Big Data
Bild: CC0 - pixabay.com
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Gastartikel - Martin Puaschitz & Vincenz Leichtfried, UBIT Wien

Vier Fragen für eine richtige Datenstrategie

Daten sind das neue Öl – diese oft gehörte Devise ist richtig. Doch wie Öl sind auch Daten zunächst einmal bloß ein Rohstoff, bei dem es für Unternehmer darauf ankommt, was man daraus macht. Für sich allein haben Daten keinen Wert – nur wer sie versteht, nutzt und den sicheren Umgang mit ihnen pflegt, kann sie in seinem Geschäft gewinnbringend einsetzen.

Unternehmer werden, wenn sie mit dem Thema Daten konfrontiert werden, vor allem mit einer Reihe von scheinbaren Buzzwords überhäuft. Big Data, Internet of Things, Semantic Web, Open Data, Linked Data, Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), Informationsweiterverwendungsgesetz (IWG): Wenn man als Mittelständler bei diesen Schlagworten die sprichwörtlichen Datenberge vor den Augen hat und das Thema zunächst bei den Großkonzernen sieht, wo ja die meisten Daten anfallen, wird man sich wohl wenig betroffen fühlen. Verständlich: Unternehmer zu sein, bedeutet zunächst, sich in jeder Situation und bei jedem Thema die berühmte Frage mit den vier Worten zu stellen: Was bringt mir das? Und wo keine Datenberge, dort kein Business Case, der auf Daten basiert, werden sich wohl viele denken.

Das kann stimmen – muss es aber nicht. Vielmehr können mit der richtigen Datenstrategie auch bei KMU Wege gefunden werden, um mit Daten Geld verdienen zu können. Denn Daten zu haben ist nicht dasselbe wie Daten zu nutzen – und erst die Symbiose schafft den Business Case und liefert die Ausgangsbasis für kreative Ideen. Um die "Millionenfrage" mit den vier Worten richtig beantworten zu können, muss man sich daher zunächst folgende vier Fragen stellen.

1. Woher bekomme ich Daten?

Daten, die im Unternehmen selbst generiert werden und eine Folge des Tagesgeschäfts sind, sind nur eine von vielen Quellen. Es gibt auch Open Data – also Datenquellen, die zwar öffentlich zugänglich sind und nichts kosten, aber sehr wohl gewinnbringend genutzt werden können. Österreich ist dabei ein Vorreiter – zum Vorteil der Unternehmer. Ob Daten zu Haushalten (und damit zu potenziellen Kunden) nach Gemeinden aufgeschlüsselt mit Angaben zu Alter, Geschlecht, Ausbildung und Erwerbsstatus oder Tourismusstatistiken, Verkehrsinfos oder aktuelle Arbeitsmarktinformationen: All diese Daten gibt es im Internet. Wünschenswert wäre, wenn sich die Institutionen stärker einbringen würden und die Möglichkeiten, die das Informationsweiterverwendungsgesetz bietet ausschöpfen würden – das würde auch die Abhängigkeit von großen internationalen Datenlieferanten wie Google & Co reduzieren.

2. Wie interpretiere ich Daten?

Nutzt man die Möglichkeiten von Open Data, sammelt sich selbst bei einem Kleinunternehmen rasch ein riesiger Datenberg an. Einheitliche Datenstandards sind hier daher von essenzieller Bedeutung. Denn erst durch eine sinnvolle Verknüpfung werden aus Daten jene Metadaten, die erst den wirtschaftlichen Mehrwert bringen. So können Daten, die beispielsweise auf verschiedenen Onlineportalen bereits vorhanden sind, in Kombination äußerst gewinnbringend eingesetzt werden. Ein Beispiel: Wenn ein Urlauber ein Wellness-Hotel buchen möchte, in dessen Nähe sich ein Golfplatz befindet und von dem aus ein veganes Restaurant rasch erreichbar ist, bekommt er genaue Vorschläge auf Basis der vorhandenen Daten. Wichtig ist hierbei, sich beraten zu lassen und Daten stets so aufzubereiten, dass sie (intern wie extern) zielgerichtet verwendet werden können.

3. Wie verwende ich Daten?

Hier gilt es Synergien zu schaffen – vorzugsweise in Kooperation mit anderen! Open Data bietet enorme Chancen, das Wachstum zu beschleunigen. So hat der Carsharing-Anbieter Car2Go keine App zur Verfügung gestellt, sondern eine Schnittstelle für unabhängige Entwickler, die dann ihre Lösungen rund um die Dienstleistung von Car2Go anbieten konnten und damit automatisch zu Multiplikatoren der ursprünglichen Geschäftsidee wurden. Auch aus dem öffentlichen Sektor gibt es ähnliche Beispiele, wie man mit einem kreativen Zugang zu Daten mehr Geschäft und rasches Wachstum generieren kann. Dem Erfindungsgeist sind keine Grenzen gesetzt.

4. Wie gehe ich mit Daten richtig um?

Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung wirft ihre Schatten voraus. Und auch wenn die Details der neuen Spielregeln noch Platz für unterschiedliche Interpretationen freilassen, ist es schon heute absehbar, dass die Auflagen generell strenger werden. Sogar Daten, die vom Gesetzgeber gar nicht als sensibel eingestuft werden, können zudem für Unternehmen sehr wohl kritisch sein – etwa dort, wo es um unternehmensspezifische Informationen wie Umsatz, Kosten oder Businesspläne geht. Damit sind die neuen Rahmenbedingungen ein guter Anlass und ein Ansporn, um sich stärker den Themen Datenschutz und IT-Sicherheit zu widmen. Auch deswegen erneut der Hinweis: Lassen Sie sich beraten – und Sie werden merken, dass Big Data kein Buzzword ist, sondern einer der Grundbausteine für den unternehmerischen Erfolg im Technologiezeitalter.

Martin Puaschitz & Vincenz Leichtfried

Bild: Foto Weinwurm
Bild: David Faber

Martin Puaschitz (links) ist Obmann der Fachgruppe UBIT Wien; Vincenz Leichtfried (rechts) ist Geschäftsführer von LV7 Media Services und Ausschussmitglied der Fachgruppe UBIT Wien.

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