Newsfeed abonnieren
Kommunikation

Konvergenz

Schlüsselfaktor der Telekom-Branche

Der Wunsch nach Konvergenz (lat. "Zusammenstreben") ist uralt und gerade in der heutigen Telekom-Zeit verständlich: Ein Produkt oder Service soll "alle Stückln" spielen können. Übersetzt auf moderne Telekom-Zeiten des 21. Jahrhunderts: Den Menschen ist die Technologie (Festnetz oder Mobilfunk) egal - es geht darum, überall Telefon und Internet möglichst kostengünstig nutzen zu können. Die Lösung sind konvergente Produkte, die jetzt immer mehr auf den Markt kommen.

Wir kennen das von zu Hause: Inzwischen haben sich zum klassischen Festnetz-Telefonanschluss natürlich auch ein oder mehrere Handys sowie ein Breitband-Internet-Anschluss (ADSL oder Kabel) zugesellt, jüngst ergänzt um einen mobilen Breitband-Anschluss in Form einer mobilen Datenkarte für den Laptop. Aber eigentlich ist das lästig: Denn warum gibt es nicht eine gemeinsame Lösung, die alles kann, das heißt, unter einer Telefonnummer (Festnetz und/oder Mobilfunk) telefonieren und einen Internetzugang (ADSL und/oder mobiles Breitband) nutzen? In Ansätzen ist dieser Gedanke bereits Realität. Bis zur vollendeten, perfekten Lösung wird es noch dauern, die wird erst mit der Realisierung des Next Generation Networks, kurz NGN, (vgl. MONITOR 04/2008) möglich werden.

Aber der Trend zur Netzkonvergenz ist wie gesagt schon absehbar: Die starre Zuordnung von bestimmten Diensten zu bestimmten Netzen - TV zum Fernsehnetz, mobiles Telefonieren zum Mobilfunknetz und Abruf von Interndetdiensten mittels PC zum Internet - ist bereits aufgebrochen. Künftig werden unterschiedliche Dienste über ein Netz angeboten, damit geht die Entwicklung von multifunktionalen Endgeräten einher (Endgerätekonvergenz).

Was es bereits in der Realität gibt, sind Produkt-Bundles: Wie z. B. das erst dieser Tage wieder neu herausgekommene Kombi-Paket der Telekom Austria, das Internet, Festnetztelefonie und Mobiltelefonie zu einem Gesamtpreis bietet - oder als "Aon-Super-Kombi" auch noch Fernsehen inkludiert. Womit die dritte Größe - die Massenmedien - auch mit ins Konvergenz-Spiel eingebracht werden. Marktverfolger Tele2 hat mit der "Complete"-Reihe ganz ähnliches im Schilde - dies alles sind allerdings Produkte, die sich hauptsächlich an den Privat- und maximal SoHo-Markt (Small Office, Home Office) wenden.

Im Business-Sektor ist Konvergenz schon seit Jahren eine nachgefragte Selbstverständlichkeit. Aber Achtung: Der Begriff Konvergenz deckt einige unterschiedliche Dinge ab:

  • Konvergenz in Richtung All-over-IP.
  • Konvergenz in punkto Festnetz-Mobilfunk-Integration.
  • Konvergenz der Dienste allgemein - Produkt-Bündel bzw. eine Gesamt-Telekom-Lösung für das Unternehmen.
  • Konvergenz als Zusammenwachsen von Informationstechnologie und Telekommunikation.

Fest steht: Konvergenz - wie auch immer definiert - bleibt auch weiterhin einer der Schlüsselbegriffe auf dem Telekommunikationssektor. Das geht aus der Studie "TMT Trends 2007" des Beratungshauses Deloitte hervor, wobei in Technologie, Medien und Telekommunikation auch Benutzerfreundlichkeit als Trend geortet wird. "Aber vor allem schreitet die Verschmelzung der drei klassischen Sektoren in großen Schritten voran - Konvergenz ist und bleibt weiterhin das Motto der TMT-Branche", sagt Deloitte-Berater Andreas Gentner.

