Bild: Ludwig Schedl
"In den letzten Jahren wurde fleißig gepredigt, dass man sich digital transformieren soll. Das ist im Markt mittlerweile angekommen." – Mario Reismüller, CA Technologies
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Interview - Mario Reismüller, CA Technologies

Was kommt nach der Predigt?

Der Wille zur Digitalisierung ist da, auch in Österreich. "Mit der 'Modern Software Factory' wollen wir das 'Wie' beantworten, sagt Mario Reismüller, Country Manager von CA Technologies, im Interview.

von: Rudolf Felser

Mario Reismüller ist seit 2015 als Country Manager von CA Technologies in Österreich verantwortlich für die Geschäfte der heimischen Länderorganisation. Mit monitor.at sprach er über die Digitale Transformation aus der Perspektive von CAs "Modern Software Factory"-Ansatz, sich daraus ergebende Chancen auch für kleine KMU und die Rolle, die Übernahmen wie jene von Automic oder jüngst Veracode im Service-Orchester von CA spielen.

Seit Mai läuft CAs Kampagne unter dem Titel "The Modern Software Factory". Was kann man darunter verstehen?

In den letzten Jahren wurde fleißig gepredigt, dass man sich digital transformieren soll. Das ist im Markt mittlerweile angekommen. Mit der "Modern Software Factory" wollen wir das "Wie" beantworten. Wir stellen unseren Kunden oft die Frage, was die Digitale Transformation für sie bedeutet und wo sie hin wollen. Meist geht es für sie um Themen, die zwar darunter einzuordnen sind, aber der wirkliche "Bringer" ist oft nicht dabei. Es gibt heute eine Lücke zwischen dem, was mit Technologie bereits möglich ist und dem, wie sie eingesetzt wird. Genau diese Lücke wollen wir mit der Modern Software Factory schließen. Wir wollen den Unternehmen helfen, ihre Ideen umzusetzen und so ein neues digitales Erlebnis für Ihre Endkunden zu entwickeln.

Unternehmen stehen durch Themen wie Digitale Disruption, Kostendruck, Mitbewerber und Start-Ups, die in allen Branchen entstehen, oder die wachsenden Ansprüche der Kunden vor noch nie dagewesenen Herausforderungen. Sie müssen sich ständig verändern und haben immer weniger Zeit um zu reagieren. Wenn sie heute einen Change machen, müssen sie sich morgen schon wieder verändern. Die Modern Software Factory ist so agil aufgestellt, dass sie sich jederzeit anpassen können.

Die Herausforderung für Unternehmen ist ja auch, dass sie nicht mehr alleine in sich existieren, sondern die Grenzen zur Außenwelt gefallen sind. BYOD, Social Media, Cloud Computing – man verwendet nicht mehr nur Dinge im Haus, sondern öffnet sich nach außen. All diese Fragen fließen in die Modern Software Factory ein und müssen beantwortet werden.

Schlagwörter wie AR, VR, Sensorik produzieren enorme Datenmengen, die Unternehmen bei der Verarbeitung teilweise an ihre Grenzen bringen. Der Punkt ist, dass diese Daten unglaublich viel Auskunft geben  – über meine Person, mein Verhalten, was ich mag und was ich nicht mag. Unternehmen, die es verstehen diese Daten einzusetzen und zu analysieren, um sie dann in ein einzigartiges Kundenerlebnis zu transformieren, werden in Zukunft in der Champions League spielen.

Wie wir Entscheidungen treffen wird sich total verändern. Das ist teilweise schon heute so. Es wird in vielen Dingen nicht mehr das Bauchgefühl sein, das entscheidet. Mittels Analytics oder AI werden wir in der Lage sein, Daten zu analysieren und auf dieser Basis Entscheidungen zu treffen, die vielleicht unkonventionell, aber genauer sind – und nicht mehr predictable. Diese Entwicklung wird sich stark auf Geschäftsmodelle auswirken. Darauf muss man sich einstellen.

Das klingt alles nicht unkomplex.

Das ist sogar sehr komplex. Deswegen ist es wichtig, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Bis 2020 werden über 20 Mrd. Devices mit dem Internet verbunden sein. Die Software muss dann komplett neuen Anforderungen gerecht werden. Im Endeffekt wird sich die Erfahrung, die der Kunde erlebt, durch Qualität, Geschwindigkeit und das Erlebnis, das er dabei hat, positiv oder negativ entwickeln. In Zukunft müssen im Unternehmen und bei den Mitarbeitern neue Skills, Tools und – ganz wichtig – auch neue Prozesse vorhanden sein. In diesem Zusammenhang sehen wir die Modern Software Factory über den kompletten Software Development Lifecycle.

