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Dieter Ferner, Country Manager von SUSE Österreich
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Interview - Dieter Ferner, Suse

Digitalisierung ohne Open Source wäre nicht denkbar

"Wenn Sie sich die modernen Komponenten etwa im Automotive-Bereich anschauen, so schlägt darunter ein Open-Source-Herz. Die Digitalisierung ohne Open Source wäre allgemein nicht denkbar", erklärt Dieter Ferner, Country Manager von SUSE Österreich, im Interview. Aber eigentlich ist Open Source nicht offen genug. Deswegen spricht SUSE von sich als "Open-Open-Source-Unternehmen".

von: Rudolf Felser

Das Unternehmen SUSE gehört zu den Linux- und Open-Source-Pionieren. Es wurde 1992 als "Gesellschaft für Software und Systementwicklung mbH" (mit dem Akronym S.u.S.E. - Software- und System-Entwicklung) im deutschen Fürth gegründet. 1998 folgte der Umzug nach Nürnberg, wo auch heute noch der Hauptsitz zu finden ist. Zwischenzeitlich, je nach Besitzer des Unternehmens, wurde das HQ aber immer wieder auch in die USA verlegt. 

Die Geschichte des Unternehmens ist nicht gerade ereignislos: So wurde SUSE 2003 von Novell übernommen, 2011 wurde Novell von der Attachmate Group übernommen und ab 2014 hieß der Mutterkonzern dann Micro Focus. Seit 2011 ist SUSE aber als eigenständige Geschäftseinheit aktiv. Diese Unabhängigkeit soll in Zukunft noch stärker werden. So wurde ein Abkommen mit dem auf wachstumsorientierte Anlagen spezialisierten Investor EQT getroffen, der SUSE von von Micro Focus übernehmen wird. Noch ausständig sind die Zustimmung der Aktionäre sowie die üblichen behördlichen Genehmigungen, die aber für Anfang 2019 erwartet werden.

Dieter Ferner ist seit 2013 an Bord des Open-Source-Unternehmens, erst als Account Executive in Wien und seit 2014 als Country Manager von SUSE Österreich. Er ist seit fast 20 Jahren im Bereich Produkt-, Service- und Lösungsverkauf aktiv und sammelte vor allem Erfahrungen im ICT- und Account-Management. Seine berufliche Laufbahn startet Ferner in der Raiffeisen Bankengruppe im Bereich IT und Produktmanagement und war später unter anderem für IBM, CSC und Capgemini Consulting tätig.

Im Interview spricht er über seine ersten Berührungspunkte mit Open Source, darüber, was SUSE meint, wenn es von "Open-Open-Source" spricht sowie von den Auswirkungen der Übernahme durch EQT für seine Kunden.

Herr Ferner, wann sind Sie im Verlauf Ihrer Karriere das erste Mal bewusst mit Open Source Software in Berührung gekommen?

2013 habe ich mich zum ersten Mal bewusst mit Open Source auseinandergesetzt – im Rahmen meines Wechsels zu SUSE. Vorher war ich Unternehmensberater und meine Aufgabe war es, Unternehmen dynamischer, agiler und innovativer zu machen. Bei SUSE habe ich dann verstanden, dass die Basis für diese Dynamik und Innovation tatsächlich Open Source Software ist. 

SUSE spricht von sich selbst als Open-Open-Source-Unternehmen. Was hat es damit auf sich?

Open Open Source heißt für uns, nicht nur den Quellcode offenzulegen, sondern auch auf offene Schnittstellen zu garantieren. Wir bieten Lösungen, die dem Kunden alle Freiheit geben, auch mit unseren Mitbewerbern zusammenzuarbeiten – unsere Interfaces und APIs sind offen für Applikations- und Hardwarehersteller. So verhindern wir einen Vendor Lock-in und garantieren dynamische, offene Systeme.

Mittlerweile freunden sich auch Unternehmen mit Open Source und Linux an, die früher mit quelloffener Software auf Kriegsfuß standen. Warum ist das so?

Zum einen sorgte der enorme Erfolg von Linux im Unternehmen dafür, dass Open Source zum Mainstream wurde und der Markt schlicht nach Open-Source-Alternativen verlangte. Hersteller, die sich dem verweigerten, hätten sich nur selbst geschadet. Das sehen wir auch heute beim Thema Vendor Lock-in – Unternehmen reagieren sehr sensibel darauf. 

Zum anderen bietet Linux eine deutlich bessere Skalierbarkeit. Beides führte zu der Entwicklung, wie wir sie heute sehen: Unternehmen wie Oracle, Microsoft und AWS haben Open-Source-Produkte im Einsatz und arbeiten innerhalb von OpenStack mit anderen zusammen – unter der Führung von SUSE, wenn ich das anmerken darf. 

