Österreich bietet Top-Gehälter
"In unserer Branche werden sehr hohe Gehälter gezahlt, oft auch schon an Berufspraktikanten", wies Heinz Dobler von der FH Hagenberg auf die sehr gute Bezahlung hin. Früher hat fast jeder zweite FH-Student im Ausland sein Praktikum absolviert. "Heute ist es schwierig geworden, die Studenten für Auslandspraktika zu motivieren, weil die Leute in Österreich für Berufspraktika schon so gut bezahlt bekommen", bedauerte Dobler.
"Wenn Leute von KMUs kommen, sehen wir, dass oft weit über den international üblichen Gehalts-Benchmarks gezahlt wird", berichtete Personalmanager Bernd Lauer von der Telekom Austria über seine Erfahrungen. "Viele FH-Absolventen werden aber auch sehr frühzeitig dazu gezwungen Management-Funktion zu übernehmen", betonte Werner Fritz von der FH Joanneum. Damit klettern die Gehälter automatisch sehr rasch in die Höhe. Oft werden die (billigeren) FH-Absolventen gegenüber den (teureren) Uni-Absolventen von der Wirtschaft bevorzugt aufgenommen. Glaubt man den Prognosen, so ist aufgrund des Fachkräftemangels für die nächsten Jahre zu erwarten, dass die Gehälter weiter in die Höhe klettern werden.
Trend: Zielgruppe 40+
"Bei der Tagesform sind die Studenten zwischen 19 bis 24 Jahre. Bei der Abendform kommen die Ende 20, Anfang 30er", meinte Thomas Fischer von der FH Campus Wien. Im Angebot noch fehlen würden einzelne Kurse für die Generation 40+, die nicht mehr bereit sei, für zwei oder drei Jahre einen kompletten Studiengang zu belegen. Dann sei ein Kurssystem von einzelnen Kursen gefragt. "Hier sind Unis und FHs aber noch beschränkt. Da positioniert sich momentan die Wirtschaft. Das Witzige ist: Ich mache genau das gerade in Thailand", erzählte Fischer.
"Einzelne Kurse werden aber nicht genügen", knüpfte Walter Hanus, CEO von IVM, an, "wenn man sich ansieht, mit welch großen Freisetzungen von Unternehmen wie Siemens PSE oder Nokia wir zur Zeit betroffen sind." Das sei eine sicher lohnende Zielgruppe sowohl für Unis als auch FHs. Es gehe darum, diese Leute für die Industrie interessant zu halten. "Für sie gibt es außer irgendwelchen AMS-Auffangbecken oder WIFI-Schulungen eigentlich nichts", konstatierte Hanus trocken.
"Wir sehen uns nicht als Bildungsinstitut, aber wir sehen den Bedarf der Leute nach Weiterbildung", brachte Thomas Schöpf den Blickwinkel vieler Unternehmen ein. Kapsch hat aus diesem Grund eine Kooperation mit dem Technikum gestartet.
Mit berufsbegleitenden Bachelor-Studiengängen kann diesem Trend gut Rechnung getragen werden. "Wir haben hier mittlerweile sehr gute Erfahrungen gemacht", berichtete Heinz Dobler von der FH Hagenberg.
Univ.-Prof. Erich Schikuta ortete zusammenfassend die zwei großen Herausforderungen: einerseits die Generation 40+, die einfach eine Zusatzausbildung benötigt. Diese Leute kommen aber nicht auf die Uni, sondern auf die FH. Er sei da selbst beim Fernstudium an der FH Wiener Neustadt involviert. Ein zweites wichtiges Segment seien die "Parttime Students". "Das Studium ist kein Vollzeitberuf mehr, wir sind damit konfrontiert, dass rund 70% unserer Studierenden bereits irgendwo arbeiten", stellte Schikuta fest.
Fachkräftemangel spitzt sich zu
"Wir werden in den nächsten drei bis vier Jahren zu wenige Bewerber haben", prognostizierte Werner Fritz von der FH Joanneum. Mittelfristig ab 2012 bis 2014 werde es ein Problem sein, den benötigten Zulauf zu haben. In diesem Zusammenhang sprach Fritz auch den nach wie vor marginalen Frauenanteil im IT-Sektor an. "Die Branche ist zu wenig sexy und zu wenig locker", fasste Fritz bedauernd zusammen. "Das ist unser Kernproblem zurzeit", stimmte Heinz Dobler von der FH Hagenberg zu. "Das wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Der Grund ist: Der Bedarf steigt weiter an. Wir haben jetzt schon zu wenige Absolventen und in den nächsten Jahren werden wir noch viel weniger haben. Einfach weil das Interesse der Maturanten an der IT drastisch zurückgegangen ist. Nicht nur hier, das ist in der ganzen EU, ja sogar weltweit so", betonte Dobler. "Österreich steht da erst am Beginn, in Deutschland und den USA ist die Entwicklung schon um einiges dramatischer", stimmte auch Erich Schikuta zu.
"Aber was soll einen jungen Menschen für diese Branche motivieren, wenn er sieht, dass sein Vater mit 50 gerade von der Siemens entlassen worden ist?" gab Walter Hanus zu bedenken. "Früher war es toll, Informatik zu studieren, das war jung, modern und innovativ. Heute geistern sehr negativ besetzte Dinge wie der Bundestrojaner, die Dot.net-Blase sowie die Sicherheitsproblematik durch die Medien", ergänzte Schikuta.




7/2011
6/2011
5/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 