Bild: Dynatrace
"Wir versuchen Dynatrace schon in jungen Jahren in die Köpfe der nächsten Generation zu bringen", sagt Veronika Gruber, Director Human Resources bei Dynatrace in Linz.
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Interview - Veronika Gruber, Dynatrace

Nicht jammern, sondern etwas tun

Das in Linz gegründete Unternehmen Dynatrace zählt zu den beliebtesten Arbeitgebern Österreichs. Wir haben mit HR-Leiterin Veronika Gruber darüber gesprochen, wie man das anstellt.

von: Rudolf Felser

Obwohl Dynatrace mittlerweile 430 Mio. Dollar Jahresumsatz erzielt, weltweit 1.700 Mitarbeiter beschäftigt und sein Hauptquartier in den USA hat, ist und bleibt Linz der größte Engineering-Standort des Unternehmens. Rund 300 Mitarbeiter treiben dort, wo das Unternehmen gegründet wurde, die Produktentwicklung voran. Das Unternehmen, weltweit führend im IT-Monitoring und mit Kunden wie Apple oder Amazon, wächst weiter. Erst kürzlich kam mit dem Schweizer Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) ein großer Kunde mit einer Auftragssumme von 20 Mio. Euro dazu. 

In Österreich soll die Mitarbeiterzahl in den nächsten Jahren auf 500 anwachsen. Veronika Gruber ist als Director Human Resources bei Dynatrace in Linz dafür verantwortlich, genug und vor allem zur Unternehmenskultur passende Mitarbeiter an Bord zu holen. Sie selbst gehört seit 2010 zu dem Unternehmen, das zu den beliebtesten Arbeitgebern Österreichs zählt. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie man die richtigen Mitarbeiter findet, behält und dafür sorgt, dass sie in ihrem Job glücklich sind. 

Dynatrace ist einer der beliebtesten österreichischen Arbeitgeber. Wie schafft man das? 

Das kann man nur mit einer total offenen Kultur schaffen, die auch von der Führungsebene gelebt und mitgetragen wird. Mit flachen Hierarchien und einer Führungsebene auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern. Und man muss den Mitarbeitern ein spannendes Arbeitsumfeld bieten, in dem sie sich in ihrem Spezialgebiet auch beweisen können. 

Flache Hierarchie klingt einfach, wenn Sie das sagen. Aber Dynatrace hat alleine in Österreich 300 Mitarbeiter, international sind es 1.700. Wie stellt man das an? 

Ganz wichtig ist, dass Gründer und CTO Bernd Greifeneder immer noch im Unternehmen ist. Er hat auch seine ersten Mitarbeiter in Linz eingestellt, die immer noch dabei sind. Das ist eines der Erfolgsrezepte. Aber auch, weil man sich bei uns eben auf Augenhöhe begegnet. Wir haben eine Open Door Policy, jeder Mitarbeiter kann zu jedem Mitarbeiter gehen, auch auf Führungsebene um Rat fragen und somit auch konstruktiv zu Problemlösungen beitragen.  

Was denken Sie: Warum finden sich unter den beliebtesten Arbeitgebern häufig IT-Unternehmen? 

Es hat sicher damit zu tun, dass wir ein sehr modernes Umfeld haben und speziell IT-Unternehmen stark auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter eingehen. Ein Stichwort ist die Work Life Balance. Den Mitarbeitern ist bei der Einstellung das Finanzielle zwar wichtig, aber noch wichtiger ist ihnen eine geregelte Work Life Balance. 

Und Sie haben sehr guten Kaffee im Aufenthaltsbereich. 

(lacht herzlich) Das ist ein wichtiger Punkt. Wenn die Kaffeemaschine nicht funktioniert, sinkt das Production Level.

Haben Sie trotzdem auch als attraktiver Arbeitgeber Schwierigkeiten, Ihren Bedarf an Mitarbeitern zu decken? 