Für uns gibt es vier wesentliche Faktoren, die diese Modern Software Factory bestimmen:

  • Agilität – Wenn man sich die Vergangenheit von Software-Entwicklungsprozessen ansieht, gab es lange Releasezyklen und zähe und schwere Wasserfallansätze. Mit denen wird man sich in Zukunft nicht vom Mitbewerb abheben könne. Der Kunde will Schnelligkeit, Agilität, schnellere Anpassungsfähigkeit. Wir bauen auf hochgradig anpassbare und kundenorientierte, agile Methoden.
  • Automatisierung – Da kommt die Automic ins Spiel. Wir  sind wieder bei der Schnelligkeit. Die war noch nie so wichtig wie heute und in Zukunft. Wenn man sich zum Beispiel den Usecase von Automic bei Spar ICS ansieht, dann wickelt Spar heute mehr als 100.000 Prozesse täglich automatisiert ab (siehe auch den Artikel "100.000 Prozesse pro Tag automatisiert"). Dadurch sinkt das Ausfallsrisiko, weil Automatisierung automatisch Fehler in manuellen Prozessen reduziert. Das ist wichtig um qualitativ besser zu sein, aber auch um Freiräume und Ressourcen zu schaffen, um sich mit den wesentlichen Dingen auseinanderzusetzen.
  • Security – Unser Credo lautet, dass Security im Software-Entwicklungsprozess durchgängig von Anfang bis zum Schluss vorhanden sein muss. Je früher man Securitylecks findet, umso früher kann man sie schließen. Je später man draufkommt, desto weiter muss man in der Kette zurück – was enorm viel Zeit kostet. Wir haben deshalb auch im ersten Quartal Veracode gekauft, einen Spezialisten für Application Security Testing. Schon in einer frühen Phase dynamische Tests durchführen zu können ist ein enormer Mehrwert.
  • Insights – Die beste Applikation nützt nichts, wenn ich nicht weiß wie und ob mein Kunde sie verwendet. Gibt es Performance-Probleme oder Abstürze? Oder noch schlimmer: Wir die App gleich wieder gelöscht? Gibt es vielleicht keine Bestellungen im Onlineshop, weil ein Prozess nicht funktioniert? Diese Feedbackschleifen sind wichtig, um sie in die Continuous Delivery (Anm.: eine Sammlung von Techniken, Prozessen und Werkzeugen, die den Prozess der Softwareauslieferung verbessern) einfließen zu lassen.

Wir sind überzeugt, dass sich jedes Unternehmen damit auseinandersetzen muss, weil Software in Zukunft entscheidend sein und eine Schlüsselrolle einnehmen wird, wenn es darum geht, ob ich erfolgreich sein und mein Geschäftsmodell auf stabile Beine stellen kann.  Ich bin sehr froh, dass viele Unternehmen in Österreich das auch hinterfragen und sich für die Zukunft rüsten. Banken, Hersteller von Industrielösungen, Unternehmen im Baugewerbe, Maschinenbau, Gesundheits- oder Versicherungsbereich müssen sich neu ausrichten, neue Ideen entwickeln. 

CA spricht davon, dass jedes Unternehmen heute ein Softwareunternehmen ist. Da wird Ihnen ein Tischler oder Installateur vielleicht widersprechen. Können solche kleinen Unternehmen auch von diesem Ansatz profitieren?

Zugegebenermaßen spezialisieren wir uns nicht auf die kleinen Tischlereien. Aber ich bin der Meinung, dass auch diese ihre Geschäftsmodelle überdenken müssen. Ich glaube, dass man dem Kunden auch als kleiner Tischler mehr liefern muss. Man kann zum Beispiel dem Häuslbauer, der eine neue Küche haben möchte, schon vorher zeigen, wie die neue Küche ausschauen wird. Jene, die dem Kunden so etwas bieten können, werden einen Wettbewerbsvorteil haben. Man kann aber auch in andere Richtungen denken. Der Tischer muss nicht mehr alleine arbeiten, sondern kooperiert vielleicht auch mit Online-Anbietern, bei denen man die Küche im Internet planen und bestellen kann.

Der Tischler muss auch Bescheid wissen, wie die Küche der Zukunft aussehen wird. Er wird vielleicht in eine beratende Funktion springen müssen. Es geht dabei um Konnektivität, die Verarbeitung von Daten. Vielleicht wird er mit einer Lebensmittelkette zusammenarbeiten, die dank des Internet of Things weiß, wie ein Haushalt sich ernährt.

