Digitalisierung

Digitaler Schub

Credit: Syngroup
Die Digitalisierung ist ein hochkomplexes Projekt, bei dem sehr viele Faktoren beachtet werden müssen, weiß Heinz Marx auf vielen Projekten.
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Die digitale Transformation benötigt in vielen Bereichen noch einen Schub, erklärt Heinz Marx, Chef des Industrieberaters Syngroup. Neben Effizienzsteigerungen in der Produktion geht es besonders auch um das Heben des Innovationspotenzials – etwa durch Künstliche Intelligenz.

Von Alfred Bankhamer

Die völlige Digitalisierung der Produktion samt formvollendender Verknüpfung der realen Welt mit ihrem digitalen Zwilling – also ihrem detailgetreuen virtuellen Abbild – scheint zumindest auf den großen Industriemessen wie in Hannover längst Realität. Hier wird in Fallbeispielen schon die perfekte Symbiose der realen mit der virtuellen Welt vorgelebt. Ganz so weit ist es aber freilich in der Praxis noch nicht, wenn auch die Visionen von Industrie 4.0 und Co. schon einige Jahre die Agenda auf unzähligen Veranstaltungen und Konferenzen dominiert. „Aktuell befasst sich zwar eine große Mehrheit der Unternehmen mit der Automation der Produktion und setzt inzwischen konkrete Initiativen für die ´digitale Produktion, die Bedürfnisse des Marktes werden dabei noch nicht konsequent verfolgt“, sagt dazu Heinz Marx, Chef der Syngroup, Österreichs größtem Industrieberater mit rund 100 Mitarbeitern, der seit Jahren kräftig national und international wächst. Jüngst wurde in Wien eine eigene IT-Tochter, die Syn IT Services, gegründet, um auch konkrete Lösungen mit „klugen“ Algorithmen anbieten zu können. „Wir verknüpfen nun EDV-Lösungen mit der praxisbezogenen Beratung, die von der Produktion über das Produkt bis zu den Geschäftsmodellen alle Bereiche von Industrieunternehmen in den Blick nimmt“, erklärt Marx.

Branchen im Umbruch
Die Digitalisierung hat längst alle Branchen erfasst. Am stärksten wurden bislang Sektoren wie Medien, Telekom, Handel, Banken oder Versicherungen getroffen. Nun erhöht sich auch in der Fertigung und der Energiebranche der Druck, die Organisation, die Geschäftsmodelle und einiges mehr grundsätzlich neu aufzustellen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Besonders autonome Systeme, Algorithmen in smarten Maschinen, Sensoren und Real-Time-Production-Planning verändern grundlegende etablierte Prozesse. „Die notwendige Transformation der Geschäftsmodelle und Produkte ist noch immer zu wenig im Fokus der Unternehmen angekommen“, so der Syngroup-Chef zu den neuen Herausforderungen, „Produkt, Produktion, Geschäftsmodell und Organisation sind parallel zu betrachten, um nicht von schnelleren Mitbewerbern aus dem Markt verdrängt zu werden“.

Denn von den Auswirkungen der digitalen Transformation und dem dadurch beschleunigten Innovationszyklus bleiben selbst die größten Konzerne nicht verschont. Das verdeutlicht eine Accenture-Studie, der zufolge Unternehmen immer schneller wieder aus den Fortune 500 verschwinden. Dauerte es in den Jahren von 2000 bis 2018 noch 18 Jahre, bis die Hälfte der Konzerne aus der Top-Liste fielen, sollen es von 2018 bis 2028 nur noch zehn Jahre sein. Während das Innovationstempo steigt, verkürzt sich also der Lebenszyklus vieler Unternehmen, da sie ihr Geschäftsfeld nicht rasch genug anpassen können.

