Dass Informationstechnologie (IT) heute für Unternehmen selbstverständlich ist, weiß (fast) jeder. Über das Wie und die Umsetzung bzw. den Stellenwert der IT im Unternehmen lässt sich allerdings streiten. Grund genug für Nikolaus Kimla eine Lanze für die IT zu brechen.
Kimla (selbst ursprünglich Evangelischer Theologe!), schaut auf einen reichen Erfahrungsschatz zurück. Er hat 1994 seine eigene IT-Firma, die Uptime Systemlösungen, gegründet. Dass die Unternehmensstrategie und die IT-Strategie immer verschränkt und integriert betrachtet werden müssen, um den Unternehmenserfolg zu sichern, ist für Kimla Voraussetzung für seine zehn Thesen für den Unternehmenserfolg.
Positiv anzurechnen ist dem Autor die Benützung, Aufbereitung und Interpretation aktuellster Quellen und Studien wie z.B. die Studie „Diversifikation – aber richtig“ von Roland Berger-Consulting sowie die Studie von Peter Hajek „Public Opinion Strategies – IT-Kulturen in österreichischen Unternehmen“ (beide aus dem Jahr 2007).
Gelungen ist die optisch gut überschaubare Gliederung der Thesen. Jede neue These steht für sich auf einer blau eingefärbten Seite, auf der auch immer eine große Computer-Maus samt Kabel zu sehen ist. Das Maus-Sujet wird auch bei allen Zwischentiteln als optischer Gliederungspunkt verwendet, die Zwischentitel sind in blau gedruckt. Das Buch ist gut verständlich formuliert und mit seinen 160 Seiten bequem an einem Tag zu lesen. Oder man sucht sich einfach jene Thesen aus, die einem bereits im Inhaltsverzeichnis ins Auge gesprungen sind.
Aha-Erlebnisse bei Thesen
Allerdings muss gesagt werden, dass sich das Buch primär nicht an erfahrene IT-Insider richtet. Thesen wie „Transparenz und Flexibilität garantieren“, „IT als project in progress verstehen“ oder „IT-Verantwortliche wertschätzen“ reizen Leute aus der Branche vermutlich weniger zum Lesen. Der Autor wünscht sich „Entscheidungsträger mit IT-Konnex“, denen das Buch zur Orientierung sowie als Diskussionsstoff dienen soll.
Zwischen den Zeilen kommen aber immer wieder erstaunliche Aha-Erlebnisse zutage. Etwa: Der IT-Consultant werde künftig so wichtig wie der Steuerberater oder der Rechtsanwalt fürs Unternehmen, prognostiziert Kimla. Und auch Kritik: „Die IT-Planung reduziert sich in vielen Unternehmen auf reine Budget-Planung“, heißt es da bei These zwei „IT als project in progress verstehen“. Eine weitere „finanzielle“ These ist Nummer sechs: „In Wachstum investieren“. „IT ist der strategische Enabler für Wachstum“, mahnt Kimla Investitionen quasi ein und gibt Tipps, wann und wie am besten investiert werden sollte.
Frauen und Religion
Enttäuschend ist die inhaltliche Aufbereitung der Frauen-These „Weibliches Potenzial nutzen“. Denn weil der Fachkräftemangel kommt, „ist es umso wichtiger, weibliche Potenziale zu fördern“, schreibt Kimla. „Der IT-Gender-Gap wird schrumpfen“, traut sich Kimla, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Er betrachtet die Frau zunächst als immer kompetenteren IT-User, gesteht aber in der Folge Frauen auch zu, in der IT-Branche zu arbeiten. Immerhin kommt schließlich die klare Botschaft „Die User-generierte Innovation (…) muss von Männern und Frauen forciert werden – und nicht bloß einseitig von einem Geschlecht.“
Seine religiöse Vorgeschichte dürfte den Autor bei der letzten These „Tugendhaft sein“ beeinflusst haben. Er rät den Unternehmen, sich auf die sieben Kardinaltugenden zu besinnen und sie im Business-Alltag „einzubauen“: Die Palette reicht von sapientia (Weisheit) über iustitia (Gerechtigkeit), temperantia (Mäßigung), fortitudo (Tapferkeit) und caritas (Beziehungen fördern) bis hin zu fides (Vetrauen) und spes (Hoffnung).
In die Tiefe geht das Buch nicht, das ist allein aufgrund der Seitenanzahl auch gar nicht möglich. Aber: Der Umfang ist für die Zielgruppe Manager ohne IT-Wissen gut gewählt. Wer sich bis jetzt wenig Gedanken über IT gemacht hat, erhält mit dieser Erstlektüre erstaunlich viel an Orientierung komprimiert geboten.
10 Thesen für Ihren Unternehmenserfolg
Hardcover, ca. 180 Seiten
Preis: 19,95 Euro
ISBN: 978-3-85485-222-3



7/2011
6/2011
5/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 