Gastkommentar: Dorothee Ritz, Microsoft

Erfolgreiche digitale Transformation braucht mehr als die richtige Technik

Bild: Microsoft
Dorothee Ritz, General Managerin Microsoft Österreich
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Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Die digitale Transformation beginnt in Unternehmen mit der technischen Ausstattung und einer geeigneten IT-Infrastruktur. Obwohl es damit noch lange nicht getan ist, bleiben weitere Schritte oftmals aus.

Aber nur wer es schafft, sein Unternehmen wirklich "digital zu denken", wird auch in Zukunft im globalen Wettbewerb bestehen. Und nur wer erkennt, dass digitale Transformation neben technologischem vor allem auch kulturellen Wandel bedeutet, wird seine Organisation erfolgreich in die digitale Zukunft führen.

Unternehmenskultur als Schlüssel für erfolgreiche Mensch-Technik Teams

Ähnlich wie im Bildungsbereich, wo es nicht reicht, Schülerinnen und Schüler mit Tablets auszustatten ohne gleichzeitig auch geeignete Rahmenbedingungen für das Lernen der Zukunft zu schaffen, reicht es auch in Organisationen nicht aus, lediglich die nötige IT-Ausstattung bereitzustellen. Um den Wandel aktiv zu gestalten, braucht es Führung und eine entsprechende Unternehmenskultur, um Mensch und Technik zu einem unschlagbaren Team werden zu lassen. Aber wie führt man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Zeiten in denen sie v.a. Handlungs- und Entscheidungsspielraum brauchen richtig, um rasch auf veränderte Umweltbedingungen reagieren zu können? Wie wird man den grundlegenden Bedürfnissen nach Freiheit, Kreativität und Selbstentfaltung gerecht und erreicht trotzdem die Unternehmensziele?

Eines steht fest: Digital Leadership ist eine komplexe Aufgabe, die paradoxerweise gerade auch darin besteht, Komplexität zu reduzieren, um Unternehmen flexibler und agiler zu machen. Denn die Welt da draußen dreht sich immer schneller. Junge Hightech-Unternehmen drängen mit aller Macht in gewachsene Märkte und stellen dabei die Spielregeln in allen Branchen auf den Kopf.  Innovationen sind über Nacht weltweit verfügbar und Verbraucherverhalten manifestiert sich in Echtzeit. Laut dem Marktforschungsunternehmen IDC (PDF) müssen heute schon zwei Drittel der Unternehmen mit stark veränderten Kundenanforderungen umgehen. Und das ist erst der Anfang. In Zukunft gilt es, sich eng mit der Welt des Kunden zu vernetzen und seine individuellen Bedürfnisse maßgeschneidert und in kürzester Zeit zu erfüllen.

Führen im digitalen Wandel: Vertrauen statt Kontrolle

Um Entscheidungen zu beschleunigen, Innovationen schneller auf den Markt zu bringen und immer differenziertere Kundenbedürfnisse erfüllen zu können, müssen wir starre Hierarchien auflösen und Verantwortung in Teams delegieren, die nahe am Markt und am Kunden agieren. Um entscheidungsfähiger zu werden, müssen Angestellte sowohl hervorragend qualifiziert sein, als auch jederzeit auf das gesamte Wissen der Organisation zugreifen können. Dafür müssen wir Silodenken und Herrschaftswissen radikal abschaffen und Transparenz und Vernetzung fördern.

Führungskräfte müssen lernen, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr zu vertrauen, sie müssen mehr coachen und unterstützten und weniger kontrollieren. Der Erfolg in der Digitalisierung steht und fällt mit dem Vertrauen der Führungskräfte – dem Vertrauen in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und dem Vertrauen in neue Technologien, Cloud Services und IT-Infrastrukturen.

Bei Microsoft unterstützen wir den Kulturwandel durch ineinandergreifende Maßnahmen und neue Rahmenbedingungen, wie z.B. flexibles Arbeiten, Führungsinstrumente wie Management by Objectives sowie eine Bürogestaltung, die verschiedensten Anforderungen und Bedürfnissen gerecht wird. Das gibt unseren MitarbeiterInnen die unentbehrlichen Freiheiten für innovative Ideen sowie die nötige Richtung und Motivation, um zu unseren Unternehmenszielen beizutragen.

Kommunikation wird wichtigste Führungsaufgabe

Neue Formen der Zusammenarbeit erfordern auch neue Regeln, die wir uns erst gemeinsam erarbeiten müssen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Kommunikation zur wichtigsten Führungsaufgabe überhaupt wird – auch um Ängste abzubauen und Begeisterung für den Wandel zu erzeugen. Denn einerseits fordern gerade junge Talente heute mehr Freiheit und Eigenverantwortung, andererseits ist die Arbeit in oft nur noch virtuell existierenden Teams eine echte Herausforderung.

Wir dürfen auch das Beharrungsvermögen gewachsener Strukturen nicht unterschätzen. Oft macht es Sinn, neue Ideen in kleinen Einheiten zu erproben und Erfahrungen transparent zu teilen. Inspiration liefern Kooperationen mit Startups, Inhouse-Labs und Pilotprojekte mit freiwilligem Charakter. Aber auch wenn wir den Kulturwandel in kleinen Schritten beginnen, so müssen wir ihn mit aller Konsequenz vorantreiben.

Mensch, Technik und Organisation – Rädchen, die ineinandergreifen

Der Kulturwandel erfordert nicht nur Zeit und Geduld, sondern auch Investitionen – in Technologien, die die Zusammenarbeit produktiver machen, in moderne Arbeitsplätze und in hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das belegt auch unsere aktuelle Studie, in der wir uns das Zusammenspiel von Unternehmenskultur und dem Einsatz von Technologie bei österreichischen und europäischen Unternehmen angesehen haben. Auch wenn wir die Studie erst in wenigen Tagen veröffentlichen werden (Anm.: mittlerweile wurde sie veröffentlicht) – eines kann ich bereits vorwegnehmen: Erst die gelungene Kombination aus innovativer Unternehmenskultur und zeitgemäßen High-Tech-Strategien sorgt für wirkungsvolle Wachstumsimpulse in den Bereichen Produktivität, Kreativität, Engagement und Zusammenarbeit.

IT-Infrastruktur als Basis für Digital Leadership

Investitionen in eine sichere und agile IT-Infrastruktur sind die Basis aller Digitalisierungsbemühungen. Cloud Computing ist die Voraussetzung für alle Zukunftskonzepte – vom Internet der Dinge und Industrie 4.0 über vernetzte Wissensarbeit bis zur intelligenten Nutzung großer Datenmengen. Die gute Nachricht ist: Diese Investitionen sind vergleichsweise gering. Mit skalierbaren Lösungen aus der Cloud können sich auch kleine Unternehmen IT-Kapazitäten leisten, die bisher Konzernen vorbehalten waren. Mittelständler können in Märkte vordringen, die ihnen bisher mangels technischer Möglichkeiten verschlossen waren. Wenn sie außerdem den Mut aufbringen, weitere Schritte zu gehen, digital zu denken und ihren MitarbeiterInnen das nötige Vertrauen entgegenzubringen, steht ihnen der Weg zu "Digital Leadership" weit offen.

Dorothee Ritz ist General Managerin von Microsoft Österreich.

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