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Erwin Greiml, Geschäftsführer adesso Austria GmbH
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Interview - Erwin Greiml, adesso

Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein

Unter dem Motto "Wir machen das jetzt" erarbeitet adesso mit seinen Kunden, wo die besten Ansätze im Unternehmen für eine Digitalisierungsinitiative liegen. Wir haben mit Geschäftsführer Erwin Greiml über die "Digitale Transformation" gesprochen.

von: Rudolf Felser

Erwin Greiml, Geschäftsführer der adesso Austria GmbH, kennt die IT-Branche sehr genau. Er hatte im Laufe seiner Karriere diverse Vertriebs- und Führungspositionen inne, unter anderem bei der Software AG, Atos Origin, Computer Austria (einer Vorgängerorganisation von T-Systems Austria) oder Xerox. Wir haben ihn im Interview gebeten, das abstrakte Buzzword "Digitalisierung" etwas zu entmystifizieren.

Herr Greiml, können Sie vielleicht den Begriff "Digitalisierung" in möglichst wenigen Sätzen erklären? Worum geht es dabei?

Die Digitalisierung, als Begriff wie wir ihn heute verstehen, geht weit über die Automatisierung von Prozessen hinaus. Sie reicht in praktisch alle Bereiche unseres Lebens. Von der Selbstbedienungskassa im Supermarkt bis zur Überweisung von Geldbeträgen per Smartphone App: unsere gesamte Lebenswelt ist digital geworden. Und doch stehen wir gerade erst am Anfang. Durch nahezu unbegrenzte Rechnerkapazitäten oder Miniaturisierung von Sensoren und Bandbreiten in der Übertragungstechnik, um hier zwei Beispiele zu nennen, sind künftig Geschäftsmodelle möglich, die bislang unvorstellbar waren.

Die "Digitale Transformation" wird noch immer als große Herausforderung gesehen, gerade im KMU-Bereich. Aber geht es dabei nicht eher um neue Chancen? Und können Sie uns für das etwas abstrakte Wort "Digitalisierung" konkrete Projekte in der Realität nennen?

Ganz sicher geht es dabei um neue Chancen und es gibt auch erfolgreich umgesetzte Projekte. Die Möglichkeiten, die uns die digitale Transformation bietet, sind quasi unbegrenzt. Vieles von dem, was vor zehn Jahren nicht möglich war, kann heute durch standardisierte Digitalisierungsplattformen problemlos umgesetzt werden. Ich erinnere mich an ein Projekt, bei dem wir mit einem Erzeuger von Druckluftkompressoren zusammengearbeitet haben. Durch den Einbau von Sensoren in seinen Geräten konnte er die Menge der komprimierten Luft messen – wodurch er nicht nur seine Geräte verkaufen konnte, sondern auch die von ihm erzeugte komprimierte Luft. Die Prozesse, wie die Übertragung und Aufbereitung der Daten sowie die Rechnungslegung werden nun von einer Digitalisierungsplattform abgewickelt. Wir sehen, dass sich durch die Digitalisierung bereits jetzt neue, reale Geschäftsmodelle erschließen.

Wie erkennt man, wo man den Digitalisierungs-Hebel ansetzen sollte, um sein Unternehmen auf die nächste Stufe zu bringen?

Das ist eine sehr wichtige Frage, denn es bringt nichts, aus der Angst heraus, etwas zu verpassen, krampfhaft alles digitalisieren zu wollen. Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein, stattdessen sollte stets jedes Unternehmen als Ganzes betrachtet werden, um dann entscheiden zu können, in welchen Teilen durch Digitalisierung ein realer Fortschritt erzielt werden kann. Dies funktioniert aber nur durch methodisches Vorgehen, die Analyse der eigenen Stärken und Schwächen sowie die Evaluierung des Marktes und des Nutzerverhaltens.

Geht es bei der Digitalisierung nur um Technologie, oder sind auch andere Aspekte zu beachten?

Eine Technologie ohne nutzenstiftender Anwendung hat keinen Wert. In der Vergangenheit stellten technologische Hilfsmittel lediglich Werkzeuge dar, durch welche einzelne Arbeitsschritte in einem Unternehmen effektiver umgesetzt werden konnten. Heute präsentiert sich ein anderes Bild, denn viele Prozesse existieren überhaupt nur durch die Möglichkeiten, die heutige Technologien bieten. Anstatt lediglich bereits bestehende Prozesse zu verbessern, werden gänzlich neue Arbeitsbereiche geschaffen.

Wie unterstützt adesso seine Kunden bei der Digitalen Transformation?

Wir haben diesbezüglich ein eigenes Format mit dem Titel "Wir machen das jetzt" entwickelt. Der Name ist Programm: wir wollen gemeinsam mit unseren Kunden erarbeiten, wo die fünf bestgeeignetsten Ansätze im Unternehmen für eine Digitalisierungsinitiative liegen. Wie bereits erwähnt geht es darum, dort zu digitalisieren, wo der Kunde auch einen tatsächlichen Mehrwert davonträgt.

Eine letzte Frage noch: Gibt es auch Unternehmen, die es sich leisten können, sich nicht mit dem Thema "Digitalisierung" auseinanderzusetzen?

Meine Antwort ist ein klares Nein. Natürlich gibt es Unternehmen, die vom digitalen und technologischen Wandel weniger betroffen sind als andere. In Wahrheit sind wir aber alle schon ein Teil der Digitalisierung, es geht also nicht mehr um das "ob", sondern darum "wie" wir unsere Rolle in der digitalen Gegenwart und Zukunft interpretieren. Erfolgreich sind dabei diejenigen, die Treiber und nicht Getriebene sind. Momentan herrscht eine große Aufbruchsstimmung, in der neue Ideen verwirklicht werden, und dazu muss man nicht einmal ein Start-up gründen, disruptiv sein oder zaubern können, sondern sich einfach auf die Möglichkeiten der heutigen Zeit einlassen.

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