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25 Jahre MONITOR | Mythen der Vergangenheit

Nichts ist so peinlich wie die Zukunft von gestern

Das papierlose Büro, die klassenlose Gesellschaft durch das Internet und der Triumph des digitalen Handels galten um die Jahrtausendwende als klare Zukunftsprognosen. Ganz so ist es nicht gekommen, doch ein wenig immerhin.

"Ein Mythos hat nur Bestand, wenn er auf zentrale und dringende Frage eines Menschen oder einen ganzen Gesellschaft eine schlüssige Antwort zu bieten hat", meint Ossi Urchs, als Internet-Guru gefeierter Autor, Regisseur und Produzent für zahlreiche TV-Sender in Deutschland und USA und Berater für interaktive Medien. Und das Jahr 2000 war voll von solchen Mythen. Besonders prominent waren dabei seinerzeit die Thesen, dass das Internet und die digitalen Technologien für eine klassenlose Gesellschaft sorgen würden, das Büro bald papierleer machen würden und dass der Handel via Internet bald den stationären Handel ersetzt. Knapp eine Dekade später ist von den ursprünglichen Mythen nicht mehr viel übrig, doch in veränderter und abgewandelter Form sind sie alle Realität geworden.

Mythos papierloses Büro

„Wenn man an eine klassenlose Gesellschaft im Sinne sozialistischer Utopien denkt, wurde diese im Web sicherlich nicht erfüllt.“ - Ossi Urchs, Internet-Guru

"Das zeitraubende Hin- und Hergeschiebe von Papier wird im Büro der Zukunft durch Informations- verarbeitung mit Computer ersetzt", prognostizierte in den 70-er Jahren das renommierte Palo Alto Research Center. Und mit den Möglichkeiten der neuen Technologien New Economy schien man diesem Traum einen gewaltigen näher gekommen zu sein. Doch seit Jahren lugt das papierlose Büro auch weiterhin nur als ewiges Versprechen um die Ecke, denn die Realität sieht anders aus: Die höhere Anzahl elektronischer Geräte führte zu einem deutlichen Anstieg des Papierverbrauchs.

Dies zeigen aktuelle Studien zum Thema Papierverbrauch. So eruierte beispielsweise der Verband der Deutschen Papierindustrie für Österreich einen Pro-Kopf-Verbrauch von Papier, Karton und Pappe von jährlich 255 Kilogramm im Jahr 2004. Schweden verbraucht 253, Deutschland 236, Großbritannien 210, Niederlande 205, Italien 195. Der EU-Durchschnitt liegt bei 152 Kilogramm, die USA verbrauchen 312 kg, Japan 247 und Südkorea 170.

Wie weiter das Forschungsinstituts gfs-zürich herausfand, hat für 71 Prozent der Betriebe aber die Vision des papierlosen Büros nach wie vor eine Bedeutung, für kleinere Betriebe mehr als für größere Firmen. Allerdings sind alle noch ziemlich weit vom Ziel entfernt: europäische Betriebe sehen im Schnitt erst rund ein Drittel des dafür nötigen Wegs zurückgelegt. Am wichtigsten ist diese Vision für den Detailhandel, einen Teil der Dienstleistungsbetriebe und das Gewerbe. Eher unwichtig für den Bau, das Gastgewerbe, aber auch für die Verwaltung und den Finanzsektor.

"Neue Technologien reduzieren die Menge an Papier nicht, sie verlagern nur den Zeitpunkt, zu dem ein Papier ausgedruckt wird", meint deswegen auch Richard Harper von der englischen University of Surrey. Zusammen mit den Hewlett Packard Laboratories in Bristol untersuchte Harper, wann Büroangestellte Papier nutzen und wann sie auf elektronische Informationen zurückgreifen. Sie stellten fest, dass der Einsatz von E-Mail am Arbeitsplatz den Papierverbrauch um 40 Prozent steigert. Wenn man dann den Statistikern glauben kann, nimmt der Papierverbrauch nicht ab, sondern zu.

"Firmen verdoppeln die Anzahl ihrer Dokumente alle zwei Jahre", so die Beobachtung von Philip Carnelly, Analyst beim britischen Marktforschungshaus Ovum. Die Kosten sind dabei kein starker Trumpf für ein papierloses Büro. Beim "papierlosen Büro" spart man zwar theoretisch Arbeitszeit und Papier, gleichzeitig fallen aber Kosten für die Software und die entsprechende Manpower an. Trümpfe sind vielmehr die neuen Möglichkeiten im Bereich des Wissensmanagement und ökologische Überlegungen.

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