Bild: CC0 - pixabay.com
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Gastartikel - Urs Gubser, SIX Payment Services

Einkauf & Bezahlung im IoT

Die vernetzte Zukunft ist näher als je zuvor – dank des immer schneller voranschreitenden technologischen Wandels stehen Ideen, die bis vor Kurzem nur in der Theorie möglich erschienen, jetzt kurz vor der Verwirklichung.

Die potenziellen Möglichkeiten, die das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) bietet, sind ein hervorragendes Beispiel dafür. Die Zahl der vernetzten Objekte – von Autos über Kühlschränke bis hin zu Kleidung ist alles dabei – steigt rasant an. Damit wachsen auch die Möglichkeiten der Verbraucher für bargeldlose und automatisierte Bezahlungen. Händler können zudem ihre Waren und Dienstleistungen über neue Kanäle verkaufen und verbreiten, Logistikdienstleister können ihre Kapazitäten optimieren.

Eine Studie vom September 2017 fand heraus, dass 80 Prozent der Befragten ein ‚starkes Interesse‘ daran haben, Einkäufe über IoT und vernetzte Geräte zu tätigen. 83 Prozent erkennen die damit verbundene Zeitersparnis und Benutzerfreundlichkeit. 

IoT im Einzelhandel 

IoT ist eine komplexe Umgebung, die digitale Unternehmen aus jeder Branche steuern müssen. Für die Verbraucher liegt der größte Reiz im Komfort: Sie wollen Dinge aus der Ferne bestellen und bezahlen oder automatisierte Bezahlungen einrichten können, damit beispielsweise ihr Kühlschrank neue Milch bestellt, wenn der Vorrat zur Neige geht. In Zukunft werden Personalisierungen und Individualisierungen in größerem Umfang möglich sein, da die Verbraucher mehr Kontrolle über den Zeitpunkt und Ort ihrer Käufe gewinnen und eine erweiterte Auswahl an Artikeln verfügbar ist. 

Für Händler ist es äußerst nützlich, dass diese neuen digitalen Kanäle ohne zusätzliche Anstrengungen eine ‚natürliche‘ Nachfrage erschaffen. Zusätzliche Vorteile gibt es bei der Bestandsverwaltung. So können Rabatte auf überschüssige Bestände gewährt oder Lieferungen automatisiert werden. Händler erhalten zudem Zugang zu sehr wertvollen neuen Informationen über Kundenverhalten und Kaufmuster, wodurch sie die zukünftige Nachfrage genauer prognostizieren können.

In der heutigen Zeit kaufen die meisten Menschen immer wieder die gleichen Lebensmittelmarken. Daher kann ein Kühlschrank beispielsweise relativ unkompliziert den Einkauf automatisieren und so die Zeit verringern, die der Verbraucher sonst für den Kauf bestimmter Lebensmittel aufwenden muss. Dank des Komforts, den Smart-Kühlschränke und automatisierte Bestellvorgänge bieten, können die Verbraucher dann im "Kühlschrank" nach exotischeren Produkten stöbern, auf die sie normalerweise keinen Zugriff hätten. 

Die Vorbereitung des E-Commerce-Ökosystems auf IoT

Die Logistik ist vermutlich die größte Herausforderung für das IoT-Bezahlökosystem. Mögliche Anbieter in diesem Bereich sind Lieferunternehmen wie Uber, lokale Lieferfirmen oder Unternehmensdienstleister wie Amazon. Doch viele Händler vermeiden es, Waren über Amazon anzubieten, da das Unternehmen aus Seattle als direkter Mitbewerber mit einer eindeutigen Marktposition im IoT-Raum angesehen wird. 

Stattdessen werden sich möglicherweise neue E-Commerce-Ökosysteme entwickeln, die Händler, einen IoT-Dienstanbieter und Bezahlsysteme wie die von SIX entwickelten Systeme kombinieren. Dadurch können Waren und Dienstleistungen bereitgestellt werden, die sich der neuen digitalen Möglichkeiten und der Fülle an Daten bedienen, die jetzt verfügbar gemacht werden.

Als Experte für Bezahlsysteme verfügt SIX über viele Jahre Erfahrung in der Verwaltung von Transaktionsdaten und Bestellabläufen. Die Entwicklung eines IoT-Bezahlsystems ist eine natürliche Weiterentwicklung unserer bisherigen Arbeit, die unserer Ansicht nach einen enormen Wert für Händler, Verbraucher und Logistikdienstleister bietet. 