Kleine schauen auf den Preis

„Der Wunsch nach Konvergenz geht Hand in Hand mit dem Wunsch nach Auslagerung bestimmter Bereiche“. - Hannes Ametsreiter, Vorstand Marketing, Telekom Austria AG und mobilkom

Man müsse auf alle Fälle zwischen technischer (konvergente Infrastruktur, Gesamtlösung basierend auf einem IP-Netz für Sprache und Daten) und kommerzieller (produktbezogener) Konvergenz unterscheiden. "Bei großen Kunden ist das Thema Konvergenz schon seit Jahren auf der Tagesordnung. Hier wird immer nach einer Gesamtlösung gesucht", betont Karim Taga, langjähriger Telekom-Experte der Unternehmensberatung Arthur D. Little (ADL). "Kleinunternehmen schauen nicht auf eine konvergente Lösung, sie gehen meist nach dem Preis und haben ihre Produkte meist dann bei unterschiedlichen Anbietern", hebt Taga den Unterschied hervor.

Es gebe allerdings in Österreich nur zwei große Netz-Anbiete,r die tatsächlich umfassende konvergente Lösungen am Markt aus eigener Kraft anbieten können: Die Telekom Austria Gruppe sowie T-Mobile/T-Systems. Tele2 und UPC fehlt der Mobilfunk-Bereich. Ihnen bleibt nichts über, als mit Kooperationen mit einem Mobilfunkanbieter das verlorene Terrain wettzumachen. Hier hat z.B. Tele2 mit One schon vor einigen Jahren mit einer IP-VPN-Lösung aufhorchen lassen, die derzeit allerdings "nicht aktiv forciert wird", wie Tele2-Sprecher Jörg Wollmann betont.

UPC hat noch eine Kooperation bei Hosted Exchange mit T-Mobile laufen (im Privatbereich wird seit Jahren wiederum mit ONE kooperiert), "Ende Juni/Anfang Juli wird es eine neue Kooperation im Bereich Mobilfunk für Datenlösungen geben", kündigt Thomas Helfert, Leiter Businesskunden bei UPC, an. Vice versa sind die zwei kleinen Mobilfunkanbieter gezwungen, mit den klassischen alteingesessenen Festnetzanbietern Kooperationen einzugehen, denn diesen gehört bis dato der Business-Access-Markt. "Hier zeichnet sich ein weiterer Trend ab: Die Zusammenführung von Unternehmen wird weiter stattfinden", prognostiziert Taga eine weitere Konsolidierung der österreichischen Telekom-Landschaft. "Längerfristig sei auch eine pan-europäische Konsolidierung zu erwarten d.h. größere Operatoren werden Incumbents kleinerer Länder aufkaufen. Alternative wäre eine nationale "Access-Spezialisierung", heißt es in der im März publizierten ADL-Studie über den Telekom-Sektor in Europa, die weiters eindeutig feststellt: "Trotz der sich abzeichnenden "All-Mobile-Welt": Das Festnetz ist nicht tot, denn die Mobilfunknetze können nicht die gleiche Performance zu den gleichen Kosten wie die klassischen Festnetze erbringen. Die Konsequenz ist, dass die mobilen Endgeräte künftig mithilfe von Festnetz-Infrastruktur betrieben werden", heißt es in der Studie. Treiber dieser Entwicklung ist das derzeit boomende Mobile Breitband, das die Festnetz-Mobilfunk-Integration beflügelt.

Ein weiterer Trend darf nicht unbeachtet bleiben: Die Sprachübertragung rangiert volumens- und umsatzmäßig weit abgeschlagen, was jetzt und künftig immer mehr zählt ist das Geschäft mit den Daten - das ist auch allen Anbietern klar. Da niemand gerne Kunden verliert, müssen die Anbieter gezwungenermaßen auf Konvergenz, verbunden mit entsprechenden Kooperationen, setzen.

Seite: 1
1
weitersagen: drucken
Termine

18. Juni - 22. Juni

In ganz Österreich

SAP Mittelstandstage

Print-Archiv
Folgen Sie uns
Leser empfehlen
MONITOR-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

E-Mail:
Die von Ihnen angegebene E-Mail Adresse wird von MONITOR Online weder an Dritte weitergegeben noch zu anderen Zwecken verwendet.
MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

Die neuesten Artikel:

© Copyright 1983-2012 by MONITOR / Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG (www.bohmann.at)

Add to Google  | Abo | Themenvorschau | Mediadaten | Inserate buchen | Kontakt | Impressum