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Eleonora Kernmayer-Farr, Head of Global Partner Sales Engineering bei Klarna
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Interview - Eleonora Kernmayer-Farr, Klarna

"Das Wichtigste ist: Probier‘s aus!"

Wie so oft stand am Anfang eine Entscheidung: Praktikum bei Julius Meinl oder eBay. Eleonora Kernmayer-Farr hat E-Commerce gewählt und ist diesem Bereich seither treu geblieben.

von: Rudolf Felser

Technologie-interessiert war sie schon als junges Mädchen, ob beim Programmieren des Videorekorders, an ihrem Commodore Amiga oder als Assistentin ihres Vaters bei Elektro-Arbeiten im Haushalt. Heute ist Kernmayer-Farr Head of Global Partner Sales Engineering bei dem Zahlungsdienstleister Klarna. Sie hat BWL studiert und später IT-Erfahrung bei Firmen wie eBay, Geizhals, APA oder dem Start-up kompany gesammelt, bevor sie 2014 als Enterprise Implementation Manager, später als Solution Engineer und schließlich im August 2017 in ihrer jetzigen Position bei Klarna tätig wurde.

Im Interview mit monitor.at sprach die fröhliche E-Commerce-Enthusiastin, die "gern an der Software dran" ist, über ihren Weg in die IT-Branche sowie ihre Erfahrungen als Frau in der männlich dominierten IT-Welt.

Frau Kernmayer-Farr, würden Sie uns vielleicht ein bisschen über Ihren Werdegang erzählen?

Ich bin in Wien geboren, mit sechs Jahren ins Lycée gegangen (Anm.: Lycée Français de Vienne) und habe im wirtschaftswissenschaftlichen Zweig maturiert. Dann stand ich vor der Entscheidung, was ich mache. Eigentlich wollte ich immer Anwältin oder Richterin werden, habe mich dann aber doch entschieden an der WU internationale Betriebswirtschaft zu studieren. Dort bin ich inmitten von Studenten gesessen, die bei etablierten Konzernen in der Fast-moving-consumer-goods-Branche anheuern wollten. Das hat mich nie interessiert, mich hat es immer in die Digitalbranche gezogen - also Entrepreneurship, Innovation, Problemlösungen und unternehmerisches Denken. Kurz vor Abschluss meines Studiums hatte ich zwei Praktika-Möglichkeiten. Die eine war bei Julius Meinl und die andere bei eBay. Ich bin bei eBay durch die Tür gegangen und habe gemerkt: Das ist es. Schon am ersten oder zweiten Tag wusste ich, dass es die richtige Entscheidung war – und bin dem E-Commerce bis heute treu geblieben. Je weiter ich in meiner Karriere gekommen bin, desto näher bin an die eigentliche Entwicklung herangekommen. Aber ich war schon immer technikinteressiert, das liegt mir. Wenn man so lange bei unterschiedlichen Softwarefirmen eng mit Entwicklern zusammenarbeitet, lernt man in diesem Bereich einfach sehr viel dazu – auch, weil man wissen muss, ob das, was einem vorgeschlagen wird, Sinn macht. Man muss es verstehen. Mit der Zeit wird man immer besser. So bin ich seit vier Jahren bei Klarna in dem technischsten Beruf, den ich bisher gemacht habe. Mittlerweile leite ich das globale Team für Partner-Implementierungen.

Was bedeutet das genau?

Wenn ein Händler Klarna nutzen möchte, kann er uns auf zwei Arten einbinden. Entweder man geht direkt über die Schnittstelle - die firmeneigenen Entwickler oder die Agentur können gemeinsam mit Klarna genau die Features und Funktionen auswählen, die benötigt werden. Vorteil - es ist punktgenau auf den Händler zugeschnitten - Nachteil: es ist ressourcenintensiver. Die Alternative dazu ist, dass der Händler über einen Drittanbieter geht wie z.B ein fertiges Shopsystem mit Modulen oder ein Payment Service Provider – eben diese werden Partner genannt. Händler haben mittels dieses Drittanbieter also die Möglichkeit Klarna oder andere Dienste zu integrieren, mit dem Vorteil ein fertiges Paket zu implementieren. Dieses ist im Funktionsumfang natürlich standardisierter, erfordert dafür aber weniger Aufwand. Die Einbindung dieser Partner-Implementierung ist daher einerseits für kleinere Händler und andererseits für bestimmte internationale Händler, die sich nicht um die Integration von 50 Zahlarten in 50 Ländern kümmern wollen, interessant. Der enorme Vorteil für diese globalen Player ist es dann nur einen einzelnen Anbieter als Partner und auch Ansprechpartner zu haben. Mein Team kümmert sich darum, dass Klarna bei den wichtigsten Drittanbietern integriert ist und gewährleistet die beste User Experience für Kunden und Händler. Das Ziel ist es eine Möglichkeit für den Händler zu schaffen, Klarna möglichst einfach zu integrieren und wiederum seinen Endkunden die beste Kundenerfahrung zu bieten.

