozent der österreichweit rund 6,16 Millionen Zähler von Haushalts-, KMU- und Landwirtschaftskunden umgestellt sein. Andere Umfragen gehen sogar von noch niedrigeren Umsetzungswerten aus.

Derzeit geht etwa ein Drittel der österreichischen Energieversorger nicht davon aus, die gesetzlichen Vorgaben zu erreichen, 62 Prozent haben zumindest Zweifel. Insgesamt werden die heimischen Stromnetzbetreiber in den kommenden vier Jahren rund vier Milliarden Euro in die Modernisierung, Instandhaltung und den Ausbau ihrer Infrastruktur investieren. Die größten Herausforderungen bei der Umstellung liegen aus Sicht befragten Energieversorger in der Auswahl der technischen Lösungen (48 Prozent) und dem Aufbau bzw. der Anpassung der IT-Systeme (43 Prozent). 

Digitalisierung als Chance

Das Thema Digitalisierung hat in der heimischen Energiewirtschaft verstärkt Einzug gehalten: Vier von zehn Energieversorgern in Österreich haben bereits eine Strategie zur digitalen Transformation, weitere 24 Prozent sind zumindest inmitten der Entwicklungsphase. Dementsprechend positiv blicken die Energieversorgungsunternehmen in Österreich auf die Digitalisierung: 57 Prozent – ungefähr so viele wie in der Schweiz (59 Prozent) und mehr als in Deutschland (47 Prozent) – sehen in der Digitalisierung eine Chance. Damit ist der Anteil der Digitalisierungsbefürworter in Österreich im Vergleich zum Vorjahr (50 Prozent; Informationen zur Vorjahresstudie hier als PDF) nochmals gestiegen. Wie im Vorjahr blickt allerdings auch fast jeder fünfte Energieversorger in Österreich (17 Prozent) skeptisch in die digitale Zukunft und sieht diese eher als Bedrohung. 

"Österreichs Energieversorger haben die Digitalisierung ganz oben auf ihre Agenda gesetzt und wollen das enorme Potenzial für Prozessverbesserungen und Kostensenkungen aktiv nutzen. Um diese Chancen zu ergreifen, müssen sie die Digitalisierung zu einem integrativen Bestandteil ihres Geschäftsmodells machen und die langfristige und umfassende digitale Transformation zur Chefsache machen. Da zahlreiche Bereiche wie das intelligente Messwesen, der Verteilnetzbetrieb oder die Sicherheit berücksichtigt werden müssen, sollte das Thema unbedingt bei der Unternehmensführung angesiedelt sein", so Stefan Uher. 

"Der Plafond ist noch lange nicht erreicht"

Bei der Einschätzung der eigenen Fortschritte auf diesem Weg sind heimische EVUs wie schon im Vorjahr auffällig optimistisch: Fast die Hälfte (48 Prozent) stuft ihren Digitalisierungsstand im Verteilernetzbereich als hoch ein – in Deutschland sind es nur 19 Prozent.

"Die selbstbewusste Einschätzung des eigenen Digitalisierungsgrades bei Österreichs Energieversorgern lässt sich einerseits durch den vergleichsweise weit fortgeschrittenen Rollout intelligenter Messgeräte erklären. Andererseits lässt sie aber auch darauf schließen, dass das gesamte Potenzial digitaler Technologien teilweise noch unterschätzt wird. Die Digitalisierung wird einen fundamentalen Wandel in der Energiewirtschaft nach sich ziehen. Der Plafond ist noch lange nicht erreicht, die größten Anpassungen, speziell bei den eigenen Geschäftsmodellen, stehen vielen heimischen EVUs noch bevor", so EY-Partner Uher.

Dafür spreche auch, dass aktuell nur ein Fünftel (20 Prozent) der österreichischen Energieversorger den eigenen Digitalisierungsstand im Verteilnetzbereich als gering oder sehr gering einstufen, obwohl sich erst jedes vierte Unternehmen mit Themen wie Data Analytics oder der Digitalisierung von Unterstützungsprozessen beschäftigt.

Österreich: Aufholbedarf bei IT-Sicherheit

Mit der zunehmenden Vernetzung von Stromzählern gewinnt auch die Frage der IT-Sicherheit erheblich an Bedeutung: In Österreich wird diesem Thema bereits jetzt große Aufmerksamkeit gewidmet, 91 Prozent der Energieversorger setzen sich intensiv mit der Sicherheit der eigenen Netze auseinander. Im Vergleich zu Deutschland werden die Gefahren eines Netzausfalls infolge von Hackerangriffen allerdings deutlich geringer eingeschätzt: Nur 53 Prozent sehen darin eine Bedrohung – im Vergleich zu 73 Prozent in Deutschland. Gleichzeitig ist der Stand der bereits getroffenen Gegenmaßnahmen wie Installation eines IT-Sicherheitsbeauftragten oder eines Managementsystems für Informationssicherheit geringer ausgeprägt als in Deutschland. 

"Die Digitalisierung im Energiebereich bietet vielfältige Chancen, erhöht aber auch Risiken. Viele Unternehmen unterschätzen noch die Tragweite der notwendigen umfassenderen Informationssicherheit, die auch zu Veränderungen in diversen Prozessen zwingt. Die rein technische Sicherheit erscheint gut beherrschbar – der Umgang mit für kritische Infrastrukturen wichtigen Informationen erfordert jedoch zusätzlich organisatorische und prozessuale Veränderungen, auf die die Unternehmen oft noch nicht genügend vorbereitet sind. Nicht zuletzt der als ‚WannaCry‘ bekannt gewordene Schadsoftware-Angriff führt vor Augen, dass IT- und Informationssicherheit eine Top-Priorität in jedem Digitalisierungsprojekt sein muss", so Uher abschließend.

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