Natürlich. So wie jedes Unternehmen, egal ob rein in der IT-Branche oder ein Unternehmen mit interner IT, stehen auch wir vor der Herausforderung, Fachkräfte zu finden oder spezielle Positionen zu besetzen. Aber viel wichtiger als das ständige Jammern ist es, dem entgegenzuwirken. Wie können wir positiv darauf einwirken und was können wir machen, um uns als noch attraktiverer Arbeitgeber zu positionieren? Was können wir tun, um potenziellen Mitarbeitern Anreize zu liefern, um nicht nur Kräfte aus der nahen Umgebung, sondern auch Fachkräfte aus anderen Ländern nach Linz oder Österreich zu holen? Auch deshalb haben wir uns entschlossen, letztes Jahr den Standort in Klagenfurt zu eröffnen, um uns den ganzen Alpen-Adria-Raum zu erschließen. 

Die Mitarbeiter in Österreich stammen aus verschiedenen Nationen. Welchen Anteil ihres Mitarbeiterbedarfs können Sie aus Österreich heraus decken? 

Mittlerweile sind es 17 Nationen. Bereits zehn Prozent der Mitarbeiter kommen aus internationalem Umfeld und wir beginnen gerade erst, das internationale Recruiting richtig zu forcieren. Wir haben es in der Vergangenheit als zusätzliche Quelle genützt. Die Majorität ist immer noch aus Österreich, aus dem lokalen Raum. 

Aber bei ihrem starken Wachstum wird das irgendwann eng, oder? 

Wir sind auf Expansionskurs und werden in den nächsten zwei Jahren in Österreich auf 500 Mitarbeiter anwachsen. Um dieses Wachstum garantieren zu können brauchen wir Unterstützung im internationalen Recruiting. Da stellen wir uns gerade sehr stark auf.  

Was haben Sie vor? 

Wir sind schon jetzt ein sehr starker Dienstleister für internationale Mitarbeiter, bieten Support bei Visums- und Wohnungsbeschaffung, der Vernetzung mit Schulen und Kindergärten. Ab Mai werden wir eine Mitarbeiterin im Team haben, die sich diesem Thema zu hundert Prozent widmet. Wir versuchen auch Kooperationen mit Industriepartnern zu schließen, um uns gemeinsam aufzustellen und Linz und Klagenfurt noch attraktiver für ein internationales Publikum zu machen. Wir wollen "Full Support" bieten, wenn Mitarbeiter mit ihren Familien zu uns kommen – dazu zählen auch Kooperationen mit englischsprachigen Kindergärten und Schulen. Nicht nur der Job ist wichtig, sondern auch das Umfeld für die Familie. Das Ziel ist die Fachkräfte langfristig nach Oberösterreich oder Kärnten zu holen. Sie sollen Österreich als neue Heimat wahrnehmen und nicht als kurzfristiges Sprungbrett für eine Karriere in London oder den USA sehen. 

Als internationales Unternehmen bieten Sie aber auch Entwicklungsmöglichkeit innerhalb von Dynatrace? 

Absolut. Wir haben ein eigenes Programm, mit dem wir bestehenden Mitarbeitern die Chance geben, nach ca. einem Jahr Firmenzugehörigkeit international Karriere zu machen. Wir haben aktuell zwei Mitarbeiter, die in Linz in der Software-Entwicklung gestartet haben, das Produkt kennengelernt haben und dann nach geraumer Zeit in die USA übersiedelt und dort heute in leitenden Funktionen tätig sind. Die sind in den USA mittlerweile sehr gut verwurzelt sind und haben ihren Lebensmittelpunkt dorthin verlegt. Das sind langjährige Mitarbeiter, die wir so ans Unternehmen binden konnten.

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"Wir sind auf Expansionskurs und werden in den nächsten zwei Jahren in Österreich auf 500 Mitarbeiter anwachsen." - Veronika Gruber, Director Human Resources bei Dynatrace in Linz
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Was mir gut gefällt, ist, dass Sie nicht wegen des Fachkräftemangels jammern, sondern gezielt versuchen etwas dagegen  zu tun. Welche Maßnahmen setzen Sie? 

Grundsätzlich steht und fällt alles mit einer attraktiven Arbeitgebermarke. Wir investieren in unser Employer Branding, um Dynatrace als attraktiven Arbeitgeber zu vermarkten. Wir sind auf diversen Jobplattformen vertreten, um für uns Awareness am Jobmarkt zu schaffen. Wir bieten aber auch ein Referral-Programm an – Mitarbeiter werben Mitarbeiter. Das ist eine tolle Quelle für uns, weil bestehende Mitarbeiter nur dann einen Bekannten oder ehemaligen Kollegen empfehlen, wenn sie sicher sind, dass er ins Dynatrace-Umfeld passt.

