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So arbeitet man heute – Teil 7

Modernes Arbeiten - Quo vadis?

Modernes Arbeiten ist zum Schlagwort unserer Arbeitswelt geworden. Doch was verbirgt sich dahinter?

Modernes Arbeiten beschränkt sich nicht nur auf moderne und bunte Büros. Modernes Arbeiten hat auch nicht nur mit der Einführung neuer Kommunikationslösungen zu tun. Zwei exemplarische Aspekte, die den Möglichkeiten des Modernen Arbeitens nicht gerecht werden und den Themenkomplex zu stark einschränken. Es sind vor allem die technischen Innovationen, die jüngeren Generationen Y und Z und der damit verbundene Wertewandel sowie neue Modelle der Zusammenarbeit, welche die Zukunft der Arbeit beeinflussen. Natürlich geht es dabei auch um eine optimale Büroausstattung: Raum für Zusammenarbeit und sozialen Austausch muss ebenso gegeben sein, wie ausreichender Platz für konzentriertes Arbeiten. Um auch die mit dem Begriff des Modernen Arbeitens verbundene Flexibilität (räumlich und zeitlich) zu ermöglichen, bedarf es des Einsatzes von modernen Kommunikationstechnologien. Vor allem Online Meetings und Social-Collaboration-Lösungen sind dabei unerlässlich. Es sind aber vor allem die kulturelle Veränderung, der Aufbau eines vertrauensvollen Miteinanders, die mehr Raum für selbstbestimmtes und flexibles Arbeiten ermöglichen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern. 

Darüber hinaus geht es um die Gesundheit der Mitarbeiter und um eine höhere Arbeitgeberattraktivität, um junge Talente zu finden und längerfristig zu binden aber auch bestehende Mitarbeiter länger zu halten. In Summe viele positive Aspekte, die die Wettbewerbsfähigkeit einer Organisation messbar machen und nachhaltig stärken können. Modernes Arbeiten hat aber jedenfalls das Potential, unsere Arbeitswelt nachhaltig zum Positiven zu verändern. Gleichzeitig besteht aber auch das Risiko, dass Mitarbeiter und Führungskräfte zum Teil verunsichert oder sogar überfordert sind. Die Herausforderung ist es, die unterschiedlichen Möglichkeiten des Modernen Arbeitens intelligent miteinander zu verknüpfen. 

Doch der Weg zum Modernen Arbeiten ist ein äußerst komplexer und interdisziplinärer, welcher behutsam angegangen werden muss. Oberflächliche oder zu schnell umgesetzte Maßnahmen können die ausgeführten positiven Aspekte verdrängen, zu kostspieligen Fehlinvestitionen führen und Irritationen sowie mangelnde Motivation der Mitarbeiter mit sich bringen. Jegliche Entscheidung in diesem Zusammenhang hat sichtbare und meist längerfristige Auswirkungen. Umso mehr muss von Beginn an ein Fokus auf die Analyse der bestehenden Situation gelegt werden: Was möchte das Unternehmen mit dem Einsatz moderner Arbeitstechnologien erreichen? Welche Rahmenbedingungen sind gegeben? Welche zeitliche Perspektive wird angestrebt und wie sieht es mit den personellen und finanziellen Ressourcen für ein solches Veränderungsprojekt aus? Fragen, die meist von Unternehmen nicht allein geklärt werden können, sondern für deren Beantwortung sie Unterstützung und professionelle Begleitung benötigen. Denn für Unternehmen ist es verlockend, sich auf die „Quick Wins“ zu fokussieren. Oder anders gesagt: Ein neu aufgestellter Tischfußballtisch oder ein täglich frischer Obstkorb in den Büros werden kaum den entscheidenden Impact auf die Unternehmenskultur haben.

7 Mythen

In unseren Projekten hat sich deutlich gezeigt, dass bestimmte Annahmen, Vorbehalte oder Vorstellungen – im Zusammenhang mit dem Modernen Arbeiten – bestehen. Da man diese durchaus als Mythen bezeichnen kann, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, diesen Mythen entgegenzuwirken. Ausgewählte Mythen haben wir kürzlich in einem Booklet zusammengefasst, welches erstmalig 2014 veröffentlicht und 2018 umfassend überarbeitet wurde.