Agil bleiben
Um die Organisation fit fürs neue Zeitalter zu machen, sind auch neue Managementmethoden gefragt. „Agile Management erscheint hier insbesondere im Zuge des schmerzhaften Fachkräftemangels als Zauberwort und Lösungsansatz für Unternehmen“, so Marx. Um sich schnell und proaktiv an die immer rascheren Veränderungen anpassen zu können, sind besonders eine offene Unternehmenskultur samt flexiblen Kooperationen und mehr Freiheiten für die Mitarbeiter gefragt. Zuerst muss aber klar sein, welche die wirklichen Kernkompetenzen und Visionen eines Unternehmens sind. Mehr Freiheiten lassen innovative Geister in Unternehmen aufblühen und ermöglichen es gar, dass völlig neue Geschäftsmodelle erfunden werden. So war es etwa bei Gore, bekannt für die Gore-Tex-Fasern für Funktionsbekleidung. Ein gitarrenbegeisterter Mitarbeiter hatte erkannt, dass die laufend weiterentwickelnden Fasern auch für Gitarrensaiten gut sein könnten. Heute ist Gore in diesem Geschäft gar schon Weltmarktführer. Um in einem neuen Geschäftsfeld, der Elektromobilität rasch Erfolge zu erzielen, hat wiederum BMW seine Elektroautoentwicklung auf eigene Beine – ganz unabhängig von den „Benzinbrüdern“ – aufgestellt. So waren die Entwickler von den Einwänden der „fossilen“ Kollegen mit ihren Jahrzehnten langen Erfahrungen geschützt. Ein weiteres typisches Beispiel ist etwa Nespresso. Das Kaffeekapselunternehmen wurde ganz bewusst als eigene Einheit von der Mutter Nestlé gegründet, um völlig Neues in der Branche zu schaffen. Bei der raschen Umsetzung hat wiederum die weit fortgeschrittene Digitalisierung aller Unternehmensbereiche geholfen.

Mensch im Zentrum
Beispiele wie diese sind bestens geeignet, um optimierte Managementmethoden für Unternehmen zu entwickeln. Hier zeigt sich auch klar, dass nicht nur die Technologie entscheidet. Auch der Mensch muss im Rahmen von Digitalisierungsprojekten mitgenommen werden. Ebenso müssen die Früchte neuer Technologien richtig verarbeitet werden. „Nur durch das Sammeln von Daten durch Big Data Technologien allein lassen sich keine großen Erfolge erzielen“, so Marx. Zuerst müssen aus den riesigen Datenschätzen die guten von den schlechten Daten getrennt und dann die richtigen Fragen gestellt werden. KI-Systeme helfen hier freilich enorm. Aber selbst die müssen zuerst richtig gefüttert und erzogen werden. Beispiele aus der Bilderkennung zeigen, dass schon ein einziger Pixelfehler KI-Systeme vollends verwirren kann. Umso wichtiger ist es, auf mehrere Quellen (etwa dank unterschiedlicher Messungen und Sensorsysteme) zu setzen, um maschinell gewonnene Ergebnisse automatisch revidieren zu können.

Die Digitalisierung ist ein hochkomplexes Projekt, bei dem sehr viele Faktoren beachtet werden müssen. Deshalb zögern auch noch viele Unternehmen dabei, richtig loszulegen. Dafür bietet die Digitalisierung schließlich auch deutliche Wettbewerbsvorteile und erhöht die Innovationskraft von Unternehmen. „Wir haben deshalb einen ganzheitlichen Transformations- und Strategie-Check entwickelt. Dabei wird der Markt aus Sicht des Konsumenten beleuchtet, das Produkt mit Blick auf Entwicklungen der eigenen und anderer Branchen analysiert, das Geschäftsmodell unter die Lupe genommen und die Organisation auf ihre Zukunftstauglichkeit hin durchleuchtet“, erklärt der Syngroup-Geschäftsführer die Vorgangsweise bei Kundenprojekten. Vorreiter in Sachen Digitalisierung findet man übrigens besonders in der die Automobilindustrie, bei den berühmten Hidden Champions sowie häufig in familiengeführten Unternehmen. „Die konsequente Neuausrichtung der Geschäftsphilosophie, vor allem in Richtung Nutzenorientierung, muss immer im Vordergrund der Transformation stehen“, betont Heinz Marx.

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