WAP goes business

Während Mobilnetzbetreiber unermüdlich neue Informationsdienste zur Verfügung stellen und begeisterte WAPler an ersten privaten WML-Seiten basteln, machen auch schon kommerzielle Anwendungen wie die bi-direktionale Lösung für die mobile Hauskrankenpflege von sich reden. Die Pforte zur mobilen Internetwelt ist offen

Stefanie Witta

Die erste kommerzielle WAP-Anwendung, die sowohl der Abruf als auch die Eingabe von Leistungsdaten erlaubt, ging per September 2000 bei der NÖ Volkshilfe, einer Non-profit-Organisation, in Betrieb. Das gemeinsam mit der Software AG, max.mobil und Nokia realisierte Projekt weckte eine rege Nachfrage seitens anderer Non-profit-Organisationen aber auch von Wartungs- und Serviceunternehmen, die ähnliche Anwendungen einsetzen möchten. "WAP-fakt2000 zeigt eindrucksvoll, dass die WAP-Technologie nun endgültig den Kinderschuhen entwachsen und bereit ist für den Einsatz geschäftskritischer Applikationen", ist Walter Weihs, Vorstand der Software AG, überzeugt, die sowohl für Realisierungksonzept, Software-Infrastruktur als auch Datenbanktechnologie des Volkshilfe-Projekts verantwortlich zeichnet.

Die NÖ Volkshilfe ist mit rund 1300 MitarbeiterInnen eine der größten Dienstleistungsorganisationen Österreichs. Ihr Serviceangebot wendet sich vornehmlich an alte, kranke und behinderte Menschen. Diplomiertes Pflegepersonal, Heim- und AltenhelferInnen sind jährlich rund 960 000 Stunden im Einsatz bei der mobilen Betreuung. Aber auch der Bereich der Kinderbetreuung expandiert. Schon werden in dreißig Kinderhäusern und durch Tageseltern rund 800 Kinder betreut. Zusätzlich gibt es Beschäftigungsinitiativen, die sich speziell an Frauen und Jugendliche richten. Die Bedürfnisse der betreuten Menschen stehen im Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit der NÖ Volkshilfe und damit auch beim WAP-Projekt. Durch die Modernisierung der Leistungsabrechnung sollte die MitarbeiterInnen von lästigem Papierkram entlastet werden, um sich voll und ganz ihren Pflege- und Betreuungsaufgaben zu widmen.

Dateneingabe vor Ort

Erich Fenninger, Geschäftsführer der NÖ Volkshilfe zeigt sich zufrieden: "Mit der nun gefundenen Lösung wird der Administrationsaufwand deutlich verringert. Damit bleibt mehr Zeit für unsere Kunden. Dass wir als non-profit-Organisation österreichweit Vorreiter beim Einsatz der WAP-Technologie sind, zeigt die Innovationsbereitschaft unserer Organisation." Die BetreuerInnen werden mit WAP-fähigen Handys von Nokia ausgestattet und geben nun gleich vor Ort die Daten der von ihnen erbrachten Dienstleistungen über das Handy direkt in den Zentralrechner der NÖ Volkshilfe ein, wo auch die Abrechnung an den Kunden automatisiert erfolgt.

"Das System ist bedienungsfreundlich und kommt bei den MitarbeiterInnen der NÖ Volkshilfe gut an", freut sich Erich Zandl, IP Konsulter der Software AG bei diesem Projekt. Die am UNIX-Server befindlichen Abrechnungsdaten müssen nicht verändert werden, bereits getätigte Investitionen in die bestehende Infrastruktur bleiben erhalten. "Auf Basis von Bolero, der Entwicklungsplattform für Electronic Business, wurde mit WAP-fakt 2000 ein System entwickelt, das neben der automatisierten Leistungserfassung und der Integration der bestehenden Komponenten die bi-direktionale Web-Anbindung ermöglicht", zeigt Zandl Möglichkeiten für diverse ähnliche geartete Anwendungen in Klein- und Mittelbetrieben auf. Die Anwendung liegt auf dem WAP-Proxy-Server des Mobilnetzbetreiber max.mobil, der außerdem sämtliche Betreuer-Handys und die Festnetz-Nebenstellenanlage der NÖ Volkshilfe in einem sogenannten Virtual Private Network (VPN) zusammenschaltet. Durch das ebenfalls implementierte Zusatzfeature "Option Zero" sind künftig alle internen Telefonate von Handy zu Handy und von Handy zur Nebenstellenanlage sowie die Abfrage der max-box kostenlos. Abgerundet wird die Telekomlösung der NO Volkshilfe durch einen Direct Access, also eine direkte Verbindung der Telefonanlage der NÖ Volkshilfe mit einer Vermittlungsstelle von max.mobil, womit eine unmittelbare Integration in das GSM-Netz von max-mobil geschaffen wurde.

