Das neue Congress Centrum Alpbach - (c) Sedlak

"Neue Aufklärung"

Alpbacher Technologiegespräche starten diese Woche

Von 25. bis 27. August finden heuer im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach zum 33. Mal die "Alpbacher Technologiegespräche" statt, die vom AIT Austrian Institute of Technology und dem ORF (Radio Österreich 1) organisiert werden. Internationale Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutieren in Plenarveranstaltungen und Arbeitskreisen über das Thema "Neue Aufklärung" im Kontext von Digitalisierung, Forschung und Innovation. Pünktlich zum Forum wurde am 21.8. nach einer 15-monatigen Umbauphase auch das neue, erweiterte Congress Centrum Alpbach (CCA) präsentiert.

von: Rudolf Felser

Am Beginn der Technologiegespräche im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach steht der FTI-Talk, in dem Bildungsministerin Sonja Hammerschmid, Infrastrukturminister Jörg Leichtfried, Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer, Industriellenvereinigung-Präsident Georg Kapsch sowie AIT-Aufsichtsratspräsident und Forschungsrats-Chef Hannes Androsch ihre Standpunkte zu aktuellen Themen im Bereich Forschung, Technologie und Innovation erläutern.

Danach spricht Gerhard Eschelbeck, der Vizepräsident für Sicherheit und Datenschutz bei Google über "Cyber Sicherheit als Globaler Faktor". Aktuelle Anwendungen der "Kybernetik in modernen Energie- und Produktionssystemen" stellen Matthew Carney vom Center for Bits and Atoms des MIT, Lucy Y. Pao, Spezialistin für Kontrollsysteme, Sensorik und Robotikanwendungen an der University of Colorady und Dawn M. Tibury, Professor of Mechanical Engineering an der University of Michigan vor. Neben Fragen der Regelung, Sicherheit und Verlässlichkeit vernetzter Systeme steht auch zur Debatte, wie die zunehmende Komplexität automatisierter Produktionssysteme bewältigt werden könnte.

Noch schneller als die Leistung der Supercomputer und die digitale Vernetzung wächst die Komplexität der Gesellschaft. Globale Wirtschafts- und Finanzkrisen sind ihre Symptome. Auf der Basis von Big Data lassen sich aber auch fundiertere Entscheidungen treffen. Netzwerkforschung kann dazu beitragen, Risiken rechtzeitig zu erkennen. In einem Plenum über "Komplexität und neue Aufklärung" diskutieren u.a. der Netzwerkforscher Albert-László Barabási und der Sozialwissenschafter Dirk Helbing von der ETH Zürich, wie sich die Eigendynamik komplexer Systeme besser verstehen, nutzen und kontrollieren lässt.

Die Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren ist wissenschaftlicher Partner der Technologiegespräche und vermittelt neue Ansätze der "Personalisierten Krebsmedizin". Zu den Themen "Personalisierte Onkologie für Kinder mit Krebs", "Immuntherapie" und "Risikodifferenzierte Brustkrebsvorsorge im Zeitalter der Gentechnik" referieren Angelika Eggert von der Berliner Charité, der Mainzer Onkologe Christoph Huber und Rita K. Schmutzler, Direktorin des Zentrums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs am Universitätsklinikum Köln.

Im Plenum "Digitale Medizin" wird der aktuelle Trend "Telehealth" diskutiert, die zunehmende Nutzung von Telekommunikation für die Betreuung von Patienten. Dabei steht das Potenzial mobiler Geräte im Mittelpunkt eines Vortrages des Neurologen E. Ray Dorsay von der University of Rochester. Dipak Kalra, Präsident des European Institute for Health Records spricht über das Konzept des "Digital Patient". Die Sammlung personalisierter Daten berührt nicht nur Fragen des Datenschutzes und der Patienten-Aufklärung, sondern verspricht auch neue Möglichkeiten, Risiken früher zu erkennen, Lebensstile zu verändern und Behandlungsmöglichkeiten rechtzeitig zu optimieren.

Open Innovation

Dem Thema "Open Innovation: Neue Aufklärung?" ist ein Plenum gewidmet, das Chancen einer offenen Innovationskultur behandelt. Über Strategien, Modelle und Plattformen für "Open Innovation" diskutieren u.a. Robert-Jan Smits aus der Generaldirektion für Forschung und Innovation der Europäischen Kommission, Sabine Brunswicker vom Research Center for Open Digital Innovation der Purdue University in Indiana und die Innovationsforscherin Marion Poetz von der Copenhagen Business School.