Wir haben gemeinsam mit lokalen Händlern und zukünftigen IoT-Dienstanbietern mit der Implementierung einer IoT-Handelsplattform in unserer Heimatstadt Zürich begonnen und testen eine einfache mobile App für ‚Kühlschrank-Nachbestellungen‘, um herauszufinden, wie die Technologie funktionieren kann. Vor dem Hintergrund dieses ersten Tests sind wir davon überzeugt, dass es in wenigen Jahren unzählige Möglichkeiten in vielen Sektoren geben wird. Kleine Unternehmen müssen beispielsweise regelmäßig ihren Bestand an Büromaterial wieder auffüllen – dies könnte über das Internet der Dinge abgewickelt werden, wodurch deutliche Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen entstehen.

Maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz (KI) können dabei helfen, viele der Probleme zu lösen, die durch IoT-Kanälen entstehen. Wir bei SIX werden schon bald Blockchain-Technologie einsetzen, um Transaktionen mithilfe von Distributed Ledgers steuern zu können. Dank der Unveränderbarkeit und Transparenz von Distributed Ledgers können Stakeholder dann immer sehen, an welcher Stelle des Bestell-Workflows sie sich befinden – das sollte reibungslose Prozesse garantieren.

Hersteller aus allen Branchen werden von automatisierten, dezentralen Bezahllösungen profitieren, die IoT- und Blockchain-Technologie einsetzen und für weniger Verwaltungsebenen, weniger Komplexität und niedrigere Kosten sorgen. Sie erhalten zudem die Möglichkeit, ihre Kunden besser zu verstehen – wenn ein Küchenhersteller heute seine Produkte verkauft, gibt es so gut wie keine weitere Verbindung zwischen dem Käufer und dem Verkäufer. Mit dem Aufkommen von IoT-Bezahlsystemen eröffnet sich ein neuer und konsistenter Kommunikationskanal, mit dem sich größere Chancen zum Erfassen von Nutzerdaten und dem Verbessern von Maßnahmen bietet. Dadurch nimmt der Verbraucher auch Einfluss darauf, wie Hersteller Produktlinien entwickeln und weiterentwickeln.

Rolle des Bezahlsystemanbieters – Konnektivität und Sicherheit

Branchenberichte sagen voraus, dass es bis 2021 weltweit 28 Milliarden vernetzte Geräte geben wird, mit denen es möglich ist, Bezahlvorgänge auszuführen und zu empfangen. Dazu werden vermutlich Wearable-Geräte, alle Arten von Kraftfahrzeugen sowie Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Heizungs- und Klimaanlagen gehören (ebenso natürlich auch mobile Geräte, Uhren und Hunderte andere Dinge oder sogar Teile des menschlichen Körpers, die mit Computerchips und Sensoren ausgestattet werden).

In vielen Fällen existiert bereits die notwendige Infrastruktur zum Abschließen von IoT-Bezahlungen. Kühlschrankhersteller wie Samsung und Trustonic haben vernetzte Geräte auf den Markt gebracht, die Direktbestellungen für Lebensmittel aufgeben können. Uber und Lyft haben eingebettete E-Commerce-Lösungen integriert, auf die die Verbraucher über mobile Anwendungen zugreifen können.

Der nächste Schritt besteht darin, die verschiedenen distinkten Systeme zu einem nahtlosen Ganzen zu verbinden. Dabei stellt ein Zahlungsdienstleister wie SIX das notwendige Bezahlökosystem bereit, über das die Transaktionen abgewickelt werden können. Das Vereinfachen von Micropayments zwischen internetfähigen Geräten und der Einsatz von Datenanalytik und maschinellem Lernen kann zu einem stark verbesserten Einsatz von Ressourcen führen, indem Angebot und Nachfrage aufeinander abgestimmt und gleichzeitig der zukünftige Bedarf prognostiziert wird. 

Laut einer aktuellen Umfrage bezeichneten 65 Prozent der Verbraucher Kartenherausgeber noch vor dem Einzelhandel, sozialen Netzwerken und Herstellern von Mobilgeräten als ihren bevorzugten Enabler von IoT-Diensten.

Aufkommende Konzepte, die aus den IoT-Technologien entstehen, eröffnen neue Kanäle und Chancen und formen das Konsumverhalten der Verbraucher. Cloud-Computing, Social Media, Roboter und künstliche Intelligenz werden den Bezahlverkehr weiterhin verändern, und das auf eine Weise, die wir uns heute noch nicht vorstellen können – so, wie wir uns vor 10 Jahren nicht vorstellen konnten, welche Veränderungen durch das Smartphone ermöglicht wurden. Wir sehen derzeit lediglich die Spitze des Eisbergs der Möglichkeiten, die IoT bringen kann. Die Bezahllandschaft entwickelt sich in einem rasanten Tempo und eröffnet Chancen, die sich jenseits unseres derzeitigen Horizontes befinden. 

Urs Gubser ist Head of E-Commerce bei SIX Payment Services.

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