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Die künstliche Intelligenz soll den Security-Experten die banalen Arbeiten abnehmen, damit sie mehr Zeit für wichtige Aufgaben haben.
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CEO von Vectra Networks im Gespräch

KI als Security-Hilfsarbeiter

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Hitesh Sheth, CEO von Vectra
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Vectra hat sich auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der IT-Security spezialisiert. Der Monitor hatte den CEO des Unternehmens am Telefon.

Laut einer EY-Studie aus 2017 ist fast jedes zweite Unternehmen in Österreich in den vergangenen Jahren Opfer von Spionage oder Datendiebstahl geworden, knapp ein Drittel sogar mehrfach. Als wären diese Zahlen nicht schon schlimm genug, liegt die Dunkelziffer vermutlich noch weit höher. Oft fehlen für das (rechtzeitige) Entdecken eines Angriffes die technischen Mittel oder einfach die Mitarbeiter-Ressourcen.

Hier wollen Unternehmen wie Vectra aus den USA in die Bresche springen. Vectra hat sich auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der IT-Security spezialisiert. Der Fokus liegt darauf, Angriffe automatisiert und vor allem rasch zu entdecken und so die IT-Security-Teams zu entlasten und effizienter zu machen. Dafür wurde die Cognito-Plattform entwickelt. Cognito verwendet KI, um mithilfe von stetig lernenden Verhaltensmodellen eine kontinuierliche, automatische Bedrohungssuche durchzuführen. Grundlage der Analysen der Plattform sind Meta-Daten aus dem Netzwerk-Layer, die Header von Datenpaketen. Wird eine Bedrohung aufgespürt, wird das Security-Team davon in Kenntnis gesetzt und kann weitere Schritte einleiten.

"Die Denke war oldschool"

Als die Idee im Jahr 2010 geboren wurde, machten in den Medien gerade große Security-Vorfälle die Runde – beispielsweise bei Sony. Wie Vectra-CEO Hitesh Sheth im Gespräch mit monitor.at erzählt, waren traditionelle Security-Devices damals überfordert: "Um diese Attacken aufzuspüren gab es keinen anderen Weg, als händisch den Daten-Traffic zu untersuchen. Die Denke im Security-Bereich war 2010 sehr oldscool." Sheth war vorher unter anderem als COO bei Aruba Networks oder auch bei Juniper tätig, weiß also, wovon er spricht.

2012 wurde dann Vectra Networks gegründet. "Das Timing war gut", so Sheth. Die Entwicklung im KI-Bereich war bereits ausreichend fortgeschritten, gleichzeitig sind die Kosten für Computing und Storage gesunken. Trotzdem wurde das Unternehmen zu Anfang noch kritisch beäugt, Investoren zu finden war nicht einfach – ihnen war das Risiko zu hoch. "Ideen mit einem hohen Risiko werden normalerweise nicht von vielen Leuten unterstützt", erzählt Sheth.

Heute sieht das ganz anders aus. Gerade erst hat das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 36 Millionen Dollar abgeschlossen. Das Geld soll einerseits in Sales und Marketing fließen, aber andererseits natürlich auch die Entwicklung der Cognito-Plattform beschleunigen. Teil davon ist auch ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum, das im irischen Dublin eröffnet wird. Außerdem verfügt Vectra über F&E-Einrichtungen in San Jose (Kalifornien), Austin (Texas) und Cambridge (Massachusetts).

DACH im Zentrum

Die Nähe zu den europäischen Kunden, die dadurch entsteht, liegt Hitesh Sheth besonders am Herzen: "Wir machen in Europa einen großen Teil unserer Geschäftes und die DACH-Region ist im Zentrum unserer Europa-Strategie." Auch in Österreich hätte man kürzlich einen großen Kunden aus der Baubranche gewonnen, aber er dürfe den Namen nicht nennen, so der CEO gegenüber monitor.at.

Wichtig zu betonen ist Sheth außerdem, dass es nicht darum geht Mitarbeiter durch KI zu ersetzen, sondern sie zu unterstützen: "KI muss im Security-Bereich für mehr Effizienz sorgen. Weltweit fehlt es an zwei Millionen IT-Security-Fachkräften. Die vorhandenen Mitarbeiter wiederum müssen enorm viel Zeit für banale Tasks verwenden und nicht für die Aufgaben, die wirklich wichtig sind. Die Rolle von KI sollte sein, ihnen Zeit dafür zu verschaffen."

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