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Thema: Infrastruktur

Desktop-Virtualisierung

Die vielen Gesichter eines PCs

Betriebssysteme, losgelöst von der Hardware, Applikationen, sicher gegen Unbill abgeschottet, eine Total-Cost-of-Ownership-Kalkulation, die straffe Budgets entspannt: Desktop-Virtualisierung eröffnet eine Reihe neuer Möglichkeiten.

Ein Thin Client zur schicken Metallbox abgespeckt: Die Hardware-Lösung von Pano Logic.

Dass IT-Leiter Einkehr mit ihrer Infrastruktur halten und versuchen aus Hardware das Äußerste herauszuholen, dafür braucht es keine schlechten Zeiten mehr. Optimierung scheint inzwischen in alle Ritzen der Infrastruktur vorgedrungen, ungenutzte Kapazitäten dürfte es folglich laut Lehrbuch keine mehr geben. Doch weit gefehlt. So demonstrierten zuletzt Lösungen zur Server-Virtualisierung, welch Potenzial bei den teuren Rechnern noch brach lag.

Mit dem Betrieb mehrerer von einander getrennter Server auf derselben Hardware lässt es sich konsolidieren und eine ganze Palette an Kosten einsparen. Unternehmen begannen daher auszuloten, wie weit man die Anzahl virtueller Maschinen erhöhen kann, ohne dabei die Service Levels für Applikationen zu gefährden. Und die Tüftelei lohnte. Server-Virtualisierung gelang zur veritablen Erfolgsgeschichte - fürs Budget und die Performance.

Weniger ruhmreich ist die Geschichte der Desktop Virtualisierung. Diese hinkt jener für Server zwei Jahre hinterher. So befand etwa Gartner-Vice President und Fellow Brian Gammage Ende 2007, dass Desktop-Virtualisierung noch nicht reif sei für den Mainstream-Einsatz. Gleichzeitig rieten die Marktforscher ihren Kunden beim Einkauf von Software-Lizenzen auf deren "Virtualisierungsfreundlichkeit" - sprich deren Kosten für den Einsatz in virtuellen Umgebungen zu achten.

Knapp ein halbes Jahr später nennt Gartner nun Virtualisierung, jene am Desktop eingeschlossen, als wichtigsten Trend, um die Veränderung der Infrastruktur voranzutreiben: "Virtualisierung wird verändern, wie IT gemanagt, was gekauft, wie die Software verteilt wird, zudem wie Unternehmen planen und was sie bezahlen", heißt es in einem aktuellen Report zum Thema. Der Desktop- oder PC-Virtualisierung steht ein Senkrechtstart bevor. Demnach soll die Zahl virtualisierter PCs von weniger als fünf Millionen im letzten Jahr bis 2011 auf 660 Millionen steigen.

Das Interesse für Desktop-Virtualisierung wird auch anhand der Übernahmen der letzten Zeit deutlich: die Großen der Branche sind auf Einkaufstour. Den bis dato größten Coup landete EMC mit der Übernahme von VMware, Citrix kaufte im Herbst 2007 XenSource ein, zuletzt bestätigte Microsoft die Akquisition von Kidaro.

Altes neu gemacht

Das Gros der Kosten im Zusammenhang mit Desktop-Computern wird nicht notwendigerweise bei ihrer Anschaffung fällig. Bis zu 80% der Ausgaben erwachsen im Laufe eines Computerlebens für Betrieb und Support. Trotz vergleichsweise moderater PC-Preise gilt es daher den Total Costs of Ownership (TCO) zu reduzieren. Und hier kommt Virtualisierung ins Spiel. Schätzungen zufolge lassen sich durch die Technologie bei hochwertigen Workstations jährlich bis zu 50% der Kosten einsparen, bei einfachen PCs sind es immerhin noch an die 10%.

Das Thema Desktop-Virtualisierung existiert in unterschiedlichen Ausprägungen seit rund zwanzig Jahren. Doch Konzepte wie jene der Thin Clients konnten sich nur unzureichend durchsetzen. So war nicht jede Software für die so genannten Multi User Terminal Services erhältlich. Hinzu kamen Unzulänglichkeiten in der Performance sowie die fehlende Möglichkeit zur Personalisierung.

