Wer bis jetzt immer ein schlechtes Gewissen hatte, wenn er vergaß, sein Handy im Flugzeug auszuschalten und fürchtete, damit womöglich den Absturz der Maschine zu riskieren, kann sich jetzt gefoppt fühlen: Technisch waren Handys im Flugzeug immer weitaus weniger gefährlich, als es die Airlines behaupteten. Störungen der Bordelektronik kommen mit modernen Modellen schon gar nicht mehr vor.
Ein Grund, warum die EU nun den Airlines erlaubt, mobile Telefonie während des Fluges zuzulassen. Einschränkung: Nicht während Start oder Landung, und erst ab 3000 Metern Flughöhe.
Für die Handyanbieter tut sich hier ein schönes Geschäftsmodell auf: Die GSM-Signale aus dem Flugzeug werden nämlich über Satellit vermittelt und dann über Bodenstationen auf der Erde weiter geleitet, und hier können die Netzbetreiber die ganze Phantasie ihrer Roamingpreise spielen lassen. Denn billig wird die Nutzung des Handys an Bord sicher nicht werden.
Doch ist es wirklich so, dass man unbedingt während einer Flugreise telefonieren muss? Bis jetzt ging es ja auch ohne. Auch vielbeschäftigte Businessreisende haben sich in der Rhythmik ihrer Transatlantik- oder Asienflüge damit angefreundet, dass ein Langstreckenflug in der Business Class eine ideale Möglichkeit zum Ausspannen oder zur ruhigen Vorbereitung auf wichtige Geschäftstermine ist. Heilloses Geklingel an Bord würde da nur stören. Wenn es wirklich darum geht, wichtige Nachrichten auszutauschen, kann ja auch Inflight-Internet und E-Mail an Bord genutzt werden, was große Linien mittlerweile anbieten.
Dass aber gerade auf einem so kleinen Raum wie einer Flugzeugkabine plötzlich jeder angerufen werden oder selbst den Lieben daheim wichtige oder weniger wichtige Nachrichten übermitteln kann, ist spätestens seit der Erfahrung mit Handy-Maniacs in der U-Bahn dem Grunde nach problematisch. Aus der U-Bahn kann man allerdings aussteigen oder sich einen anderen Platz suchen, im Flieger ist das leider nicht möglich.
Die Austrian Airlines haben nicht zuletzt deswegen vor, das Handy-Service auf ihren Flügen nicht anzubieten, die Lufthansa übrigens auch nicht, da "das Ruhebedürfnis der Passagiere" Vorrang habe. Anders zum Beispiel bei Air France oder Emirates: Dort kann nun ins Handy gelabert werden, was das Zeug hält.



1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 