"Neben der WAP-Zeitabrechnung erstreckt sich unsere Unterstützung auf die gesamte Telekom-Struktur der NÖ-Volkshilfe, die wir auch im Festnetzbereich optimierten", erklärt Klaus Priker, Leiter max-Direktvertrieb, die umfassende Auslegung des Projektes, dessen Vorteile offenkundig sind: Handys, mobile Datenendgeräte und Festnetznebenstellen werden zu einer Einheit verbunden, in einem Rufnummernplan zusammengefasst, das Wählen per Kurzwahl ist in beiden Richtungen möglich, die Kosten sinken, weil keine anderen Netze mehr benützt werden.

Hohes Einsparungspotential

Die WAP-Applikationen auf dem mobilen Endgerät, das auch gut ein PDA (Personal Digital Assistent) oder Palmtoprechner sein könnte, sind in der Sprache WML (Wireless Mark Up Language) geschrieben und werden auf dem WAP-Gateway in die Internetsprache HTML (Hypertext Mark Up Language) gewandelt und an den Webserver der NÖ Volkshilfe übertragen, wo die Datenbank liegt. Eine Datenbankabfrage prüft die Zutrittsberechtigung und sendet Daten zurück an das WAP-Gateway, wo das im Internet gebräuchliche HTML wieder zurück in WML konvertiert wird, das am Endgerät läuft. In der ersten Phase trägt der/die Volkshilfe-MitarbeiterIn die erbrachten Leistungen in ein Formular auf dem Handy-Display ein. Als nächster Schritt werden auch Kundendaten von der Volkshilfe zum Betreuer-Handy gesendet. Später soll es auch möglich sein, einen neuen Kunden direkt am Handy anzulegen.

Bei der NÖ Volkshilfe lobt Geschäftsführer Erich Fenninger das erzielte Einsparungspotential durch den hohen Automatisierungsgrad dieser Lösung. Die Ausgangssituation bezeichnet Software AG Vorstand Walter Weihs als stellvertretend für viele österreichische Klein- und Mittelbetriebe, deren EDV-Infrastruktur oft aus höchst unterschiedlichen Komponenten besteht. Für ähnlich geartete Kommunikationslösungen sieht IP Konsulter Erich Zandl künftig ein breites Einsatzfeld. So könnten ganze Call Center kostensparend ersetzt werden, die Ersatzteilehaltung und Arbeitszeitverrechnung von Wartungsdiensten automatisiert oder auch die Dienste von Krankentransporten und Rettungsdiensten mit WAP verwaltet und verrechnet werden.

Integration mobiler Mitarbeiter immer wichtiger

Generell gewinnen mobile Anwendungen in den Kommunikations- und Informationsnetzen der Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Die Integration von mobilen Außendienstmitarbeitern in bestehende EDV-Systeme wird immer wichtiger. Da aber gerade diese Anwender meist kein EDV-Know-how besitzen, müssen die Lösungen einfach und administrationsfrei sein, zog Alexander Weichselberger, Oracle GmbH, auf einer IDC-Konfverenz zum Thema "web mobil & business" die Aufmerksamkeit auf die unterschiedlichen Lösungsmöglichkeiten, die Oracle vom Laptop über PDA's bis hin zum WAP-Handy bietet.

Prof. DI Thomas Hintze, Direktor Datendienste/Firmennetze der Datakom Austria bezeichnete die Datenkommunikation - im speziellen den Zugang zum Internet- und die Mobilkommunikation - derzeit hauptsächlich für Sprachanwendungen - seit Jahren als Wachstumstreiber in der Welt der Telekommunikation. Mit der Einführung neuer Technologien (WAP, GPRS, UMTS) wird es nun möglich, auch mobilen, breitbandigen Internet-Zugang zu schaffen. Für die Marktakzeptanz wird dabei auf die Qualität (response Time, availability) der Web-basierenden, mobilen Anwendungen besonders zu achten sein. Vorausgesetzt, die Implementierung verläuft erfolgreich und wird vom Markt angenommen, rechnen die Experten in den nächsten fünf Jahren mit einem Wachstum von 70% pro Jahr.

