Praxis Digitalisierung
Bild: Steven Tee - Williams F1
Bild: Steven Tee - Williams F1

Avanade unterstützt Williams Martini Racing

IT in der Formel 1

Sport ist heutzutage kommerziell – und jedes Team agiert wie ein Unternehmen. Insbesondere auch in der Formel 1. Das bedeutet, dass auch die IT einen Beitrag zum Gesamterfolg leisten muss. Der britische Traditions-Rennstall Williams Martini Racing hat gemeinsam mit Avanade ein digitales Maßnahmenpaket geschnürt, um das Maximum aus dem Team und dem Unternehmen herauszuholen.

Während manche eingefleischte Motorsportfans gerne noch über vergangene Renntechniken philosophieren, bleibt die Tatsache: Wettbewerb und Innovation sind für ein faires Kräftemessen einer der wichtigsten Faktoren im aktuellen Rennsportzirkus. Das Konzept, Teams höhere Anteile der TV-Einnahmen zukommen zu lassen, je besser die Ergebnisse auf dem Track sind, fördert diesen Wettbewerb. Zudem wäre ein technischer Sport ohne Fortschritt irgendwann eine ziemlich langweilige Angelegenheit.

Folglich gehört zu einem Formel 1-Betrieb die Ganzheit der unternehmerischen Aufgaben, von der Personalabteilung über das Controlling bis hin zur Informationstechnologie. Im High-Tech-Rennsport spielt daher auch die IT eine immer wichtigere Rolle, wie das Beispiel des Williams-Teams zeigt: Sowohl für interne Prozesse als auch für das Engagement mit den "Kunden" – also den Fans – sowie die Rennwägen setzt die Mannschaft am Stammsitz in Grove und an den weltweit unterschiedlichen Austragungsorten auf Hightech.

"Im vergangenen Jahr wurden in der Formel 1 einige strenge technische Vorschriften eingeführt. Jetzt liegt es an den Teams, durch Softwareentwicklung die wichtigen Sekunden auf der Rennstrecke zu gewinnen", erklärt der Williams-Technikchef Rob Smedley. "In den letzten 15 Jahren hat die Geltung der digitalen Technologie stark zugenommen. Während früher die Fahrer enormen Einfluss auf die Ingenieure genommen haben, ist es jetzt eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Dabei hat sich die Rolle des Fahrers geändert: Sie müssen jetzt nicht nur das Auto möglichst schnell fahren, sondern richtige Organisationstalente sein, um vorne mit dabei zu sein."

Schnellere Boxenstopps

Doch auch multitaskingfähige Fahrer und Ingenieure sind auf die reibungslose Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern an den Rundkursen angewiesen: Die schnellste Rennrunde ist nutzlos, wenn die Zeit beim Reifenwechsel vergeudet wird. Demnach kommt der Boxen-Crew eine strategische Bedeutung zu – und sie muss auf den Punkt topfit sein sowie Bestleistungen auf den Punkt geben können, um dieser gerecht werden zu können.

"Als ich 2014 bei Williams Racing anfing, waren die Boxenstopps nicht wirklich gut. Bei meinem vorherigen Team wurden wesentlich mehr Sensoren zum Sammeln von Informationen genutzt, um Schwachstellen zu erkennen und die Service-Zeiten zu verbessern", erläutert Smedley seine frühen Erfahrungen bei Williams. Nachdem diese Herausforderung identifiziert war, beschloss das Team, eine entsprechende Lösung zu suchen.

Nicht nur Autos und Fahrer optimal einstellen

Im Zuge der seit 2015 bestehenden Kooperation zwischen Williams und Avanade begannen beide Unternehmen noch im Laufe der 2016er-Saison, eine Reihe biometrischer Daten – Herz- und Atemfrequenz, Körpertemperatur und Spitzenbeschleunigung – an Schlüsselpositionen der Pit-Crew zu erfassen und auszuwerten. So kann die Leistung der Boxencrew in den kritischen Sekunden der kurzen Stopp-Phase gezielt angepasst werden. Sämtliche Echtzeitdaten der einzelnen Team-Mitglieder werden dabei in einer Datenbank erfasst, die auf Microsoft Azure aufbaut.

Die verschiedenen Datensätze werden anschließend jeweils mit Microsoft Power BI verarbeitet und über ein von Avanade erstelltes Analyse-Dashboard angezeigt. Der zuständige Experte für die Leistungsfähigkeit im Team wertet die Informationen in den Dashboards über die Saison hinweg aus. Verbesserungspotenziale in den unterschiedlichen Bereichen lassen sich damit besser erkennen, so dass konsequent noch schnellere Boxen-Stopps erzielt werden können.

