Computerfabrikanten haben in Österreich einfach kein Glück. Dieses Schicksal teilen sie zwar mit anderen ehemaligen europäischen Computermarken, aber dass es wieder so dick kommt, war dann doch etwas überraschend: Die an sich sympathische oberösterreichische Marke Chiligreen, eine Gründung eines ehemaligen Gericom-Mitarbeiters, ist offenbar Geschichte. Nachdem die deutsche Muttergesellschaft Lintec, die das Unternehmen erst kürzlich übernommen hat, in die Pleite geschlittert ist, wird es für Chiligreen aus derzeitiger Sicht wohl auch keine Zukunft mehr geben.
Die Hintergründe sind schnell erklärt: Das atemberaubende Tempo in der PC-Industrie, die von Einkaufspreisen auf Tagesbasis abhängig ist, kann bei einer falsch kalkulierten Lagerhaltung schon schnell einmal zu Zahlungsproblemen führen, ein Grund, warum gerade Dell mit seinem Built-to-order-System so erfolgreich wurde. Ist aber eine Computerfirma nicht gerade mit hohen Eigenmitteln gesegnet - welche ist das schon - können Verbindlichkeiten schneller fällig sein als das Inkasso bei den Kunden abzuwickeln ist - und dazwischen sinkt der Wert der Lagersubstanz im Einklang mit dem unausweichlichen Komponentenpreisverfall und damit die Kreditwürdigkeit. In diesem Teufelskreis bewegen sich Lintec genauso wie Chiligreen und Gericom, sodass das Geschäft letztlich immer wieder knapp am Abgrund vorbeischrammt - oder eben darüber hinaus schlittert.
Nach letzten Meldungen will nun ausgerechnet Gericom die Marke Chiligreen kaufen, eine Idee, die in der Branche nicht so ganz ernst genommen wird. Schließlich bezweifeln Analysten, dass Gericom-Chef Hermann Oberlehner dazu überhaupt finanziell in der Lage ist, bzw. wenn er die Marke um einen symbolischen Euro bekommen würde, sie dann wieder aufpäppeln könnte. Vielmehr wird spekuliert, dass es sich um eine Rachereaktion handelt, da Chiligreen ja eine Gründung des abtrünnigen Gericom-Mitarbeiters Gerhard Wirtl ist.
Andererseits hat Wirtl im Laufe der nun doch schon zehn Jahre währenden Firmengeschichte eine ganze Reihe von Ups und Downs erlebt. Denn schon einmal hatte er sich von einem angeschlagenen deutschen Mutterunternehmen, dem New Economy-Gebilde IPC Archtec, mittels Management Buyout freigemacht. Ob es ihm nun aber wieder gelingt, die Kurve zu kratzen, steht in den Sternen. Schade um die PCs und Notebooks "Made in Oberösterreich" wäre es allemal.



1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 