Interview mit Dean Drako, Barracuda Networks & Wieland Alge, phion

Barracuda: phion-Standort Innsbruck wird ausgebaut

Im Herbst 2009 hat Barracuda Networks die Innsbrucker phion AG übernommen. Dean Drako, President und CEO von Barracuda, und Wieland Alge, Mitbegründer der phion AG, erläutern im MONITOR-Gespräch die aktuelle Unternehmensstrategie.

von: Dominik Troger

Was waren die Motive für den Kauf von phion?

 

„Man muss heute Security-Produkte schlauer machen als noch vor einigen Jahren.” Dean Drako, Barracuda

Drako: phion hat mit seiner Firewall ein extrem gutes Produkt entwickelt, mit dem wir unser Security-Portfolio sehr gut abrunden konnten. Wir bieten jetzt eine Security-Gesamt-Lösung an, die Spam-, Virus-, Anti-Phishing-, Firewall- und weiteres mehr umfasst. Außerdem können wir unsere Position in der DACH-Region verstärken und zwar mit einem lokalen Team. Deshalb wird auch der Standort Innsbruck aufgewertet werden. Die Investments werden erhöht, damit neues Personal für die Entwicklung aufgenommen werden kann. Wir wollen ein "Winning Team" unterstützen und verstärken.

Wie stellt sich die Situation für phion dar?

Alge: Wir sind jetzt mit Barracuda nicht mehr nur auf die DACH-Region und ein bisschen Europa beschränkt. Es steht uns mit einem wesentlich größeren Produkt-Portfolio ein viel größerer Markt zur Verfügung. Das macht mich sehr zuversichtlich. Wir haben in den letzten Monaten auch schon neue Mitarbeiter für Forschung und Entwicklung aufgenommen - und es werden noch mehr.

Im Laufe des Jahres wird der Name auf Barracuda umgestellt. Unsere Sales-Leute sind schon so geschult, dass sie bereits jetzt für die DACH-Region das gesamte Barracuda-Portfolio übernommen haben. Wobei "DACH" die deutschsprachigen Länder plus CEE und Italien umfasst. Unsere Reseller und größeren Endkunden haben bereits begonnen, die Barracuda-Produkte in ihr Portfolio aufzunehmen. Wir gehen ja nicht in ein neues Segment hinein, sondern können auf bestehende Kunden und einen erfahrenen Channel setzen.

Drako: Das Ziel ist es, unsere Produkte erfolgreich in der DACH-Region zu vermarkten und phion-Produkte in den Rest der Welt zu bringen. Die phion-Produkte sind komplex, deshalb müssen zum Beispiel Reseller entsprechend geschult und die Produkte selbst an die Erfordernisse der neuen Märkte angepasst werden.

Wird das Headquarter für Europa in Innsbruck liegen?

Drako: Wir haben noch ein wichtiges Büro in Großbritannien von dem früher die Europageschäfte geleitet wurden. Es ist geplant, dass von dort in Zukunft Großbritannien, Irland und die Benelux-Länder verantwortet werden. Innsbruck soll die Zentrale für den Rest Europas werden.

Es ist unsere Firmenphilosophie, vor Ort mit lokalen Teams tätig zu sein, um letztendlich die Kunden zufriedenzustellen. Es ist für Kunden einfach angenehmer, wenn sie einen Ansprechpartner haben, der ihre Muttersprache spricht. Außerdem sind wir an kurzfristigen Erfolgen nicht interessiert. Wir setzen auf langfristiges und nachhaltiges Wachstum.

Mit welchen künftigen Branchentrends rechnen Sie?

Drako: Wir glauben nicht, dass sich die Security-Branche drastisch verändern wird. Der Markt für gestohlene Daten wird weiter florieren und wachsen, allerdings wird er immer raffinierter werden. Die "Script Kiddies" gibt es nicht mehr. Heute geht es um organisierte Kriminalität oder Personen, die diese nutzen, um Geld zu machen. Oft sind das Leute, die nichts haben - in Ländern, die arm sind, wo viele Leute ohne Karrierechancen leben, aber dennoch viel Know-how und Computerzugang haben.