Wussten Sie schon beim Studium, dass Sie später in die IT gehen würden?

Nein. Es hat sich irgendwie entwickelt und war gleichzeitig ein schöner Zufall. Vielleicht wäre ich sonst über einen Umweg wieder zur IT gekommen, denn das liegt mir und macht mir Spaß. Ich bin gern an der Software dran.

Wo hatten Sie Ihre ersten Berührungspunkte mit IT?

Ich hatte als Kind einen Commodore Amiga und habe hauptsächlich gespielt. Können Sie sich noch an Robocop erinnern? Wow! Wir hatten in der Schule später ein Fach, da haben wir Computer-Bedienung gelernt, also Word, Excel, wie wechsle ich Programme – noch mit MS-DOS. Das fand ich so schön. Ich habe jetzt einen Mac und mache manchmal die Shell auf, nur um mit Kommandozeilen zu arbeiten.

Wie ging das weiter?

Als mir später dann jemand das erste Mal von "diesem Internet" erzählt hat, habe ich erst nicht verstanden, was das ist. Bei einer Freundin konnten wir dann plötzlich über IRC-Chat mit Leuten rund um den Globus kommunizieren. Das war für mich wie eine neue Welt. Ich habe meine Eltern wochenlang angebettelt, damit wir Internet kriegen. Das war damals sehr teuer, aber offensichtlich war ich überzeugend genug. Ich habe dann viel Zeit vor dem Computer verbracht. Ich war einfach fasziniert von den Möglichkeiten.

Dann ist in dieser Hinsicht lange nichts passiert, bis zu meinem Praktikum bei eBay. Dort habe ich das erste Mal mit Entwicklern zusammengearbeitet. Die müssen mich gehasst haben. Meine ersten Briefings waren Screenshots mit Pfeilen, die ich in Powerpoint erstellt habe. Meine Aufgaben wurden immer komplexer, weil meine damalige Chefin gemerkt hat, dass ich ein Gespür dafür habe, wie Prozesse in der Technik funktionieren. Ich habe die Logik dahinter intuitiv verstanden. Bei Geizhals und bei der APA habe ich auch eng mit den Entwicklern zusammengearbeitet. Bei dem Start-up kompany war die Zusammenarbeit als Produkt Managerin mit den beiden Entwicklern noch enger. Das muss auch sein, wenn man versucht eine Vision wie die von kompany durchzuboxen. Man sitzt zusammen und überlegt sich, welches Problem man wie lösen will und wie man das angeht. Plötzlich ist man mit SQL-Datenbanken konfrontiert und muss sich da durchbeißen.

Haben Sie es als Herausforderung empfunden, in der "Männerwelt" IT zu bestehen?

Ich tue mir schwer, diese Frage zu beantworten, weil ich nicht weiß, wie es als Mann in dieser Welt ist. Ich kann nur aus meiner Perspektive sagen: Ich war und bin viel bei den Händlern und Partnern und leite technische Workshops. Da sitzt man mit 25 Männern und ist die einzige Frau. Das ist eine spezielle Stimmung, weil sie keine Frau erwarten. Es gibt dann einen kurzen Aha-Moment, aber es ist nicht unangenehm. Ich hatte auch nie das Gefühl, diskriminiert worden zu sein. Unterschiedliche Leute ticken einfach anders, egal ob sich Geschlecht oder Herkunft unterscheiden. Aber ich finde das bereichernd. Ich gehe die Sachen anders an als meine Kollegen und wenn wir die Köpfe zusammenstecken, kommt was Cooles dabei raus.

Was sollte Ihrer Meinung nach getan werden, um mehr weibliche Mitarbeiter in die IT-Branche zu bringen?

Man muss Frauen schon früher für Technologie begeistern. Ich muss beispielsweise gerade in meinem Team Stellen besetzen. Bis jetzt erhalte ich nur Bewerbungen von Männern. Ich möchte mein Team allerdings gerne gemischt aufstellen, weil ich um die Vorteile weiß. Vielleicht auch nochmal hier der Aufruf: Frauen, traut euch! Meiner Meinung nach ist wichtig schon früh anzufangen, Mädchen in diese Richtung zu fördern und sie dafür zu begeistern.

Haben Sie vielleicht einen Tipp für junge Frauen, die sich für eine Karriere in der IT-Branche interessieren?

Das Wichtigste ist: Probier‘s aus! Denk nicht so viel nach, tu es einfach. Das habe ich gelernt, weil ich selbst vor solchen Herausforderungen gestanden bin. Erst denkt man: "Wow, das ist neu. Kriege ich das hin?" Dann habe ich mich hineingestürzt, viel gearbeitet, gelernt und investiert und es hat funktioniert. Wenn man dann auch noch das Glück hat Leute zu treffen, die mit einem gemeinsam ein Ziel erreichen wollen, dann läuft‘s!

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