Das Wort "Internet" setzt sich aus zwei Teilen zusammen: aus "inter" (lateinisch für "zwischen") und "net", der Abkürzung für "networking" (englisch für "vernetzen"). Rein technisch ausgedrückt steht das "Internet" deshalb für die Vernetzung zwischen Computernetzen. Das Internet ist also oberflächlich gesehen "nur" ein computerbasiertes Technologienetzwerk.
Aber es ist weit mehr als das: In dem scheinbar harmlos daher kommenden Begriff Networking verbarg sich bereits zu Beginn die ungeheure soziale Sprengkraft eines Mediums, das bis heute die Befürworter und Kritiker nicht verstummen lässt. Etwas Martialisches hatte die Innovation von Anfang an. Schließlich ging das Vorhaben, zumindest darüber sind sich die Chronisten einig, aus dem 1969 entstandenen Arpanet hervor, einem Projekt der im US-Verteidigungsministerium angesiedelten Advanced Research Project Agency (ARPA).
Arpanet diente zur Vernetzung von Universitäten und Forschungseinrichtungen. Ziel des Projekts war es zunächst, die knappen Rechenkapazitäten sinnvoll zu nutzen, erst in den USA, später weltweit. Die anfängliche Verbreitung des Internets ist eng mit der Entwicklung des Betriebssystems Unix verbunden. Nachdem das Arpanet 1982 das erste Internetprotokoll TCP/IP adaptierte, begann sich auch der Name Internet allmählich durchzusetzen.
Nach allgemeiner Lesart von Experten und der damit verbundenen Legendenbildung bestand das ursprüngliche Ziel des Projektes vor dem Hintergrund des Kalten Krieges in der Schaffung eines verteilten Kommunikationssystems, um im Falle eines Atomkrieges eine störungsfreie Kommunikation zu ermöglichen. Glücklicherweise legte das Internet bald schon seinen kriegerischen Beigeschmack ab. Gleichwohl verleihen heute Begriffe wie "Cyberwar" und "Cybercrime" der dunklen Seite der organisierten Kriminalität bis hin zum Terrorismus wieder Auftrieb.
Historie durch militärische Forschungsgelder geprägt
In der Pionierphase wurden hingegen vorwiegend zivile und vor allem wissenschaftliche Projekte gefördert, auch wenn die ersten Knoten von der ARPA finanziert wurden. Die wichtigste Applikation in den Anfängen war die E-Mail. Bereits 1971 überstieg das Gesamtvolumen des elektronischen Mailverkehrs das Datenvolumen, das über die anderen Protokolle des Arpanet, das Telnet und FTP abgewickelt wurde.Das world wide web (www) in seiner heutigen Grundstruktur wurde im Jahr 1989 im CERN bei Genf von Tim Berners-Lee entwickelt. Rasanten Auftrieb erhielt das Internet allerdings erst seit 1993, als der erste grafikfähige Webbrowser namens Mosaic veröffentlicht und zum kostenlosen Download angeboten wurde. Schließlich konnten auch Laien auf das Netz zugreifen, was mit der wachsenden Zahl von Nutzern zu vielen kommerziellen Angeboten im Netz führte.
Der Webbrowser wird deswegen auch als die "Killerapplikation" im Internet bezeichnet. Immer mehr machte der Begriff der "digitalen Revolutio"n die Runde. Die Benutzerzahl stieg stark an. 1991 führte Tim Berners-Lee vom europäischen Kernforschungszentrum CERN im Internet ein Hypertextsystem ein. Mosaic ermöglichte es zudem, eine einfach zu bedienende Benutzeroberfläche zu gestalten.
Damit wurden von nun an die digitalen Netzwerk-Dokumente auf unkomplizierte Weise zugänglich. Bereits 1992 war die technische Internetausstattung auf 700.000 Server herangewachsen. Ein Jahr später hatte sich die Anzahl der am Internet angeschlossenen Computer mit 1,8 Millionen mehr als verdoppelt. Nutzten bis Mitte der 90er Jahre vorwiegend universitäre Einrichtungen das Netz, so rückten jetzt der Privatanwender und damit verbunden kommerzielle Interessen in den Vordergrund.
Namhafte Zeitungen kamen auf die Idee, einen Teil ihrer Printausgaben online zu stellen. Die ersten Online-Shops wurden geboren, allen voran Online-Buchhändler Amazon.com. Wenige Jahre später machte die Auktionsplattform eBay weltweit Furure. Durch die Erschließung der globalen Konsumentenwelt kam die Frage nach der Sicherheit von Daten im Internet auf.
Denn die normale Datenübertragung war nicht abhörsicher, also mussten Verschlüsselungstechniken her. Bis heute jedoch gibt es kein Allheilmittel gegen die über digitale Mechanismen verbreitete Schadsoftware. Trotzdem träumt seit 1995 die ganze Welt den etwas naiven Traum vom "Cyberspace", vom unbegrenzten und freien "Surfen", oder gar von der "Welt im Netz".
Heute gibt es weltweit mehrere Milliarden Internetnutzer. Allerdings machen immer noch viele Nutzer im alltäglichen Sprachgebrauch den Fehler, "das Internet" mit dem world wide web gleichzusetzen. Dabei deckt dieses nur einen Bruchteil der sichtbaren Oberfläche ab. Mit E-Mail, FTP, Telnet und Usenet (Newsgroups) stehen weitere Dienste bereit, die bis in die tiefen Kanäle des dunklen Untergrunds hin ein reichen.





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Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 