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Gastartikel - Peter Lipp, it-novum

Open Source in der öffentlichen Verwaltung

Peter Lipp von it-novum darüber, wie öffentliche Behörden von den Vorteilen offener Technologien profitieren können.

In der Privatwirtschaft wie in der öffentlichen Verwaltung gibt es ähnliche Gründe, die für Open Source-Sofware (OSS) sprechen. Der Open Source-Ansatz punktet mit seiner prinzipbedingten Offenheit, hoher Flexibilität und vergleichsweise geringen Lizenzkosten.

In Unternehmen hat sich diese Erkenntnis schon vor langer Zeit durchgesetzt, aber die Entwicklung in der öffentlichen Verwaltung verlief stockender. Zwar gab es schon seit der Jahrtausendwende vielerorts eine tastende Annäherung und das eine oder andere Vorzeigeprojekt, gerade auf kommunaler Ebene. Aber in der öffentlichen Verwaltung hat das Thema Open Source erst im Laufe der vergangenen Jahre richtig Fahrt aufgenommen. Zu Recht.

Open Source in verschiedenen Einsatzszenarien

In den vergangenen zehn Jahren ist der Verbreitungsgrad von Open Source in der Verwaltung deutlich gestiegen. Das Linux-Betriebssystem und Linux-Server stellen heute die Basis für unterschiedlichste Anwendungen dar. Daneben gibt es aber noch weitere Einsatzszenarien, für die Open Source-Software prädestiniert ist:

  • Betriebssystem, z. B. Linux
  • Application-Server, z. B. Tomcat
  • Datenbank, z. B. MySQL, PostgreSQL
  • IT-Dokumentation, z. B. i-doit
  • Monitoring, z. B. Nagios, openITCOCKPIT
  • Ticketsystem, z. B. OTRS
  • Office Suite, z. B. LibreOffice
  • Business Intelligence, z. B. Pentaho, Jedox
  • Enterprise Content Management, z. B. Alfresco, Nuxeo

Vorteile aus dem Einsatz von Open Source

Traditionell sind niedrigere Kosten das erste Argument, das für Open Source-Lösungen angeführt wird. Aber gerade für Kommunen oder Behörden können andere Vorteile ausschlaggebender sein. Der wichtigste Grund, offene Technologien einzusetzen, ist mitunter gar nicht ihre Wirtschaftlichkeit, sondern der größere Nutzen, den sie entfalten.

Offenheit und Flexibilität

Oft sind die prinzipbedingte Offenheit und Flexibilität von Open Source relevanter als das Kostenargument, weil z. B. die Einbindung in andere Systeme gefragt ist. Manche Anforderungen lassen sich oft nicht anders abbilden als durch eine Open Source-Lösung, die genau auf die (fachlichen) Anforderungen hin zugeschnitten werden kann und nicht mit unnötigen Funktionen überladen ist. Viele proprietäre Anwendungen bieten einen großen Funktionsumfang, der fast nie genutzt wird, für den aber satte Preise verlangt werden. Bei offenen Technologien kann sich der Anwender genau das nehmen, was er benötigt. Sind später weitere Funktionen nötig, können sie normalerweise problemlos (und kostenfrei) dazu installiert werden bzw. über ein Upgrade-Paket (oft Enterprise Edition genannt) erworben werden.

Zuverlässigkeit und Transparenz

Offene Technologien sind häufig zuverlässiger im Betrieb als kommerzielle Lösungen. So laufen zum Beispiel spezialisierte Linux-Server (Proxy, DNS etc.), die man in kürzester Zeit aufsetzen kann, viele Jahre problemlos und ohne dass man sie noch einmal "anfassen" muss. Der offen liegende Quellcode sorgt außerdem dafür, dass Fehler im Code schnell von Anwendern erkannt und von der Entwicklercommunity behoben werden können. Dabei sorgt oft allein die offene Kommunikation in Foren und Entwicklerportalen dafür, dass sich User bei Open Source-Technologien sicherer fühlen als bei kommerziellen Herstellern. Das Gefühl, dem Softwarehersteller bezüglich der Behebung von Fehlern ausgeliefert zu sein, kennt sicher jeder Anwender. 

Native offene Schnittstellen

Open Source wird klassisch in der IT-Infrastruktur eingesetzt. Offene Technologien sind aber vor allem dann von Vorteil, wenn Daten ausgetauscht werden müssen. Viele Behörden müssen sich mit Datenintegration und Datenschnittstellen auseinandersetzen. Nativ und dadurch problemlos schafft das meistens nur OSS.

Wirtschaftlichkeit

Im Zusammenhang von Open Source und Wirtschaftlichkeit sollte beachtet werden, dass offene Technologien mit der in der öffentlichen Verwaltung benötigten Funktionstiefe nicht umsonst sind, sondern durchaus Lizenzkosten verursachen. Gegenüber den kommerziellen Lizenzmodellen gibt es trotzdem handfeste Vorteile: Open Source-Software ist kundenfreundlicher, weil sich ihre Lizenzmodelle weniger nach dem Current User bzw. CPU-Preismodell orientieren. Zudem sind die Anwender freier in der Entscheidung, ob sie (kostenpflichtige) Updates mitmachen wollen oder nicht. Insgesamt kann man deshalb sagen, dass Open Source-Projekte über den gesamten Projekt-Lifecycle gesehen deutlich kostengünstiger sind als Closed Source-Projekte.