Hier die 7 Mythen über die Zukunft der Arbeit im Überblick:

  • Die E-Mail ist tot
  • Eine Kommunikationslösung für alle Anwendungsfälle reicht
  • Das Home-Office ist nicht mehr zeitgemäß
  • Die Work-Life-Balance löst alle Probleme
  • Mitarbeiterführung über Distanzen funktioniert wie vor Ort
  • Der eigene Büroarbeitsplatz verliert an Bedeutung
  • Gute IT-Lösungen brauchen viele Funktionen


Da die Arbeitswelt im ständigen Wandel ist, werden auch zusätzliche Mythen erstmalig thematisiert.

  • Vertrauen entsteht von alleine
  • Mein Passwort ist sicher
  • Die Gesundheit der Mitarbeiter ist Privatangelegenheit
  • Künstliche Intelligenz macht uns arbeitslos

Das Booklet liefert einen Überblick über die Thematiken der modernen Arbeitswelt, stellt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Workshifting

Deutlich wird nun, dass es um große Veränderungen geht – wir sprechen von einem Shift, genauer um einen Workshift, der weit über ein Change-Projekt hinaus geht, sondern ein umfangreicher Transformationsprozess im gesamten Unternehmen ist. Aber geht es denn nicht auch ohne den großen Shift? Ja natürlich, aber unsere Arbeitswelt ist unglaublich komplex geworden und es gibt viele Abhängigkeiten. So macht es vermutlich wenig Sinn, Mitarbeitern Home-Office zu ermöglichen, wenn kein gegenseitiges Vertrauen vorhanden ist. Ebenso wird flexibles Arbeiten kaum ohne moderne Kommunikationslösungen, wie Online Meetings und Social-Collaboration-Plattformen, umsetzbar sein. Die Liste der Abhängigkeiten ließe sich noch fortsetzen. Dazu kommen individuelle kulturelle Aspekte, die sich über viele Jahre im Unternehmen gebildet und etabliert haben.

Bei dieser Komplexität wird ersichtlich, dass Modernes Arbeiten und der damit verbundene Transformationsprozess nicht über einfache Checklisten abgewickelt werden kann. Wichtig ist, die individuell richtigen und passenden Handlungsfelder klar zu identifizieren. In manchen Fällen sind die Handlungsfelder möglicherweise schon länger ersichtlich, in anderen Organisationen wird eine umfassende Detailanalyse der gegenwärtigen Situation erforderlich sein. In der Praxis hat sich das Instrument der Mitarbeiterbefragung bewährt, das die vier Dimensionen des Workshiftings, den Menschen im Mittelpunkt, die Organisation und Technologie sowie die Räume abbildet.

Am Ende des Tages geht es darum, nicht nur die individuell passenden Handlungsfelder zu identifizieren, sondern Lösungen zu finden und diese konsequent umzusetzen. 

Über den Autor

Daniel Holzinger begleitet als Geschäftsführer von Colited Management Consultancy Unternehmen und Organisationen auf der Reise zu neuen Arbeitswelten. Er blickt auf rund 20 Jahre Erfahrung in der Beratungs- und Informationstechnologiebranche zurück. Dabei bekleidete er internationale Managementpositionen als COO, Vice President und Geschäftsführer in den Bereichen Vertrieb, Marketing, Public Relations, Partnermanagement, Business Development, IT und HR. Darüber hinaus war er mehrere Jahre als Lektor für Marketing- und Vertriebscontrolling an der FH Wien tätig. Als Architekt neuer Arbeitsformen übernimmt er, mit einem End-to-End Beratungs- und Transformationsansatz, die Verantwortung über die verbundenen Veränderungsprozesse. Für monitor.at wirft er regelmäßig einen Blick auf verschiedene Aspekte der "neuen Welt der Arbeit".

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