Als Sie zum ersten Mal den Spruch "Microsoft Loves Linux" gesehen haben, was haben Sie da gedacht? Damals waren Sie ja bereits eine Weile bei SUSE.

Wir haben seit langen Jahren ein ausgezeichnetes Verhältnis zu Microsoft. Sie profitieren von uns als SUSE Linux Reseller, weil viele ihrer Kunden nicht nur Windows, sondern auch Linux im Einsatz haben. Unter dem Banner der Interoperabilität hat Microsoft daher seit einiger Zeit auf Linux gesetzt – insofern ist die Aussage "Microsoft Loves Linux" nichts Neues für mich.

Wie viel war bzw. ist an dieser Behauptung von Microsoft-Chef Satya Nadella aus Ihrer Sicht eigentlich wirklich dran?

Wie gesagt: Microsoft und SUSE arbeiten schon lange zusammen, auch wenn es nicht immer so nach außen getragen worden ist. Satya Nadella ist daher einfach ehrlich, wenn er unser enges Verhältnis betont. Das freut mich natürlich, denn wir schätzen die Partnerschaft sehr.

Wären wir technologisch heute dort, wo wir stehen, wenn es die Open-Source-Bewegung nicht geben würde? Es gibt immerhin zu fast allem auch eine "geschlossene" Alternative.

Ganz klar: Nein. Wenn Sie sich die modernen Komponenten etwa im Automotive-Bereich anschauen, so schlägt darunter ein Open-Source-Herz. Navigationsgeräte basieren auf Linux, führende Hersteller wie TomTom setzen konkret auf SUSE. Die Digitalisierung ohne Open Source wäre allgemein nicht denkbar. Viele der Basistechnologien wie Cloud, skalierbarer günstiger Speicher (Storage) oder moderne Entwicklungsmethoden (DevOps) basieren auf Open-Source-Projekten. Geschlossene Lösungen sind lediglich Alternativen, doch sie können mit der Entwicklungsgeschwindigkeit der Open-Source-Community nicht konkurrieren. Dies wird besonders klar bei Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz und Predictive Communications.

Was ändert sich für SUSE und die Nutzer Ihrer Software bzw. Ihre Kunden durch die  geplante Übernahme durch EQT?

Wir wollen im Kalenderjahr 2019 SUSE Linux eigenständig an den Markt bringen. EQT soll dann als Partner, nicht als Eigentümer fungieren – man spricht von einem "Carve-Out". So können wir als kleineres Unternehmen mit 1.500 Mitarbeitern dynamisch am Markt agieren und werden nicht länger gebremst; zudem können wir unsere Kunden wie gewohnt bedienen und supporten. Bisher ist dieser Carve-Out nur ein Vorschlag, der noch durch die Aktionäre gebilligt und regulatorisch genehmigt werden muss. Ich bin sehr optimistisch und freue mich auf die neue Dynamik.

Hat das zukünftig auch Auswirkungen auf die gemeinsamen Projekte mit dem bisherigen Eigentümer Micro Focus?

Micro Focus wird auch während und nach dem Carve-Out als SUSE-Partner zur Verfügung stehen und wir werden unsere Kunden weiterhin gemeinsam bedienen.

Was kann man von SUSE in Zukunft noch erwarten? Das Unternehmen wächst und engagiert sich stark bei Zukunftstechnologien wie Open Stack & Co. Ist das die Stoßrichtung?

Unser Kerngeschäft ist das Betriebssystem SUSE Linux Enterprise Server mit dem Schwerpunkt auf SAP und SAP Applikationen. Der zweite, richtungsweisende Bereich umfasst im Prinzip alles, was Software Defined ist – etwa Container-as-a-Platform oder CEPH-basierter Storage. Wichtig ist uns die Skalierung über alle Plattformen: IBM Power, Mainframe und x86. SUSE ist von Anfang an auf die Cloud ausgerichtet und plattform-unabhängig. So können unsere Kunden auch innerhalb von einer Subscription vom Einsatz im eigenen Rechenzentrum (on premise) zur Cloud-Lösung wechseln. 

Meine letzte Frage: Warum sind Sie so super?

Wir als SUSE sind super, weil das Team einfach genial ist. Wir bringen all das mit, was unsere Kunden in Österreich und in der Welt brauchen: Verlässlichkeit, Skalierbarkeit, Performance. Wir sind aufgestellt für die Zukunft und wachsen mit unseren Kunden.

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