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Patrick Tomelitsch hat die Oroundo Mobile GmbH 2014 gemeinsam mit Klaus Windisch gegründet. Mit der Plattform Cultural Places streben sie eine nachhaltige Änderung im Kulturbereich an.
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Interview - Patrick Tomelitsch, Oroundo

Eine Blockchain für Kultur

Es geht um nicht mehr und nicht weniger als eine digitale Disruption im Kultur-Bereich: Das Projekt Cultural Places will alle Stakeholder unter einen Hut bringen und bedient sich dazu der Blockchain-Technologie und eigener Krypto-Tokens.

von: Rudolf Felser

Die Plattform Cultural Places soll die Drehscheibe für alle Stakeholder im Kulturbereich werden. Dafür setzt die 2014 in Wien gegründete Oroundo Mobile GmbH, das Unternehmen dahinter, auf die Blockchain und Krypto-Tokens. Derzeit läuft das Initial Coin Offering (ICO) für den "Cultural Coin". Diese Cyber-Währung ist das Herzstück des Ökosystems und soll als Standard-­Zahlungssystem für Eintrittskarten, Services wie Audio Guides oder Touren, aber auch zum Kauf von Souvenirs etabliert werden. Der Cultural Coin ist ein Ethereum ERC20-­Token, mit dem man in weitere Folge auch Kulturprojekte, Shows und Events mit Spenden direkt unterstützen können soll. 

Wir haben uns mit dem aus Kärnten stammenden Patrick Tomelitsch, einem der Gründer des Unternehmens, im Wiener Büro getroffen, um über sein Projekt, aber auch Sinn und Unsinn von Blockchain, Kryptowährungen und ICOs zu sprechen.   

Herr Tomelitsch, helfen Sie mir bitte, das alles zu durchschauen. Es gibt also das Unternehmen oroundo, das hat die App Cultural Places entwickelt. Diese App gibt es schon eine Weile, sie arbeiten weltweit mit rund 30 Institutionen zusammen und darin werden Informationen zu Museen und anderen Kulturangeboten präsentiert. Ist das soweit richtig? 

Wir haben 2013 mit der Entwicklung von Apps begonnen, noch vor der Gründung von oroundo. Schon damals war einer unserer Schwerpunkte Applikationen im Kulturbereich. In den Jahren 2013 und 2014 haben wir zum Beispiel die "Kulturapp" entwickelt. Das war eine Art Register für den musealen Bereich, in der sich Museen mit Texten, Bildern, Ausstellungsinfos, Terminen darstellen konnten. 2014 haben wir das in eine Firma gepackt. All das hat uns zu dem Projekt Cultural Places geführt, das aus der App besteht, aber zum Beispiel auch einer Website und dem ICO (Initial Coin Offering). Das hängt alles mit dem Projekt zusammen, von der reinen Applikationsentwicklung bis hin zur Blockchain-Technologie und Finanzsoftware, Wallets & Co. Wir haben auch diverse Equity-Partnerschaften mit Unternehmen, die sich mit Dingen, die wir umsetzen wollen, beschäftigen.  

Die Vision ist, ein soziales Netzwerk zu werden, das Kultur-Institutionen, -Schaffende und -Interessierte miteinander verbindet? 

Ein soziales Netzwerk oder eine internationale Kulturplattform ist das große Ziel, das wir haben. Das sind aber Begriffe, mit denen man wenig anfangen kann. Einfacher gesagt: Wir wollen die Drehscheibe für alle Stakeholder im Kulturbereich werden, egal ob Künstler, Kulturinstitutionen oder auch Reisende. 

Sie gehen mit Cultural Places also auch in die Tourismus-Richtung? 

Aber immer mit Kultur-Schwerpunkt. Unser Ziel ist, dass die Leute Kultur-Institutionen, Ausstellungen und Galeristen finden, aber auch aktiv mit Künstlern in Kontakt treten können. Nicht nur zum Beispiel die Top 5 Museen oder Sehenswürdigkeiten in Barcelona, die jeder kennt, sondern viel mehr.

