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IKT-Ausbildung Teil 4

IT ist nicht "in": Unis und FHs kämpfen um Maturanten

FHs kommen gut an

"Das Modell Fachhochschule kommt sicher der Wirtschaft entgegen. Die Zusammenarbeit mit den FHs und die Mitgestaltung ist für uns über die Praktika einfacher", betonte Wolfgang Gmeinbauer, Leiter der BEKO Informatik. So wie früher die Unternehmen versucht haben, ihre Mitarbeiter in HTLs in Abendkursen besser auszubilden und für Führungspositionen vorzubereiten, aber auch Spezialisten zu bekommen, so würden jetzt vermehrt die FHs genutzt, zeigte sich Gmeinbauer als FH-Fan.

"Das innovativere, kreativere Denken findet sicher an den Unis statt, ich bemerke auch, dass FH-Absolventen Probleme haben, in die Forschung einzusteigen", urteilte Gabriele Kotsis, Vizerektorin für Forschung an der Universität Linz. Kotsis, die selbst Wirtschaftsinformatik an der Uni Wien studiert hatte, betonte aber auch die "spezielle gute Situation zwischen Uni und FH bei uns in Oberösterreich", denn die FH Hagenberg sei ja eigentlich aus der Uni heraus entstanden. "Wir haben eine gute kooperative Basis und viel Austausch von Lehrenden, einige FH-Absolventen fangen jetzt auch bei mir mit ihrer Promotion an", vermittelte sie ein sehr positives Bild.

Das wurde auch von Heinz Dobler, Studiengangsleiter Software Engineering an der FH Hagenberg/OÖ, so bestätigt. Er ging sogar noch einen Schritt weiter: "Noch vor zehn Jahren gab es wirklich große Unterschiede zwischen Diplomstudien an Unis und Fachhochschulen, sowohl inhaltlich als auch organisatorisch. Mittlerweile im Zuge des Bologna-Prozesses und der Umstellung auf die Bachelor-Master-Studien beobachten wir, dass diese Unterschiede verschwimmen. Das heißt, aus meiner Sicht nähern sich beide Institutionen sehr stark an", erklärte Dobler.

Wozu dann Unis und FHs?

"Ich denke, es findet eine Spezialisierung sowohl an FHs als auch Unis statt, aber ich glaube, dass es nach wie vor Unterschiede gibt", widersprach Kotsis und brachte ein persönliches Beispiel: "Ich halte an der Uni Linz und der FH Burgenland eine Vorlesung zum Thema "Multimedia Systeme" - aber obwohl der Name gleich ist, sind die Inhalte doch sehr verschieden".

"Ich möchte ein Plädoyer gegen dieses Zusammenwachsen aussprechen", betonte Helmut Gollner. "Die Stärke der FH liegt im sehr kurzfristigen Umsetzen von Themen mit der Wirtschaft. Die Studierenden machen die Diplomarbeiten im Allgemeinen direkt im Unternehmen." Die Unis seien dafür da, mittel- bis langfristig Forschung zu betreiben. "Wir brauchen diese Institutionen, die sich tiefer mit einem Thema beschäftigen", zeigte sich Gollner überzeugt vom dualen System Uni und FH. "Eine Generalisierung ist sicher gefährlich", meinte Erich Schikuta von der Uni Wien. Er wies auf einen großen System-Unterschied beider Institutionen hin. An der Universität stehe das Pull-Prinzip im Vordergrund, das heißt, die Studierenden würden zur Selbstorganisation gezwungen, während an der FH das Push-Prinzip praktiziert würde, das mehr oder weniger ein Fortführen der Schule bedeute. Das Wissen werde an die Studierenden eben wie in der Schule herangetragen.

Ja zur Durchlässigkeit

Da beide Systeme jetzt das Bachelor-Master-System eingeführt haben, müsse man auch die Durchlässigkeit hinterfragen. "Inwiefern wird die Durchlässigkeit praktikabel gelebt?", stellte Werner Fritz, Studiengangsleiter Informationsmanagement an der FH Joanneum gleich selbst die Frage an die Runde - um bedauernd fortzusetzen: "Schön zu hören, dass die Kooperation in Oberösterreich so gut klappt, ich komme aus der Steiermark, wo es weniger gut funktioniert".