Ich sehe viele Anwendungsfälle, auch im Baubereich. Wenn man Baumaschinen mit Sensoren ausstattet kann man zum Beispiel die Geschwindigkeit einer Walze so dosieren, dass sie genau weiß, wann der nächste LKW mit dem Asphalt kommt, damit sie bei genau der richtigen Temperatur über das Material fährt. Damit muss sich auch ein kleines Bauunternehmen auseinandersetzen, sonst wird es das in fünf Jahren vielleicht nicht mehr geben.

Ist Österreich als KMU-Land für CA in dieser Hinsicht erfolgversprechend?

Definitiv, Hundertprozentig. Wir haben in Österreich – das unterschätzen oft auch meine deutschen Kollegen – tolle Unternehmen und tolle Marken, etwa Red Bull, Swarovski, KTM oder Voest Alpine, um nur einige zu nennen. Die sind international tätig, Marktführer in ihrem Bereich und müssen sich genauso mit diesen Themen auseinandersetzen. In den letzten Jahren ist die Nachfrage in Österreich in dieser Richtung gestiegen. Wenn man zwei Jahre zurückblickt, wurde zum Beispiel DevOps zwar diskutiert, aber man konnte hierzulande nicht viel damit anfangen. Jetzt gewinnen wir die ersten Projekte, die den DevOps-Ansatz unterstützen. Das macht mich sehr zuversichtlich für den Markt in Österreich.

Verstehen die Entscheider hierzulande, welche Chancen sich ihnen mit dem "Modern Software Factory"-Ansatz bieten? Oder müssen Sie viel Erklärungsarbeit leisten?

Die Modern Software Factory per se sagt noch niemandem etwas. Wir versuchen die Neugier zu wecken, was dahinter steckt und was das für ein Unternehmen bedeutet. Im Endeffekt: Wenn man Vergleiche zu den USA oder auch den Nordics zieht, dann sind Österreich und Deutschland immer etwas hinten nach. Aber durch die globale Vernetzung, die Zusammenarbeit mit Amerika und dem Silicon Valley und auch, weil internationale Unternehmen ihre Leute in den USA sitzen haben, habe ich das Gefühl, dass diese Trends immer schneller zu uns kommen. Das hängt auch stark davon ab, wie ein Unternehmen gesteuert wird – ob es modern und offen ist, die Zusammenarbeit mit Start-Ups forciert wird, ob man sich Anregungen von außen holt. Ich bin in diesem Zusammenhang für den Austausch über die Branchen hinweg. Man muss immer über den Tellerrand blicken. Je mehr man das als Unternehmen macht, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich schneller weiterentwickelt und neue Technologien einsetzt.

Wie wichtig waren die jüngsten Übernahmen, zum Beispiel Automic oder Veracode, für die Vervollständigung der Software-Factory-Idee? Ist das Know-How der Neuzugänge bereits eingeflossen?

Die Integration von Automic (siehe auch unser Interview "CA und Automic sind ein Traumpaar") ist noch immer im Gange. Das geht nicht von heute auf morgen. Nichtsdestotrotz gibt es, wie schon bei unserem damaligen Interview angekündigt, gemeinsame Roadmaps, die Produktentwicklungen sind schon zusammengewachsen und es gibt schon erste Integrationen. Der Kunde profitiert davon, dass die Lösungen integrierter sind. Das sehen wir auch schon und können am Markt auch so auftreten. Wir können die Vorteile der gemeinsamen Lösungen bereits  aufzeigen – da kommt noch mehr, auf das sich unsere Kunden freuen können.

Und wie sieht es mit Veracode aus?

Die Übernahme von Veracode ist ein ganz wichtiger Baustein in der Modern Software Factory, weil wir unseren Kunden durch die Lösungen von Veracode die Möglichkeit bieten, ihre Applikationen nach Security Tests zu prüfen. Es ist eine SaaS-Lösung: Der Kunde muss nicht seinen Sourcecode, sondern nur die Binaries uploaden, und bekommt die Ergebnisse über Schwachstellen zurück. Er muss also seinen Code nicht hergeben, das ist der große USP von Veracode.

Das Interesse der Unternehmen in Österreich ist unerwartet hoch und extrem positiv. Aktuell kommen wir mit den Terminen gar nicht nach. Das Feedback der Kunden ist, dass sie nicht wussten, dass es so etwas in diesem Umfang gibt. Das würde ihnen im Entwicklungsprozess – was Security betrifft – enorm helfen. Das geht wieder in Richtung Automatisierung und Insight: Ich finde die Fehler frühzeitig, noch bevor ich die Applikation produktiv schalte und große Probleme habe.

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