Die neue Freiheit

Geht es nach den Versprechen der Industrie, wird nun alles anders. Die neuen Lösungen haben mit den anfänglichen Terminal Services nicht mehr viel gemein. Desktop-Virtualisierung bedeutet heute zumeist, dass ein virtuelles Images des Computers vom Server geladen, jedoch am eigenen PC ausgeführt wird. Der Benutzer loggt sich dabei gewöhnlich über eine virtuelle Maschine, beispielsweise eine Applikation von Anbietern wie VMware ein.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Das System ist stets am aktuellen Stand hinsichtlich Updates, IT-Verantwortliche können sich über mehr Flexibilität bei der Verteilung freuen und schließlich lässt sich durch die virtuelle Maschine eine zusätzliche Sicherheitszone im System schaffen. Performance-Mängel kommen seltener vor, weil die Programme vom eigenen Rechner ausgeführt werden und nicht wie bei Terminal-Systemen jeder Mausklick übers Netzwerk geschickt wird.

Desktop-Virtualisierung bedeutet auch, ein oder mehrere Betriebssysteme samt Applikationen auf einem einzigen Rechner zusammenlaufen zu lassen. So öffnen etwa zahlreiche Apple-Benutzer über eine Software der Hersteller Parallels oder VMware Windows in einem einfachen Programmfenster Windows. Virtualisierung am Desktop findet demnach auf zwei Ebenen statt: zwischen Hardware und Betriebssystem und zwischen Betriebssystem und Anwendungen.

Laut Gartner gewinnt die Applikationsvirtualisierung zwar an Bedeutung, dennoch wird der Virtualisierung von Betriebssystemen langfristig größere Bedeutung zugeschrieben, zumal diese mehrere, von einander unabhängige Systeme auf einem Rechner ermöglicht. Dies eröffnet insbesondere im Bereich von Betriebssystemen neue Perspektiven: "Im Wesentlichen ist Virtualisierung eine Schicksalsentscheidung für Betriebssysteme", erläutert Thomas Bittman, Vice President und Analyst bei Gartner. Traditionell sei das Betriebssystem der Schwerpunkt des Client- und Server Computing gewesen, neue Technologien und die Virtualisierung der Infrastruktur würden nicht nur die Architektur, sondern auch die Rolle des Betriebssystems verändern. "Die Tage monolithischer Allzweckbetriebssysteme sind bald vorüber", zeigt sich Bittman überzeugt.

Alle Schotten dicht

Anwendungsvirtualisierung hingegen spielt ihre Stärken im Bereich Sicherheit aus, vor allem wenn es darum geht, sensible Software vom Rest des Betriebssystems abzutrennen. Wird etwa ein Notebook gestohlen, bleiben die besagte Applikation samt dazu gehörigen Daten innerhalb des virtuell betriebenen Systems als verschlüsselter Teil der Festplatte nur schwer zugänglich. Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Verschlüsselungen liegt vor allem in der Performance, da diese durch ihren systemweiten Einsatz die Rechnerleistung verringern. Durch Virtualisierung lässt sich Verschlüsselung gezielt in einzelnen Bereichen einsetzen: Die verstärkte Sicherheit kommt nur dort zum Einsatz, wo sie wirklich benötigt wird.

Schließlich ist Applikationsvirtualisierung auch eine sinnvolle Möglichkeit, um Netzwerke von Kunden, Partnern oder Mitarbeitern, die sich remote einloggen, zu sichern. Die virtuelle Maschine fungiert dabei als eine Art entmilitarisierte Zone, in der nur ganz bestimmte Operationen und Zugriffe erlaubt sind.

Seinen Kunden gibt Gartner-Mann Bittmann einen Ratschlag für die mittelfristige Strategieplanung mit auf den Weg: "Stimmen Sie die Virtualisierungsstrategie mit ihrem Business ab, vermeiden sie Hypes von Herstellern und achten Sie besonders auf die Kosten- und Lizenzpolitik bei Software", so Bittman, der noch anfügt: "Seien Sie bereit zu experimentieren und gehen Sie auf Nummer sicher, dass Sie der Wissenschafler sind und nicht das Versuchsobjekt."

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MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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