Frauen lehnen IT-Branche ab
"Die Branche ist zu wenig sexy, insbesondere auch für Frauen. Wir haben dazu eine Studie mit Studentinnen gemacht. Und da war die Aussage einer jungen Studienabbrecherin: Ja, die Technik ist die Zukunft, aber nicht meine", berichtete Gabriele Kotsis. "Dabei haben wir an der Uni Linz einen sehr hohen Frauenanteil in der Technik, weil Biotechnologie sich zum Renner bei den Frauen entwickelt hat. Das liegt sicher auch an den vermittelten Rollenbildern z.B. aus den Medien und Fernsehen, wo es coole TV-Serien gibt, wie CSI, wo Frauen im Labor herumstehen und tolle Forschungsarbeit leisten. Wo gibt es das in der IT? Das haben wir nicht."
Um das Dilemma zu lösen, müsse man daran arbeiten, positiv besetzte Rollenvorbilder zu schaffen und attraktive Karrieren zu zeigen, schlug Kotsis vor. "Man sollte vielleicht versuchen, die Technik etwas weiblicher zu vermarkten", ergänzte Christian Malus von der FH des bfi.
Wege in die Zukunft
"In Österreich würde es viel bringen, wenn wir zu wesentlichen Themen Fachschwerpunkte an den einzelnen Bildungseinrichtungen einrichten würden, vielleicht auch Themen-Competence-Center. Wir brauchen da auch eine bessere Koordination, das würde viel bringen, um den Forschungsstandort Österreich voranzubringen", brachte Wolfgang Gmeinbauer abschließend das Problemfeld Forschungsnachwuchs zur Sprache.
"Die Informatik per se ist nicht mehr so spannend", fasste Erich Schikuta von der Uni Wien zusammen. Die Kunst in Zukunft werde es sein, mit einem spannenden Ausbildungsprogramm und einem harmonischen Agieren zwischen Lehrenden und Lernenden wieder attraktiv zu werden. Um dem drohenden Fachkräftemangel zu entgehen, werde bei der Telekom Austria vermehrt auf Lehrlingsausbildung gesetzt, berichtete Bernd Lauer. "Über ein Drittel unserer Lehrlinge ist mittlerweile weiblich, das heißt auch Frauen nehmen das Angebot an, wenn es entsprechend sexy verpackt ist", schloss Lauer.
Es geht darum für die IKT-Branche langfristig verbesserte Image-Werte zu schaffen, da sei auch die Politik verpflichtet, nicht nur Lippenbekenntnisse abzugeben, forderte Werner Fritz von der FH Joanneum. Auch im Sekundarschulbereich sollte die naturwissenschaftliche Ausbildung bereits gepusht werden. "Es ist sicher eine Holschuld der Wirtschaft", gab sich Wolfgang Gmeinbauer selbstkritisch, Unternehmen müssten frühzeitig beginnen, vermehrt mit den FHs und Unis zusammenzuarbeiten, um dem drohenden Fachkräftemangel vorzubeugen.
"Wir wünschen uns eine stärkere Vernetzung zwischen Unis und FHs und der Wirtschaft", meinte Thomas Schöpf. "Unser Hauptziel ist: Wir müssen in die Schulen gehen, weil wir brauchen dringend die jungen Leute", betonte Heinz Dobler. "Wir wollen, dass die Leute studieren können, wann und wo sie wollen, das heißt, wir werden auch in die Fernlehre gehen, denn man muss das wenige Potential, das es gibt, nutzen", sagte Helmut Gollner. "In Zukunft müssen die Studien lebensbegleitendes Lernen werden. Neben der fachlichen Qualifikation wird es auch eine neue Form des Lernens geben", hatte Gabriele Kotsis visionäre Schlussworte parat.
FH-Prof. DI Thomas Fischer, Lehrender an den Studiengängen "Informationstechnologien und Telekommunikation" sowie "Angewandte Elektronik", FH Campus Wien
FH-Prof. DI Werner Fritz, Studiengangsleiter "Informationsmanagement", FH Joanneum
DI Wolfgang Gmeinbauer, Leiter Geschäftsfeld BEKO Informatik
FH-Prof. Helmut Gollner, Studiengangs- und Fachbereichsleiter Wirtschaftsinformatik FH Technikum Wien
Prok. Ing. Mag. Dr. Walter L. Hanus, CEO von IVM
Univ.-Prof. Dr. Gabriele Kotsis, Vizerektorin für Forschung Universität Linz, Leitung Institut für Telecooperation
Bernd Lauer, Head of Human Resource Competence Center, Telekom Austria
Mag. Christian Malus, Studiengangsleiter "Projektmanagement und Informationstechnik", FH des bfi Wien
Ao. Univ.-Prof. DI Dr. Erich Schikuta, Vizedekan der Fakultät für Informatik, Universität Wien
Ing. Mag. Thomas Schöpf, Mitglied des Vorstandes Kapsch CarrierCom
Gast: Mag. Hans Georg Mayer, Leiter Marketing & Communications Kapsch CarrierCom
Moderation:
Dr. Christine Wahlmüller
Fotograf:
Alle Bilder: Rudi Handl/Timeline
Rudi Handl
Ort der Diskussion:
FH Technikum Wien, Höchstädtplatz 5, 1200 Wien




1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 