In weiterer Folge sollen über die Plattform auch Ticketing, Funding, Spenden usw. abgewickelt werden können? 

Wir setzen Ticketing und Crowdfunding oben drauf, weil das zwei Needs sind: Tickets online kaufen und verkaufen und die Frage, wie man auch als kleines Museum oder kleiner Künstler Projekte finanzieren kann. Das ist für uns ein wesentlicher Punkt, an dem wir mit vielen Partnern zusammenarbeiten und mit dem wir uns am Markt etablieren wollen. Wir sind zum Beispiel sehr stark am Balkan-Markt, aber auch in Indonesien und der DACH-Region vertreten. Wir versuchen durch strategische Sales- und Marketingpartnerschaften auch in anderen Ländern das Ziel, mit unseren Services den Kulturmarkt abzudecken, zu erreichen. Unser Plan ist, dass bis 2023 jede Transaktion im Kulturbereich über unsere Plattform läuft – egal, ob es um ein Ticket, eine Partizipation an einem Projekt, einen Virtual Reality Service oder ein Shop Payment geht. Wir wollen, dass der User das mit Cultural Coins zahlen kann. 

Danke für die Überleitung! Warum setzen Sie eigentlich auf Blockchain und Krypto-Tokens? Könnte Ihre Vision nicht auch "traditionell" verwirklicht werden? 

Ein großes Thema in unserem Core Business ist immer Transparenz, speziell im Crowdfunding-Bereich. Natürlich kann man traditionelle Crowdfunding-Kampagnen machen. Aber wir bekommen viel Feedback, dass das Funding nicht komplett bei den Projekten ankommt. Außerdem stellt sich die Frage, wie man die Zielgruppe erreicht. Bei uns fließen 96 Prozent in die Crowdfunding-Kampagnen. Die Transaktion findet über eine einheitliche Währung statt, die am Markt platziert wird und einen Mehrwert schafft – auch durch unser Reward-System. Institutionen und User bekommen als Reward für ihre Teilnahme laufend Coins. Mit denen können sie weiter an Projekten partizipieren oder damit Services bei uns bezahlen. Wenn beispielsweise eine Institution eine neue Ausstellung plant und dazu einen  japanischen Audio-Guide machen will, ist das oft ein Kostenthema. Dadurch, dass wir und die Institutionen in ein gemeinsames Ökosystem eingebunden sind, bekommen sie laufend Cultural Coins, mit denen sie Services innerhalb dieses Ökosystems beziehen können. Dadurch kann jedes Haus alles, was Kommunikation betrifft, über unsere Plattform machen, auch die externe Kommunikation. Wie erreiche ich die Leute gezielt? Es ist viel effizienter, wenn ich eine Plattform habe, auf der sich eine Zielgruppe mit gemeinsamen Interessen konzentriert. Auf Facebook habe ich ein Problem: Dort ist jeder und niemand. Ich kann targeten, aber ich habe keine Conversions. Das ist ein ziemlich großes Asset für den Kulturbereich, das es so noch nicht gibt. 

Welche Vorteile hat Blockchain-Technologie noch in diesem Bereich? 

Die Transparenz der Zahlungen, die Schnelligkeit und die Betrugssicherheit bezüglich des Ticketing. Die Tickets gehören mir, man kann keine Kopien verkaufen. Diese Blockchain-Vorteile sind da, sie sind vor allem wesentlich in der Kombination mit unserem Service. Es gibt in unserer Zielgruppe das Problem, dass Ticketanbieter einen großen Anteil an den Bookings nehmen, oft im Bereich von 25 bis 30 Prozent. Wir sind viel billiger und können ein einfacheres Service anbieten. Unser Ziel ist es auch, dass das Ticketing für Häuser viel einfacher umzusetzen ist.  

