Bild: RNF
Luke Roberts: Der Name des Startups setzt sich aus den Vornamen der Gründer, Lukas Pilat (rechts) und Robert Kopka (lins) zusammen.
Bild: RNF

Interview - Lukas Pilat und Robert Kopka, Luke Roberts

Luke Roberts gehen 300 Lichter auf

Mit seiner smarten LED-Hängeleuchte will das junge Wiener Startup "Luke Roberts" die Lampenwelt revolutionieren. Hinter der Idee und dem Produkt stehen zwei Gründer: der Elektrotechniker Lukas Pilat und der Wirtschaftsinformatiker Robert Kopka. Aus ihren Vornamen setzt sich auch der Firmenname zusammen.

von: Rudolf Felser

Wenn man die beiden in der zum Showroom umfunktionierten Wohnung besucht, merkt man gleich: in dem Produkt steckt viel Know-how, aber vor allem Schweiß, Tränen und Herzblut der beiden Founder und ihres Teams. Das Produkt ist das Ergebnis von drei Jahren harter Arbeit, die sich ausgezahlt haben. 

Die Hardware mit ihren 300 LEDs, die sowohl farbiges als auch weißes, direktes und indirektes Licht bietet, ist die eine Sache. Die Intelligenz, die darin steckt und von einem ARM-Prozessor befeuert wird, eine ganz andere. Sie erlaubt nicht nur das Erstellen unterschiedlichster Lichtstimmungen, sondern "errät" auf Basis ihrer Konfiguration und der Gewohnheiten des Benutzers, welche Voreinstellung er zu einer gewissen Zeit an einem gewissen Tag mit welcher Wahrscheinlichkeit bevorzugt. 

Für die Konfiguration und direkten Einfluss auf die Lichtstimmung gibt es von Luke Roberts Apps für iOS und Android. Aber im alltäglichen Gebrauch reicht für die Bedienung der herkömmliche Lichtschalter, mit dem man durch die programmierten Szenen durchschalten kann. Kein WLAN, keine Basisstation, nichts, was nicht auch Oma, Opa oder Gäste intuitiv bedienen können.

Wir haben mit den beiden Gründern über ihren steinigen Weg bis zur Auslieferung der ersten tausend Leuchten gesprochen und sie nach Tipps für andere gefragt, die mit dem Gedanken spielen, ihre Idee in die Tat umzusetzen. 

Was seid ihr? Lampenhersteller? Hardware-Startup? App-Entwickler? 

Lukas Pilat: Eigentlich ein bisschen von allem, sonst wäre so ein Produkt nicht möglich. 

Robert Kopka: Ein Technologie-Startup mit einem Design-Fokus. 

Pilat: Bisher gab es am Licht-Markt nur Leuchten, die sich durch das Design differenzieren. Es gibt wunderschöne deutsche, italienische Designleuchten-Brands mit Preisen von tausend Euro aufwärts. Mit unserem Produkt sind zum ersten Mal Features im Licht-Bereich möglich. Das ist unser Differenzierungs-Merkmal. Insofern sind wir eher ein Tech-Startup. 

Was unterscheidet eure Leuchten von all den anderen? 

Pilat: Unsere Leuchten können durch gerichtetes, direktes und indirektes Licht jede Lichtstimmung in einem Raum erzeugen. Heute kann man Lampen nur ein- und ausschalten oder dimmen. Unsere Leuchte kann zum Beispiel einmal nach links auf den Tisch, einmal nach rechts auf die Couch und einmal buntes Licht an die Decke werfen. 

Kopka: Durch die integrierte Smartness weiß die Leuchte wann welches Licht gewünscht ist und schaltet dieses automatisch ein. Die App ist also nur für die Konfiguration und für spezielle Funktionen erforderlich. Meistens nutzt man unsere Leuchte über den ganz normalen Lichtschalter. 

Wie ist die Idee entstanden? 

Kopka: Wir haben uns in einer Unternehmensberatung kennengelernt und haben damals gesehen, dass die Leuchten-Branche durch das Glühbirnenverbot im Umbruch ist und man mit der LED-Technologie sehr viel mehr machen kann, als die Hersteller heute machen. Da wir beide einen technischen Hintergrund haben war es für uns klar, dass wir uns das genauer ansehen. Die Kombination aus LED-Technik und Smart Home ist extrem spannend. Über Brainstormings und Gespräche mit Leuten aus der Industrie haben wir erkannt, dass es dieses dynamische Licht mit unterschiedlichen Lichtstimmungen aus einer Leuchtquelle noch nicht gibt – und das wir das entwickeln wollen. 

Wäre die Umsetzung ohne Crowdfunding in Österreich überhaupt möglich gewesen? 

Kopka: Das Positive in Österreich sind die Förderungen. Die ersten Prototypen wurden so finanziert. Aber ohne Crowdfunding wäre es schwierig geworden. 

Pilat: Es gibt in Österreich nicht viel Affinität zu Consumer Hardware und Startups. Das ist die schwierigste Kombination. Wir haben von allem etwas: Hardwareentwicklung, App-Entwicklung, Design und Vertrieb von physischen Produkten. 

Kopka: Und dann geht auch noch alles in Richtung Konsumenten. Die Investoren sind Risiko-avers. Ihnen ist am liebsten, man kann von Anfang an große Abnahmemengen an große Kunden garantieren. Wenn man sagt, man verkauft an Einzelpersonen, sind sie vorsichtig. Es gibt in diesem Bereich auch wenige andere Beispiele mit denen sie uns vergleichen und Chancen wie Risiken abwägen können. 