Big Data als Treiber für Open Source-Software

Im Zuge der allgemeinen Digitalisierung wird Big Data immer wichtiger. Dieser Entwicklung kann sich auch die öffentliche Verwaltung nicht entziehen. Nicht nur im Rahmen von Smart City-Projekten wird Big Data bedeutsam. In der Verwaltung setzt sich die Erkenntnis durch, dass IT und Business Intelligence dazu eingesetzt werden können, öffentliche Güter – wie etwa Energie, Infrastruktur oder Ressourcen – wirtschaftlicher zu nutzen. Wenn die Nutzung dieser Güter im Rahmen von Big Data-Projekten besser erforscht wird und man relevante Daten zusammenbringt, können Kommunen zugleich smarter und lebensfreundlicher werden – etwa durch optimierte Angebote im öffentlichen Personennahverkehr, weniger Autos in der Stadt und einen besser fließenden Individualverkehr. Open Source gewinnt auch deswegen im öffentlichen Bereich immer mehr an Boden, weil in den Bereichen Big Data und Business Intelligence offene Technologien stark verbreitet sind. Betrachtet man die Projekte der Apache Software Foundation, wie z. B. Hadoop, so zählen die meisten davon bereits zu Standardlösungen für die Verarbeitung von Big Data-Datenbeständen.

Open Source als Enabler-Technologie

Offene Lösungen sind eine Realität, auch für die öffentliche Verwaltung. Open Source-Software ist da, sie ist ausgereift, und sie ist in unzähligen Unternehmen und auch in immer mehr Einrichtungen erfolgreich im Einsatz. Dabei sind nicht selten Anpassungsfähigkeit und Zuverlässigkeit wichtigere Gründe für OSS als das bloße Lizenzkostenargument. Wenngleich auch die Kosten für den Dienstleister oft weit niedriger sind als das, was die Verwaltung für entsprechende kommerzielle Software aufzuwenden hätte. Und Open Source-Lösungen weisen zugleich den Weg in eine digitalisierte Zukunft, schon weil der Open Source-Ansatz Innovationen befördert. Man denke nur an die positiven Effekte offener Ökosysteme, wie es beispielsweise Google mit Android geschaffen hat – das sich seinerseits auf Linux stützt. Flexibilität, Businesstauglichkeit, Integrationsfähigkeit und auch ihre günstige Kostenstruktur sprechen für OSS. Aus Sicht der öffentlichen Verwaltung gilt, ebenso wie aus Sicht der Privatwirtschaf: Open Source ist eine leistungsfähige und individuell anpassbare Enabler-Technologie, die Organisationen in die Lage versetzt, ihre Ziele im Rahmen der Digitalen Transformation zu erreichen.

Der Beschaffungsprozess als Hürde

Ein wichtiges Hindernis, das Open Source-Lösungen nehmen müssen, um sich den Weg in die öffentliche Verwaltung zu bahnen, ist der Beschaffungs- bzw. Vergabeprozess der öffentlichen Hand. Die rechtlichen Auflagen sind dabei häufig strenger als bei einer privatwirtschaftlichen Ausschreibung. Aufgrund von Sicherheitsbedenken ist das Misstrauen gegenüber offenen Lösungen in Behörden weiterhin ausgeprägt. Oft wird nicht bedacht, dass die Vorteile viel größer sind als die Nachteile: Bei einer offenen Architektur können Fehler schneller entdeckt werden und der Anwender ist nicht von der Willkür eines Softwarekonzerns abhängig. Gerade der Sicherheitsaspekt ist eine Stärke von Open Source, denn leistungsfähige Security-Lösungen entstehen häufg im OSS-Bereich. Im Internet beruhen fast alle Sicherheitsmechanismen auf offenen Technologien, z. B. SSL zum Verschlüsseln der Webseitenübertragung, PGP zur Mailverschlüsselung u.v.m. Die Gründe für die Dominanz offener Technologien: Hohe Reputation für die Entwickler, Entwicklung innovativer Lösungen von Grund auf neu, ohne Rücksicht auf vorhandene Konzern- oder Unternehmensstrukturen nehmen zu müssen. Das sowie die Kooperation und Überprüfung innerhalb der Community garantieren eine hohe Softwarequalität. Von dieser profitiert die öffentliche Verwaltung beim Einsatz in ihren Rechenzentren und lokalen Installationen.

Kompetente Unterstützung nötig

Open Source eröffnet der öffentlichen Verwaltung durch ihre Flexibilität viele neue Möglichkeiten. Allerdings gilt: Ein hoher Freiheitsgrad braucht auch eine kompetente Umsetzung und Betreuung. Es kann vorkommen, dass die geforderte Lösung erst durch einen Dienstleister auf Grundlage der gewählten Open Source-Plattform aufgebaut werden muss. Der große Vorteil eines solchen umfassenden Customizings ist natürlich, dass der Aufraggeber am Ende mit einer besseren – weil wirklich bedarfsgerechten – Lösung dasteht (und das zu deutlich niedrigeren Kosten als bei einem kommerziellen System). Sicherlich kann die IT-Abteilung einer Kommune und einer Landes- oder Bundesbehörde einen Teil der OS-Projekte selbst stemmen, aber sobald es komplexer wird, ist die öffentliche Verwaltung (wie übrigens auch jedes privatwirtschaftliche Unternehmen) meist gut beraten, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Wenn eine Kommune ein großes Projekt in Angriff nehmen möchte – etwa flächendeckend von MS Exchange auf eine Open Source-Groupware wie Zarafa zu wechseln –, wird dies ohne Unterstützung durch einen geeigneten Dienstleister kaum funktionieren.

Peter Lipp ist Sales Manager Österreich bei it-novum.

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