So ermöglicht zum Beispiel die Analyse der Daten aus den Biometrie-Sensoren Einblicke in die Physiologie, die hinter dem "perfekten Boxen-Stopp" steckt. Andere Auswertungen helfen dabei, das Fitnesstraining einzelner Team-Mitglieder gezielt auf die jeweilige Aufgabe beim Stopp auszurichten. Individualisierte Leistungsreports können den Team-Mitgliedern in der Box dann beispielsweise empfehlen, in einem bestimmten Herzfrequenzbereich zu arbeiten, um die kardiovaskuläre Erholungsphase zu verkürzen. Nach harten körperlichen Trainings und Erfolgen in der Saison 2016/2017 stand am Ende der "Fastest Pit Stop Award".

Mehr Daten – an allen Stellen

Doch natürlich beschränkt sich die IT-Unterstützung nicht auf die Crew allein. Smedley selbst ist ein großer Fan von Informationen, die dem Team-Erfolg dienen: "Generell ist die Erhebung von Daten gut, sie müssen aber auch sinnvoll ausgewertet und genutzt werden können. In den 80er Jahren waren rund fünf Sensoren am Auto installiert, mittlerweile sind es mehr als 200. Meiner Meinung nach sollte das Verhältnis bei zehn Prozent Daten sammeln und 90 Prozent Auswertung liegen, oftmals ist aber genau das Gegenteil der Fall. Deswegen ist es wichtig, eine gute Datenkultur im Team zu etablieren und zu leben."

Unter anderem werden bei den Reifen umfassend Daten vom Rennteam gesammelt und ausgewertet. Als schnell verschleißendes Bindeglied zwischen Fahrzeug und Strecke sind sie absolut erfolgskritisch. Die jedem Formel1-Fan bekannte Reifenstrategie hat schon mehr als eine Weltmeisterschaft entschieden. Die Reifen-Abnutzung wird hier erfasst und Informationen anhand früherer Ergebnisse live ausgewertet. Gemeinsam mit einer weiteren Historien-basierten Applikation werden diese Daten zueinander in Korrelation gesetzt. So erhält der Strategie-Planer des Teams quasi in Echtzeit Szenarien, um den besten Zeitpunkt für einen Boxenstopp zu bestimmen.

Diese Anwendungen hat Avanade für Williams entwickelt und in der sogenannten WISDOM-Suite zusammengefasst. "Mit WISDOM haben wir für Williams eine vorausschauend arbeitende Plattform entwickelt, die Informationen inkrementell bereitstellt. Das Team kann dabei die Leistung auf dem Track verbessern. Außerdem lassen sich auch Rückschlüsse auf das Design des Fahrzeugs der kommenden Saison ziehen", erläutert Christiane Noll, Geschäftsführerin von Avanade in Österreich (mehr über Avanade und Christiane Noll erfahren Sie in unserem Interview Microsofts & Accentures "Geheimwaffe" Avanade), die Vorteile der gemeinsam mit Williams entwickelten Lösung.

Team-Arbeit und Interaktion mit den Fans

Neben der Produktentwicklung unterstützt die IT bei Williams auch weitere Projekte, die das Unternehmen voranbringen. Auch beim Intranet hat das Team mit seinem Partner Avanade eine zeitgemäße Lösung erarbeitet, um die Zusammenarbeit der Mitarbeiter zu optimieren – denn auch wenn der Fahrer oft im Mittelpunkt steht, würde er ohne die dahinterstehende Mannschaft keinen Millimeter rollen. Damit er das auch noch vor möglichst vielen Anhängern des Rennstalls machen kann, hat Avanade für Williams Martini Racing in kürzester Zeit vor dem Saisonstart eine neue Webseite entwickelt. Formel-1-Fans können dank der verbesserten Performance der Webseite schneller auf Daten und Informationen zugreifen.  

Und die Entwicklung geht weiter, wie unter anderem der Clutch Manager zeigt, der Daten über die Kupplung sammelt und aufbereitet: Phase 1 ist bereits im Einsatz an den Rennstrecken. Phase 2 wird, voraussichtlich zur kommenden Saison, Microsoft Machine Learning und Stream Analytics enthalten. Damit wird die Kupplung dem Team sozusagen selbst mitteilen, wann sie gewechselt werden sollte – eine Fähigkeit, die auch den Produkten vieler Nicht-Formel 1-Unternehmen weiterhelfen könnte.

Die IT bei Williams Martini Racing hat sich fit für die neue Zeitrechnung des digitalen Zeitalters gemacht: Sie bauen auf innovative Technologielösungen um den wirtschaftlichen Erfolg des Teams und des Unternehmens mit voranzubringen.

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