Prinzipiell sei die Durchlässigkeit ein wichtiges Kriterium, waren sich alle Teilnehmer einig. "Das ist noch ein wunder Punkt, ich kenne auch Kollegen, die das nicht unbedingt schätzen", gab Erich Schikuta zu und appellierte: "Vergesst die Schrebergartenmentalität, reißt die Mauern nieder!" Gabriele Kotsis ergänzte: "Es ist nicht nur der Wechsel von FH zu Uni oder in die andere Richtung. Sondern vor allem der fachlicher Wechsel wird in Zukunft ein spannendes Thema werden, dass Leute z.B. einen Bachelor in der Wirtschaft machen und dann verstärkt in die Technik gehen wollen oder umgekehrt. Das wird sicher einer der künftigen Trends werden."

Praktiker am Wort

"Viele FH-Absolventen kommen sofort mit dem Anspruch: Ich bin jetzt fertig. Wo ist mein Schreibtisch, wo ist mein Chefsessel?", berichtete Walter Hanus, CEO des IT-Dienstleisters IVM, über ein oft stark überhöhtes Selbstvertrauen von Bewerbern. Die "industrielle Ochsentour" wollen sich diese Leute, die in zwei Jahren studiert haben, ersparen. "Ich finde, da muss man wieder etwas gegensteuern", appellierte Hanus an die Ausbildungsinstitutionen. Für die interne Aus- und Weiterbildung sorgt IVM lieber selbst. Am hauseigenen IVM Campus, der übrigens seit 1999 öffentlich zugänglich ist, können Kurse aller Art belegt werden.

"Ich denke, wir haben da einen Weg dazwischen gefunden", erklärte Thomas Schöpf, Mitglied des Vorstands von Kapsch CarrierCom, denn "wir laufen Gefahr, die Mitarbeiter zu verlieren, wenn sie zwei Jahre eine externe Ausbildung machen". Die Lösung für uns war - gemeinsam mit Partnern wie der Telekom Austria und anderen Instituten - vergangenen Sommer die Gründung einer IKT-Acadmy mit einer Zertifizierung, die brancheweit akzeptiert wird. Schöpf äußerte sich dann noch zum Schlagwort Leadership: "Jeder Ausbildender muss Leadership entwickeln. Es geht aber nicht nur um den Führungsstil, sondern auch um Leadership in Themenbereichen."

Hier brach Schöpf eine klare Lanze für das duale System: "Ich sehe Leadership, was Forschung betrifft, bei den Universitäten. Wissenschaft muss es sich leisten können, sich mit Themen zu beschäftigen, die von der Wirtschaft noch nicht so gefragt und noch nicht so profitabel sind. Die Fachhochschulen hingegen sollen sehr dezidiert im Sinne der Wirtschaft Führungskräfte ausbilden." Es sollte kein Konkurrenzkampf sein, "wir werden in der Zukunft eher das Problem haben, das wir zu wenig Arbeitskräfte haben", prognostizierte Schöpf.

Mit der IKT-Acadmy, der neuen Initiative mit Kapsch, "wollen wir die Leute wieder ans Lernen und die Weiterbildung heranführen", unterstrich Bernd Lauer, Leiter des Human Resource Competence Centers bei der Telekom Austria. "Denn viele Mitarbeiter trauen sich einen Einstieg bei einer FH aus beruflichen und familiären Gründen gar nicht zu", so Lauer. Bei Absolventen, egal ob HTL, FH oder Uni, kommt als erstes die "berühmte Ochsentour" zum Einsatz. "Das heißt, dass die jungen Leute zwei bis drei Jahre intern im Unternehmen entwickelt werden. Erst dann sieht man, in welche Karriererichtung der Weg weitergeht", erklärte Lauer. Bei der Telekom Austria gibt es drei große "Karriereströme": Die Experten-, die Management- und die Projektleiter-Karriere. "Im Technikbereich versuchen wir gerade verzweifelt, die nicht vorhandenen Experten am Markt zu finden", bestätigte Lauer den im Moment vielfach beklagten Personalmangel.

Beko betreibt selbst die BEKO-Akademie, "hier haben wir sehr gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Hagenberg gemacht", berichtete Wolfgang Gmeinbauer, "aber es gibt z.B. auch eine Kooperation mit der TU Wien. Die FH sei gut zur Umsetzung kurzfristiger Themen und Fragestellungen, "aber wenn man langfristig in die Forschung geht, dann geht man zur Universität", hob Gmeinbauer einmal mehr einen der Hauptunterschiede hervor.

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Serie: IKT-Ausbildung

Wer in Österreich eine Ausbildung im Bereich Informations- technologie (IT) oder Telekommunikation (TK) anstrebt, hat die Qual der Wahl. Universität oder doch Fachhoch- schule? Informatik oder Wirtschaftsinformatik? Oder ein spezielles Studium wie z.B. Medizininformatik? MONITOR beleuchtet in einer vierteiligen Serie das Angebot in Österreich.

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MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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