Automation
Bild: iStock - wildpixel
DevOps ist keine Technologie, sondern ein Konzept zur intensiven Zusammenarbeit und zum kollaborativen Denken.
Bild: iStock - wildpixel

Gastartikel - Henning von Kielpinski, Consol

Industrie 4.0 und DevOps als Methode zur Prozessautomatisierung

Im Umfeld von Industrie 4.0 bietet die Kombination mit DevOps erstaunliche Optionen. Die Methode entstammt aus der Automobilindustrie. Insofern besteht die Verbindung zwischen Fertigung und DevOps schon lange – und sie wird genutzt, um Geschäftsprozesse zu optimieren.

Über lange Jahre wurde in der Industrie die Spezialisierung der Mitarbeiter auf einzelne Aufgaben propagiert, sei es aus Kosten-, Effizienz- oder Ausbildungsgründen. Diese Entwicklung hat bereits mit der Fließbandarbeit angefangen und letztlich auch die IT-Berufe erfasst. DevOps bewirkt die Auflösung dieser spezialisierten Inseln zugunsten eines kollaborativen Ansatzes.

In der IT werden gegenwärtig Entwicklungszyklen verlangt, die nicht mehr im klassischen Wasserfallmodell abbildbar sind. Agile Entwicklungsmodelle sind mittlerweile der Standard. Schnellere Entwicklung ist aber nur ein Mehrwert, wenn die Ergebnisse auch schnell in der Produktion genutzt werden. Um dies zu gewährleisten, muss ein Unternehmen möglichst viele Hindernisse zwischen der Entwicklung (Dev) und dem Betrieb (Ops) aus dem Weg räumen. Dies geschieht zum einen mithilfe von Technologien wie Microservices und Containern, passenden Entwicklungsumgebungen und Tools zum Ausrollen der Software. Zum anderen aber ist auch eine Anpassung der Unternehmensabläufe erforderlich, denn DevOps bedeutet vor allem Kommunikation und Kollaboration über Abteilungsgrenzen und Verantwortlichkeiten hinweg. Es geht darum, Feedback und eine offene Fehlerkultur direkt in die Entwicklung einfließen zu lassen.

CALMS-Framework gibt die Richtung vor

Das Akronym CALMS charakterisiert treffend die Fundamente von DevOps: Culture, Automation, Lean, Measurement und Sharing. Es zeigt sich, dass die "weichen" Faktoren wie die Kultur, das Teilen von Informationen und die schlanke Vorgehensweise überwiegen. DevOps ist also keine Technologie, sondern eine Methode zur intensiven Zusammenarbeit und zum kollaborativen Denken, mit dem Ziel, nachhaltig schneller und besser zu werden.

Generell verfolgen DevOps-Konzepte das Ziel, eine unterbrechungsfreie Kommunikation und geringe Reibungsverluste zwischen Entwicklung und IT-Betrieb sicherzustellen. Zu den Maßnahmen, die bei der DevOps-Umsetzung ergriffen werden, gehören:

  • die Etablierung einer veränderten Unternehmenskultur mit neuen Kommunikationsformen, die Feedback-Schleifen und Rückkopplung beinhalten
  • das Aufheben von Datensilos
  • der Einsatz von Automatisierungs-Tools
  • die Einführung von Metriken zur Erfolgsmessung

Viele Ideen, die hinter DevOps stehen, sind weder neu noch IT-spezifisch. Die Konzepte sind in der Automobilindustrie schon lange mit Begriffen wie Kaizen oder Kanban besetzt. Beide Methoden haben inzwischen auch Einzug in die Entwicklungsabteilungen für Software gehalten. Insofern besteht schon jetzt ein direkter Bezug hinsichtlich Ideen und Begrifflichkeiten zwischen Softwareentwicklung und Industrie.

Industrie 4.0 geht über die Digitalisierung der Produktion hinaus

Industrie 4.0 ist die Vernetzung der bestehenden digitalen Systeme zu einer zusammenhängenden Systemlandschaft. Dabei werden einzelne, nicht digitalisierte Lücken gefüllt. Vom Produktdesign über die Fertigung und Logistik bis hin zum Kunden  wird die gesamte industrielle Wertschöpfungskette vernetzt. Das bedeutet, dass sich Unternehmen neu aufstellen müssen.

Der Änderungsbedarf beginnt schon bei der Organisationsstruktur: So müssen unterschiedliche Abteilungen und Aufgabenbereiche miteinander verzahnt werden. In der Industrie ist der erforderliche Umbruch besonders groß, da die IT und der Produktionsbereich oft noch strikt getrennt sind. Das heißt auch, dass für unterschiedliche Betriebsbereiche verschiedene Teams verantwortlich sind. Um einen durchgängigen Betriebs- und Produktionsablauf sicherzustellen, müssen die Strukturen aber aufgebrochen werden – und zwar durch organisatorische Veränderungen.

Die Herausforderung ist in der Industrie also – ähnlich wie in der IT – die enge Vernetzung nicht nur von Systemen und Maschinen, sondern auch von Mitarbeitern in verschiedenen Rollen, die in der Vergangenheit kaum Berührungspunkte hatten. An diesem Punkt kommt das Konzept DevOps ins Spiel.

