Was ein Unternehmen der Marke 2.0 tatsächlich ausmacht, darüber sind sich Experten weiter uneins. Fest steht aber eines: Um Web 2.0-Technologien umfassend in das Kerngeschäft sowie die operativen Abläufe im Unternehmen zu integrieren, ist auch eine neue Managementphilosophie gefragt. Diese sollte vor allem Aspekte wie Transparenz, Offenheit und den damit verbundenen kulturellen Wandel in den Mittelpunkt stellen.
Schließlich birgt die Umsetzung der meist dezentral gesteuerten Projekte neben zahlreichen Chancen auch erhebliche Risiken, die etablierte Führungsstrukturen und Handlungsmuster durchaus in Frage stellen. "Um Web 2.0-Technologien richtig umzusetzen, sind nicht die Mitarbeiter zu schulen, sondern eher das mittlere Management", gibt Michael Koch, Professor für Programmierung kooperativer Systeme, von der Fakultät für Informatik an der Universität der Bundeswehr in München zu bedenken.
Doch wie soll das geschehen? Es fehlt an schlüssigen Definitionen, welche Kernelemente den Begriff "IT-Management 2.0" überhaupt ausmachen könnten. Ein großer Nebeldunst liegt über der Community. "Das liegt zu einem guten Teil auch daran, dass die CIOs derzeit mit den Veränderungen noch wenig bis gar nichts anfangen können", gibt MMag. Michael Schuster zu bedenken, Head of Products and Services bei der System One Gesellschaft für technologiegestützte Kommunikationsprozesse m.b.H. in Wien.
Der auf die Entwicklung von neuen Servicekonzepten und Organisationsstrukturen in der IT spezialisierte Dienstleister rechnet damit, dass sich der Trend in Richtung Enterprise 2.0 im kommenden Jahr weiter verstärkt. "Die konzeptionellen Ansätze sind da, jetzt braucht es nur mehr Mut, das auch anzugehen", sagt Schuster.
Welche Aufgaben die IT-Spezialisten in diesem heterogenen Prozess einnehmen, sprich wie sie proprietäre und offene Elemente miteinander verschmelzen, definiert der Experte so: "Leider sehen sich die meisten IT-Leiter und das mittlere Management immer noch als Gatekeeper, wohingegen der neue CIO den Wandlungsprozess mittragen und verankern sollte."
Wie sich der Spagat zwischen konventionellen IT-Tools und neuen dynamischen Elementen auf Basis von Web 2.0-Technologien organisatorisch sowie technisch bewältigen lässt, erläutert der Experte an einem Beispiel. "Technisch gesehen ist dies sogar sehr einfach, da die meisten Tools mittlerweile hinsichtlich Standards und Interfaces eine neue Ebene erreicht haben." So lassen sich heute über XML-HTTP Verbindungen (REST) zahlreiche Problemstellungen lösen.
"Ebenso sind SOAP oder XML-RPC auch schon weit verbreitet", so Schuster weiter. Im Prinzip liefere der Trend zu Serviceorientierten Architekturen eine perfekte technische Basis, weil die Komponenten unabhängiger seien und nur mehr die Interfaces Abhängigkeiten aufwiesen. Für den Experten ist aber auch klar, dass die organisatorische und kulturelle Herausforderung im Unternehmen dadurch weiter zunimmt.
"Es grassiert insbesondere die Angst vor Überforderung, obwohl die meisten MitarbeiterInnen schon längst die genannten Tools verwenden und sie in Zukunft auch stärker im Unternehmen erwarten", bilanziert Michael Schuster. Deshalb sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich derartige Tools im Unternehmen auf breiter Front durchsetzten.




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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 