Pilat: Gerade in der Beleuchtungsbranche sehen wir klares Potenzial im Consumer-bereich. Der B2B-Bereich ist von den Großen schon lange abgeklappert. Es gibt in Österreich, proportional auf das Land gesehen, unzählige Leuchtenhersteller. 

Kopka: Deshalb wollen wir in den Consumer-Bereich. 

Pilat: Da ist Crowdfunding perfekt. Du zeigst damit, dass die Leute Interesse haben und bereit sind, ein oder zwei Jahre auf das Produkt zu warten. Wenn man das als Beweismittel hat, dann ist es später viel leichter, Investorengelder zu bekommen. Auch für weitere Förderungen ist das immer ein gutes Argument.

Bild: RNF
Robert Kopka (links) und Lukas Pilat, Gründer von Luke Roberts
Bild: RNF

Welchen Weg habt ihr gewählt? 

Kopka: Wir haben erst die Firma mit eigenem Geld gegründet und erste Förderungen zur Prototypenentwicklung bekommen. 

Pilat: Für den ersten funktionsfähigen Prototypen haben wir ein Jahr gebraucht. Dann kam das Crowdfunding, dann der Teamaufbau um das Produkt zur Marktreife zu bringen und dann das Investment der Business Angels. 

Jedes Startup muss auch mal auf selbst auf die Schnauze fallen. Aber habt ihr vielleicht ein paar Tipps für andere, die sich mit ihrer Idee auf die eigenen Beine stellen wollen?  

Pilat: Man sagt immer "hardware is hard" – das ist es wirklich. Wir entwickeln Hardware, haben aber zusätzlich auch Apps für zwei Plattformen. Wir machen alles, was ein App-Startup macht, plus das Produkt. Das macht die Sache wirklich schwierig. Eine Lesson learned: Man kann gewisse Dinge bei der Produktentwicklung nicht sinnvoll auslagern. Da geht immer etwas schief. 

Kopka: Deinen USP muss du selbst kontrollieren, ansonsten hast du keinen Vorsprung und auch die Kosten und Entwicklungsgeschwindigkeit sind dann extern getrieben. 

Pilat: Das Produkt, Hardware und Software, müssen nahtlos funktionieren. Das muss aus einem Team kommen und selbst entwickelt werden. Noch ein Learning: Wenn man glaubt, man ist bereit und die Produktion steht, dann braucht man nochmal ein Jahr. (lacht) 

Der Name "Luke Roberts" setzt sich aus euren Vornamen zusammen. Damit zielt ihr von Anfang an auf internationale Märkte, oder? 

Kopka: Uns war klar: Wenn wir ein Smart-Home-Produkt machen, muss es international funktionieren. Wir sehen zum Beispiel auch in den USA großes Potenzial für unser Produkt. Würden wir uns auf den österreichischen Markt fokussieren, hätten wir die hohen Entwicklungskosten nicht stemmen können. Im Lampenbereich gibt es viele Brands, die wie die Namen von Designern klingen. So versuchen wir auch, die Spanne zwischen einem Technikprodukt und Design hinzukriegen.

Mehr Artikel zum Thema: Hardware Startup Interview

Neues Betriebssystem für die FRITZ!Box

Das Berliner Unternehem AVM hat seinen beliebten...

Weiterlesen

Digitalisierung ohne Open Source wäre nicht denkbar

"Wenn Sie sich die modernen Komponenten etwa im...

Weiterlesen

Eine der spannendsten Kombinationen der IT-Branche

Johannes Kreiner, Geschäftsführer der Sage GmbH, spricht im...

Weiterlesen

GPS und "Jugendtaxi" verhindern Disco-Unfälle

Technologie soll das Leben bequemer und sicherer machen. Das...

Weiterlesen

Die Wolken-Expertin von SAP

SAP hat kürzlich seine S/4HANA Cloud in Österreich gelauncht...

Weiterlesen

Mit Funk und Cloud gegen Ratten

Seit jeher stellen Ratten ein Problem für Städte, Kommunen...

Weiterlesen

ETRON verkauft iPad-Kassen von Gastrofix

ETRON ist im Mai 2018 eine strategische Allianz mit dem...

Weiterlesen

Objekterkennung auf Oktoberfest-Niveau

Das Wiener Startup MoonVision liefert mit seiner Plattform...

Weiterlesen

LCM: Geburtshelfer für innovative Ideen

Die klugen Köpfe der Linz Center of Mechatronics GmbH...

Weiterlesen

Die Digitalisierungs-Reise der SVA

Die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft...

Weiterlesen

Das Netzwerk sieht alles

Was haben moderne Netzwerke mit Gehirnen, heißen Herdplatten...

Weiterlesen

Kein Freibrief für Datenschutzverstöße

Wir haben den Rechtsanwalt Gerald Ganzger gefragt, welche...

Weiterlesen

"Das ist ein Wahnsinn"

"Wir brauchen drei bis sechs Monate, um gute Leute auf...

Weiterlesen

Aus Security-Sicht ein Horror

Die Ergebnisse des jährlichen Breach Level Index von Gemalto...

Weiterlesen

Datenschutz bei der DSAG

Die EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) macht auch vor...

Weiterlesen

Porsche beteiligt sich an KI-Start-up Anagog

Die Porsche Digital GmbH hat eine Minderheitsbeteiligung am...

Weiterlesen

weXelerate mit neuer, weiblicher Geschäftsführung

Das Innovations- und Startupzentrum weXelerate betraut...

Weiterlesen

Plantronics Voyager 6200 UC im Test

Headset-Spezialist Plantronics hat Anfang des Jahres sein...

Weiterlesen

Tinders steirische Schwester

Der Grazer App Publisher iTranslate wurde an IAC...

Weiterlesen