DevOps benötigt Offenheit

Doch welche konkreten Maßnahmen beinhaltet DevOps? Antworten hierzu können aus den CALMS-Regeln abgeleitet werden. Als erstes muss im Unternehmen DevOps von der Unternehmensführung unterstützt werden. Durch die Notwendigkeit der abteilungs- und bereichsübergreifenden Zusammenarbeit dürfen auch "hierarchische Abkürzungen" kein Problem darstellen, sondern sie sollten vielmehr kontrolliert gefördert werden. Des Weiteren ist wichtig, das Thema im Unternehmen breit zu verankern. Es bedeutet nicht, dass DevOps-Prozesse flächendeckend eingeführt werden müssen, aber möglichst viele Mitarbeiter sollten das Konzept verstehen und unterstützen.

Zudem sollte eine Bestandsaufnahme der Technologien im Unternehmen durchgeführt werden. Dabei ist zu analysieren, wie diese verbunden oder gegebenenfalls erweitert und ersetzt werden können, um einen hohen Automatisierungsgrad der Abläufe zu erreichen. Die Idee, die hinter der Automatisierung an dieser Stelle steht, ist neben der Effizienzsteigerung vor allem die Wiederholbarkeit von Prozessen, um gleiche Ergebnisse zu erzielen. Nur so ist eine Messbarkeit gegeben und auch die Basis geschaffen, um Verbesserungen umzusetzen. Denn manuelle Vorgänge beinhalten immer eine Unschärfe in der Umsetzung.

Um schnell eine effiziente Kollaboration zu etablieren, sollte kein übermäßiger Ballast in die Prozesse und auch Meetings mitgenommen werden. Das heißt, dass man nur diejenigen Mitarbeiter involviert, die auch zu einer Ergebnisverbesserung beitragen können. Eventuell werden so auch Stakeholder gefunden, die bisher noch nicht in Erscheinung getreten sind.

Alle Ergebnisse müssen messbar sein und auch in diesem Fall hilft die Automatisierung. Die Messbarkeit sollte vor allem im Hinblick auf die DevOps-Prinzipien ausgelegt sein, das heißt, die Qualität der Produktion und die Zufriedenheit der Kunden spielen genauso eine Rolle wie die Anzahl der produzierten Einheiten und die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Die Bestimmung der Messpunkte ist folglich auch ein kollaborativer Vorgang, wobei das Endziel sein sollte, einen nachhaltigen unternehmerischen Vorteil zu gewinnen.

Alles kumuliert letztlich in Erkenntnissen, die geteilt werden. DevOps bedeutet immer auch Austausch der Erkenntnisse mit allen involvierten Parteien und das Vermeiden von Wissenssilos. Wenn etwas funktioniert, sollte die Information genauso mit allen geteilt werden, wie wenn es Probleme gibt. Oftmals existieren Kommunikationslücken und eine Kultur des Zurückhaltens von Informationen  –  für DevOps braucht es aber viel Offenheit.

Der Einsatz von DevOps-Verfahren in der Industrie 4.0 bringt mehrere Vorteile mit sich. Dazu zählen:

  • die verbesserte Kommunikation und Zusammenarbeit
  • die gesteigerte Mitarbeitermotivation
  • die hohe Agilität und Flexibilität
  • ein messbarer ROI durch automatisierte Prozesse

DevOps-Modelle können als perfekter Leitfaden dienen. Sie sind quasi für die Industrie 4.0 prädestiniert, da die ursprünglichen Ideen aus der Industrie kommen und sie hier ein bewährtes Erfolgsmuster sind. Will ein Unternehmen produktionsübergreifend Mehrwerte im Unternehmen generieren, sollte somit immer auch eine Nutzung von DevOps-Verfahren in Erwägung gezogen werden. Sie vereinfachen die Entwicklung von Systeme und Dingen, die über Jahre getrennt waren.

Henning von Kielpinski ist Leiter Business Development bei der Consol Software GmbH in München.

Mehr Artikel zum Thema: Automation

CA und Automic sind zusammengewachsen

Wir haben uns mit Günther Flamm, VP Area Services, seit 1999...

Weiterlesen

Service-Management verbessert HR-Abläufe

Gerade in Unternehmen mit wenigen hundert Mitarbeitern sind...

Weiterlesen

Automatisierung von IT-Prozessen dringend nötig

Budget, Komplexität und Zeit sind laut einer Studie die...

Weiterlesen

100.000 Prozesse pro Tag automatisiert

Pro Tag müssen bei SPAR ICS 100.000 Prozesse auf den...

Weiterlesen

Wie Robotic Process Automation Unternehmen effizienter macht

Schnell effizient und sicher – so müssen Prozesse im...

Weiterlesen

Mensch-Maschine-Kollaboration durch Robotic Process Automation

Beim Thema "Roboter" denkt man spontan an Industrieroboter...

Weiterlesen

Software-Roboter als Teil einer Workforce

Der Einsatz von Robotern ist bereits allgegenwärtig. Von...

Weiterlesen