Jetzt bekommen beide Seiten, wonach sie verlangen. Die neuen Lösungen der Desktop-Virtualisierung sollen es Benutzern und Administratoren gleichermaßen recht machen. Sie versprechen tadellose Performance, geringere TCO, verstärkte Sicherheit und Management-Tools, die die Verwaltung klassischer PC-Fuhrparks alt aussehen lassen. Es gibt platzsparende Clients in der Größe eines unbefüllten Rolodex, die USB unterstützen und dem User das Ambiente eines "echten" Rechners suggerieren. Es gibt Desktops, die auf einem USB-Stick Platz finden und Software-Lösungen, die, obwohl nur eine Handvoll Megabytes groß, einen ganze Palette an Betriebssystemen virtualisieren.
Desktop-Virtualisierung boomt. Keine zwei Wochen vergehen, ohne den Markteintritt eines neuen Startups, das sich dem Thema verschreibt. Die Großen picken sich inzwischen die Rosinen aus dem Kuchen und kaufen ein, was dem eigenen Portfolio noch fehlt. Der Trend, den EMC bereits Ende 2003 mit dem Einkauf von VMware begann, setzten unter anderem Sun, Symantec und Citrix in der jüngeren Vergangenheit mit den Akquisitionen von innotek, AppStream und XenSource fort. VMware baute seine prominente Marktstellung indes mit den Übernahmen von Thinstall und Foedus aus.
Aufgefettete Portfolios
Microsoft beging den Jahreswechsel mit der Übernahme von Calista Technologies. Die Lösungen von Calista zielen auf die nach Angaben des Unternehmens zwei größten Barrieren der Desktop-Virtualisierung: Benutzererlebnis und Kosten pro User. Benutzer sollen bei Calista daher ein vollwertiges Windows-Erlebnis auf den Bildschirm geliefert bekommen, 3D-Grafiken inklusive. Weil die Software besonders viele User auf den Virtual Desktop Server packen kann, sinken unterm Strich die Kosten je Arbeitsplatz. Mitte März legte Microsoft mit dem Kauf von Kidaro nach. Die Lösung der Firma ermöglicht es, Software auf verschienen PCs zu nutzen, ohne diese dort zu installieren. Die Applikation soll in das "Microsoft Desktop Optimization Pack for Software Assurance" einfließen und Kunden die Migration in Richtung Windows Vista erleichtern.Mitbewerber Sun verleibte sich im Februar die deutsche Firma innotek ein, Hersteller der Virtuellen Maschine "VirtualBox", die sich mit 32- und 64-Bit-Systemen der Plattformen Windows, Linux und Macintosh verträgt. Im Vergleich zu Übernahmen wie jener von Storagetek, die Sun vier Milliarden Dollar kostete, ist innotek ein kleiner Fisch, doch Experten schreiben dem Schritt einige Bedeutung zu. VirtualBox ermöglicht es auf Desktops und Notebooks mehrere Betriebssysteme gleichzeitig zu betreiben. Das System ist in zwei Varianten erhältlich: Unter einer proprietären sowie der GNU General Public License. Entsprechend steht die kompakte Software - der Download ist gerade einmal 20 MB groß - bei Open Source-Entwicklern hoch im Kurs und fügt sich damit auch nahtlos in Suns Portfolio ein.
Verbesserte Positionierung
VMware startete unterdessen mit dem Kauf von Thinstall ins neue Jahr. Das Streaming-Programm der Firma lässt Windows-Rechner Applikationen ohne vorherige Installation betreiben. Die dazu gehörige Rechnung für IT-Manager: Je mehr Applikationen in Thinstall verpackt werden, desto weniger müssen im Windows Disk Image untergebracht sein. Etwa zur selben Zeit holte sich VMware ein kleines Unternehmens aus New Hamphire an Bord, das sich auf Management-Software virtualisierter Desktops und Server spezialisiert. Neben Anwendungen bietet die 30 Mann hohe Foedus auch Consulting an. Beide Akquisitionen sollen die Marktabdeckung von VMware vergrößern und verdeutlichen zudem die steigende Bedeutung des Desktop-Virtualisierungsmarktes.
Für VMwares "Virtual Desktop" und Microsofts "Terminal Services" ist die Lösung des US-Unternehmen Provision Network konzipiert, das im letzten Jahr von der kalifornischen Quest Software gekauft wurde. "Provision Networks Virtual Access Suite" gilt als ausgefeilte Lösung, um Anwendungen und die Verteilung von Desktop-Images zu konsolidieren. Das Unternehmen entstand ursprünglich als Spinoff von Emergent OnLine mit dem Ziel eine Citrix-ähnliche Lösung für den KMU-Bereich zu anzubieten.
Mit der Akquisition seines OEM-Partners AppStream rüstet sich auch Symantec für den Desktop-Virtualisierungsmarkt. Die Application Streaming-Software des Unternehmens überträgt virtuelle Images in Richtung PC und lässt sich außerdem für License Management verwenden. Das Programm findet bereits jetzt in Symantecs Software "Virtualization Solution Pro" Eingang. Das System funktioniert unabhängig, fügt sich auf Wunsch aber auch in VMware- und Citrix XenSource-Umgebungen.
Citrix selbst hat die weltweite Verfügbarkeit seiner Desktop Delivery-Lösung XenDesktop für Ende Mai 2008 angekündigt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Technologien für die Virtual Desktop Infrastruktur verspricht Citrix ein umfassendes End-to-End Desktop Delivery-System, um Windows-Desktops im Rechenzentrum zu virtualisieren und Nutzern on-demand an jedem beliebigen Standort bereitzustellen.





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Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 