Für den privaten Handy-Anwender ist WAP dagegen heute nur eine Einstiegsdroge in das mobile Internet. "Zu kleine Displays, zu geringe Bandbreite, unpraktische Tastatur" spricht Jakob Nielsen, international anerkannte Autorität in Sachen Web Usability, dem neuen Standard für die Bereitstellung von Internetdiensten über drahtlose Netzwerke die Aussicht auf Verbreitung und Weiterentwicklung ab. Gleichzeitig kritisiert er auch das Vorgehen der Telekombetreiber, die vielfach nur Zugang zu jenen Sites anbieten, mit denen sie Verträge haben und so die freie Wahlmöglichkeit des Benutzers einschränken. Ins gleiche Horn stößt das heimische Verbrauchermagazin "Konsument" und bezeichnet in seinem Testbericht die WAP-Funktion (Wireless Application Protocol) als "bislang nicht mehr als eine Spielerei für Technik-Fans". Nun sollte aber das Kind nicht gleich mit dem Bade ausgegossen werden.

Unbeirrt von sämtlichen Unkenrufen prognostieren heimische Studien, dass im Jahr 2000 von 1,4 Mio Handys immerhin 400.000 WAP-fähig sind und weltweit über 51 Mio WAP-Handys die Ohren ihrer Benutzer zum Glühen bringen. Ab 2002 soll es laut Durlacher Research Group überhaupt nur mehr WAP oder höherwertige Handys geben. Forrester Research schätzt, dass bis zum Jahr 2003 weltweit 219 Mio Menschen im mobilen Internet surfen werden. Optimistisch knobeln die Mobilnetzbetreiber an immer neuen Informationsdiensten, vom Wetter über Börsenkurse bis zu Nachrichten und den auf WAP zurecht getrimmten Seiten der großen Tageszeitungen. Immer mehr Menschen erledigen unterwegs auch gleich ihre Zahlungen mit dem Handy und kontrollieren Kontoeingänge oder rufen Fahrpläne für Flug- und Bahnverkehr ab. Junge Leute holen sich gerne das Kinoprogramm aufs Fünfzeilen-Display, bestellen auch gleich online die Tickets und erledigen ihre E-Post "on the fly" mit dem handlichen Funktelefon. Seit einiger Zeit können ÖBB-Zugfahrkarten für Reisen in Österreich online gebucht und über die Telefonrechnung bezahlt werden. Der Fahrausweis erscheint als SMS auf dem Handy. Erste Tests mit Parkautomaten in Nordeuropa sollen weisen, ob sich der kommunikative Begleiter auch als Zahlungsmittel für Automaten eignet. Die Umstellung auf den EURO steht europaweit bevor, ein Umrüsten der Automaten auf Euro und Cents käme wesentlich teurer als der Einsatz von WAP-Handies.

Wer oft in fremden Städten unterwegs ist und auch im eigenen Heimatort nicht jeden Winkel kennt, möchte den WAP-Wegweiser sicher nicht mehr missen, der nach Eingabe des Standortes den kürzesten Weg weist. In der Bundeshauptstadt steht außerdem mit dem "Citymanager Wien" der Wiener Stadtwerke jede Menge Wissenswertes über die Stadt und ihre Dienstleistungen zur Verfügung. Bald soll es auch möglich sein, per Handy Wetten abzuschließen oder sich an diversem mobilem Entertainment zu erfreuen. Die Spielehersteller orten ein großes Marktpotential, das sie mit online-Handy-Spielen ausschöpfen möchten.

"Mobile Anwendungen müssen mobile Dinge aufgreifen", meint Pascha Soufi-Siavoch, der mit seinem Unternehmen Alpha Thinx die Handy-Welt um Multi-User-Spiele, Partnerbörsen, virtuellen Treffs und Clubs bereichern möchte. Und schon zeichnet sich am Horizont eine Zukunft ab, in der die Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit immer mehr verschwindet, wo Menschen arbeiten, lernen und spielen wann sie wollen und wo sie gerade sind. Die rasanten technologischen Entwicklungen in den Bereichen mobile Kommunikation und mobiles Computing bieten Realisierungsmöglichkeiten für vollkommen neue revolutionäre IT-Lösungen und Produkte, die unser individuelles Berufs- und Privatleben sowie unsere gesamte Gesellschaftsstruktur nachhaltig verändern werden. Noch stehen wir bloß am Beginn.

 

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