Was ganz wichtig ist, ist die "Jugendarbeit". Wir versuchen Dynatrace schon in jungen Jahren in die Köpfe der nächsten Generation zu bringen, in den Schulen und HTLs. Wir haben zum Beispiel eine Patenklasse in der HTL Grieskirchen, die jährlich zu einer Firmenbesichtigung eingeladen wird, für die wir Vorträge über Dynatrace machen, die Informationen bekommt. Natürlich haben wir auch wichtige Kooperationen mit den FHs und Universitäten, zum Beispiel eigens gebrandete Hörsäle an der JKU und der FH Hagenberg, und sind dort auch regelmäßig bei Events vertreten. Wir bieten pro Jahr ca. 20 bis 25 Praktika für junge Leute an, die während der Ausbildung bereits erste Berufserfahrung sammeln möchten. Das bedeutet für uns einen enormen Aufwand, weil wir viele interne Ressourcen dafür brauchen, aber das ist gut investiert. Denn die Praktikanten kommen wieder. Irgendwann sind sie mit der Schule fertig und können direkt bei uns starten.  

Was in Linz gerade sehr populär wird und uns hilft, Dynatrace in die Köpfe sehr junger Leute zu bringen, ist das CoderDojo für Kinder von 7 bis 17, das einmal pro Woche am Freitag stattfindet und das wir sponsern. Wir stellen Hardware zur Verfügung und hosten die Veranstaltung auch ein bis zwei Mal im Jahr im Haus. Der Mehrwert ist, dass wir so nicht nur bei den Kindern, sondern auch in ihrem Umfeld, bei den Eltern und Großeltern, an Bekanntheitsgrad gewinnen.  

Was muss ein Kandidat mitbringen, um zu Dynatrace zu passen? 

Natürlich eine fundierte IT-Ausbildung, das ist für uns sehr relevant. Dynatrace hat ein Hightech-Image, bei uns wird "Rocket Science" programmiert. Gute Programmierkenntnisse sind also von Vorteil. Aber wir bieten auch, gerade für HTL-Absolventen, die Möglichkeit, dass sie hier eine weiterführende Ausbildung erhalten. Gerade nach der HTL sind die Mitarbeiter oft breit aufgestellt und noch nicht spezialisiert. Diese Spezialisierung findet dann bei Dynatrace statt. Jeder Mitarbeiter bekommt einen Mentor zur Seite gestellt, an den er sich immer wenden kann. Zusätzlich hat er einen Team Lead, einen "Vorgesetzten". Aber man will nicht immer gleich zum Vorgesetzten gehen, dafür ist das Mentor-Programm eine tolle Sache. 

Also learning on the Job? 

Das ist ein Part, aber natürlich muss man alles als Gesamtpaket sehen. Wir brauchen auch Leute mit Erfahrung und Universitätsabschluss. Es würde keinen Sinn machen, nur noch HTL-Absolventen anzustellen, aber auch nicht, nur Senior-Charaktere anzustellen. Es braucht ein gutes Mittelmaß, damit sich alles wieder ausbalanciert. 

Apropos Balance: Wie sieht es mit dem Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Mitarbeitern aus? 

Die ganze Branche ist leider eine sehr männerlastige Domäne. Im gesamten Team haben wir derzeit einen Frauenanteil von zehn Prozent. Allerdings ist in der Softwareentwicklung in Linz auch eine wesentliche Führungskraft weiblich besetzt, darauf sind wir sehr stolz. Weibliche Programmiererinnen haben immer noch eher das Image von Randpersonen, das wird auch in den Medien und Sitcoms oft entsprechend dargestellt. Aber dem ist nicht so und das merken wir an den Schulen und Unis. Es kommt sehr viel weiblicher Nachwuchs nach. Vielleicht dauert es ein paar Jahre, bis das in der Branche ankommt, aber es wird schon sehr viel Vorarbeit geleistet.

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