In vielen Ländern fehlt auch eine entsprechende Gesetzgebung. Sehen Sie da eine Besserung?

Drako: Ich glaube nicht, dass nationale Gesetze funktionieren - es handelt sich um ein globales Problem. Wenn kriminellen Operationen, die gegen US-Unternehmen gerichtet sind, außerhalb der USA durchgeführt werden, ist es bereits sehr schwer, jemanden zu verurteilen. Wir schaffen es nicht einmal, traditionelle Verbrecher auszuliefern, schon gar nicht Cyberkriminelle. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Wir haben in den USA eine Anti-Spam-Gesetzgebung und nach wie vor sind 95 % der E-Mails Spams. Die Barracuda Anti-Spam Firewall verspricht übrigens das Blocken von 99,5 % der Spam-E-Mails.

Wie sehen Sie den Internet-Security-Markt in Zukunft?

Drako: Der Diebstahl von Unternehmensbesitz hat sich fundamental verändert: Früher stahl man physische Dinge, nun kann man alles stehlen, ohne vor Ort zu sein. Wir haben unsere liebe Not damit. Nach wie vor gibt es keine rechtlichen Rahmenbedingungen, um damit umzugehen. Die gesetzlichen Anforderungen ändern sich jährlich

Eine neue Herausforderung betrifft zum Beispiel den Telefon-Markt: Wie speichern wir die Daten? Was sind unternehmensspezifische Daten, was sind private Daten? Was passiert, wenn ein Mitarbeiter kündigt und noch Daten auf seinem Handy hat? Auf jeden Fall wird für den Internet Security Markt ein Wachstum vorhergesagt, er hat sich auch recht stabil durch die Wirtschaftskrise gehantelt.

Wo liegen die technologischen Herausforderungen für ein Security-Unternehmen in den nächsten Jahren?

Drako: Eine der großen Herausforderungen sind die Veränderungen beim Umgang mit Applikationen - einer der Gründe, warum wir uns so über die Integration von phion freuen. Man muss heute die Produkte schlauer machen, Firewalls müssen "applikationsbewusster" agieren. Außerdem muss in Unternehmen festgelegt werden, wer was benutzen darf. Zum Beispiel bei Online Meetings: das Sicherheitssystem, muss wissen, wer Filesharing benützen darf.

 

„Es stehen uns jetzt ein wesentlich größeres Produkt-Portfolio und ein viel größerer Markt zur Verfügung.” Wieland Alge, phion

Alge: Außerdem muss man sich die Frage stellen, wer über diese Richtlinien entscheidet. Man braucht dazu ein extrem ausgefeiltes Management-Rahmenwerk. Deshalb sind es heute nicht nur die Security-Features alleine, die ein Produkt erfolgreich machen.

Wie lauten die wirtschaftlichen Kenndaten von Barracuda Networks?

Drako: Wir geben keine Geschäftszahlen bekannt. Aber wir haben in den letzten fünf Jahren ein konstantes Gesamtjahreswachstum von 35% bis 40 % verzeichnen konnten. Wir haben derzeit weltweit über 700 Mitarbeiter, davon rund 130 in Europa. Wir haben seit 2004 einen positiven Cash Flow und wir haben über 100.000 Kunden.

Was bedeutet der Firmenname?

Drako: Wir wollten einen Namen, der auch visuell in Erinnerung bleibt. Der Barracuda-Fisch ist einer der gescheitesten und schnellsten Fische der Welt, außerdem aggressiv, somit kann er optimal beschützen. Es handelt sich, symbolisch ausgedrückt, um eine Art Wachhund: Alles, was böse ist, soll draußen bleiben.

www.barracudanetworks.com

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