Man liest, dass die Abwicklung von Transaktionen auf Basis der Blockchain gar nicht so schnell sein soll und zum Beispiel Kreditkartentransaktionen viel schneller und effizienter laufen. Wenn Ihr Service einschlägt, bekommen Sie dann nicht ein Problem mit der Skalierung? 

Natürlich ist die Skalierbarkeit immer ein Thema. Es kommt immer darauf an, für welches Service man welches Protokoll verwendet. Wir verwenden für das Ticketing das ERC-721-Protokoll und arbeiten auch mit Side-Protokollen, die es uns ermöglichen die Transaktionszeiten zu verringern, indem wir ganze Blöcke validieren.

Weht ICOs nicht langsam ein harter Wind entgegen? Es wird immer öfter und immer lauter von Regulierungen gesprochen. 

Es ist schon eine Herausforderung, weil ICOs oder generell alles im Krypto-Bereich immer mit Bitcoin  Fraud in Verbindung gebracht wird. Es gibt viele Unternehmen oder Projekte, die Scam sind oder bei denen kein Mehrwert dahintersteckt. Davon heben wir uns ab, indem wir eine starke Nutzer- und Kundenbasis und internationale Projekte haben, mit denen wir Mehrwert schaffen. Uns geht es nicht um Bitcoin Trading, sondern um Blockchain-Anwendungen und die Vision, eine einheitliche Zahlungsmöglichkeit im Kultursektor zu bieten, egal wo der User sich befindet. Es sind die Fima und die Kunden dahinter, die die Wertigkeit des Tokens präsentieren, und nicht wie bei Bitcoin reines Vertrauen. Es wird aber immer schwieriger in der Reglementierung und ist immer wieder eine Herausforderung, auch mit Finanzmarktaufsicht und Co. Deswegen sind wir rechtlich gut aufgestellt. Für die meisten ist das ICO eine Finanzierungsrunde, weil es in unseren Breiten schwierig ist, gegen amerikanische oder asiatische Unternehmen  oder größere Player, die in ersten Finanzierungsrunden auf eine Idee hin mit 20 Mio. Dollar ausgestattet werden, zu bestehen. Dort ist ein ganz anderes Mindset da, was die Finanzierung von Ideen betrifft. Gerade im Technologie-Bereich hat man lange Vorlaufzeiten, man muss entwickeln, das Produkt adaptieren, Marktfeedback einholen, rechtliche Aspekte bedenken, jetzt auch den Datenschutz. Das sind alles Dinge, die zeit- und kostenintensiv sind. Deswegen ist es wichtig, dass es alternative Förderungs- und Finanzierungsmethoden gibt. Jeder der glaubt, dass er mit einer Förderung zwischen 100.000 und 200.000 Euro in diesem Bereich ein Gamechanger ist, hat sich nicht damit beschäftig. Man braucht zum Beispiel auch gutes Entwicklungspersonal, das schwierig zu finden ist – gerade im Blockchain-Sektor. Deswegen ist das ICO eine zusätzliche Art der Finanzierungsmöglichkeit.  

Das ist ein großes Problem am europäischen Markt, mit dem viele Unternehmen zu kämpfen haben: Du hast eine gute Idee und schon große Kunden, musst aber am Ende des Tages schauen, dass du schnell genug bist. Wir sind in einer Nische, das ist gut. Aber man hat es bei den Taxi-Apps gesehen. Wenn es läuft, dann kommt jemand wie Uber. Nicht, weil deren Software so gut ist, sondern weil sie die Power haben, das umzusetzen. Das hängt mit dem Vertrauen der Investoren und den Möglichkeiten in der Finanzierung zusammen. 

Was steht bei oroundo nach dem ICO noch auf dem Plan?  

Die Umsetzung der Tech-Roadmap und gemeinsam mit dem Team zu wachsen. Außerdem werden wir uns von Seiten der Investoren so aufstellen, dass wir nächstes Jahr auch whitelabeln können. Zum Beispiel haben wir sehr gute Kontakte in Themenparks und auch die Expo Dubai 2020 ist ein Thema für uns. Wir schließen strategisch nichts aus.

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