Wege einer neuen Aufklärung werden auch unter dem Motto "Art meets Science & Technology" diskutiert. Kunst als Erkenntnisinstrument aber auch als Katalysator technologischer und gesellschaftlicher Entwicklungen ist ein Schwerpunkt gemeinsam mit der Ars Electronica.

"Zu Gast bei den Technologiegesprächen" ist die ETH Zürich. Als Universität von Weltruf ist es ihr gelungen, institutionelle und technische Rahmenbedingungen zu schaffen, um ihre Forschungsergebnisse auch in innovative Produkte umzusetzen, die auf den Märkten Erfolg haben. Modelle dafür werden u. a. von Detlef Günter, Vizepräsident für Forschung und Wirtschaftsbeziehungen, Sabrina Badir, ETH-Pioneer Fellow vom Institut für mechanische Systeme, und dem Chemiker und Materialforscher Maksym Kovalenko vorgestellt.

Zusätzlich zu den Plenarveranstaltungen finden 13 Arbeitskreise statt, die Themen wie "Silicon Austria: Ein Game-Changer für den österreichischen Hochtechnologiestandort?", "Innovation By Making: Paradigmenwechsel und neue Innovationskulturen" und "Der Zyklus der Innovation und seine Ökologie" behandeln. "Zukunftstechnologie Leichtbau" und "Cyber Security - ein Grundrecht" werden ebenso thematisiert wie "Robotik Realitäten und Zukunftsperspektiven". Zum Generalthema "Neue Aufklärung" wird über "transkulturelle Kompetenz" und die Vermittlung von Technologie und "Digital Skills" an Jugendliche aus Migrantenmilieus ebenso diskutiert wie über "Energiewende - die Macht der Konsumenten" und Open Access & Open Innovation als Instrumente zur Demokratisierung im digitalen Raum.

TU Austria Innovationsmarathon

In einem "Innovationsmarathon" findet "24 Stunden Produktentwicklung" nonstop statt. Das bedeutet konkret: 8 Unternehmen, 8 Aufgabenstellungen, 8 interdisziplinäre Studierendenteams – und 24 Stunden Zeit für 8 innovative Lösungskonzepte für reale Herausforderungen aus der Industrie.

Die Kapsch Gruppe, Infineon, KTM, NXP, Siemens, AT&S, AVL und die Voest Gruppe sind die Unternehmenspartner, die beim diesjährigen TU Austria Innovations-Marathon Anwendungskonzepte und Prototypen für konkrete Fragestellungen aus der Praxis in Auftrag geben - darunter innovative Bedienkonzepte für Motorräder, ein App-Store für Industrieautomatisierung oder Mobilitätskonzepte für die urbane Zukunft.

Der Startschuss zum 24 Stunden TU Austria Innovations-Marathon, bei dem alles Wissen, Kreativität und Durchhaltevermögen der Studierenden gefragt sind, erfolgt am Donnerstag 25.8. um 09:00 Uhr im Congress Centrum Alpbach, der Schlusspfiff dann am Freitag 26.8. pünktlich um 09:00 Uhr. Im Anschluss daran präsentieren die Studierendenteams die Ergebnisse ihrer Innovationsarbeit.

Tickets nach Berlin

"Tickets nach Berlin" werden an die beiden Sieger des "Falling Walls Lab Austria"-Präsentationswettbewerbes vergeben, bei dem Jungwissenschafter/innen und Unternehmer/innen ihre innovativen Ideen, Forschungsvorhaben und Businessprojekte vorstellen. Das Publikum wird entscheiden, wer zu der Falling Walls Konferenz im November in Berlin reisen wird.

Die "Ö1 Kinderuni Alpbach", in Kooperation mit der "Jungen Uni" Innsbruck, hat den Titel "Hören, Sehen, Mitteilen - Eine mediale Auseinandersetzung". Dabei wird den Fragen nachgegangen: Was sind eigentlich Medien? Womit kommunizierten Menschen früher und wie sieht es heute aus? Eine Kindervorlesung und Workshops vermitteln eine praxisnahe Auseinandersetzung mit der Gestaltung und Wirkungsweise von Nachrichten und Kommunikation im Zeitalter der Social Media. "Junior Alpbach" ist ebenfalls wieder ein Fixpunkt der "Technologiegespräche". Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren werden sich in einem Workshop mit dem Innenleben elektronischer Spielzeuge und "Gadgets" befassen und durch das Zerlegen in Einzelteile ihre mechanischen und technologischen Grundlagen erforschen.

Die "Alpbacher Technologiegespräche" finden in Kooperation mit den Bundesministerien für Verkehr, Innovation und Technologie; Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft; Bildung und mit der Tageszeitung "Die Presse" statt. Wissenschaftlicher Themenpartner ist die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, Industriepartner die Industriellenvereinigung.

 

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