Was woanders gilt, muss noch lange nicht in Österreich funktionieren: In Südkorea, einem Land mit einer der größten Dichten an Breitband-Versorgung, sowohl was das Festnetz als auch den Mobilfunk betrifft, ist das TV-Gucken am PDA längst zur Normalität geworden. Langweilige Busfahrten, Wartezeiten bei Behörden, kurze Pausen oder gar Konferenzen werden damit überbrückt.
Jetzt formieren sich auch in Österreich die DVB-H-Anbieter, und über allem steht wieder die Zweischneidigkeit zwischen der technischen Machbarkeit und der inhaltlichen Relevanz. Natürlich steht wieder das Schlagwort "Content" an vorderster Front. Der "Killer-Content" zur Einführung des Handy-Fernsehens soll dieses Jahr die Fußball-EM sein, darüber sind sich die mobilen Fernseh-Betreiber einig.
Wie so häufig, wird es aber auf die richtigen Packages ankommen: Wird DVB-H zu teuer angeboten, so kann es kein durchschlagender Erfolg werden, da Handy-Kunden von den Betreibern leider zum Pfennigfuchsen erzogen worden sind. Um die Investitionen in die Handy-TV-Technik zurückzuverdienen, müssen die Betreiber aber auch auf die Margen schauen. Denn viele Möglichkeiten bleiben ihnen nicht mehr: Der Preiskampf bei normalen Mobilgesprächen hat sowohl die Umsätze als auch die Gewinne einbrechen lassen, die EU-Preisgrenzen bei innereuropäischen Roaming-Gesprächen und die kommende Deckelung der Datentransfer-Preise tun ihr Übriges.
Der Rettungsanker für Netzbetreiber ist also, jede technische Neuerung so dick wie möglich in den Markt zu pressen, um neue "Killer-Applikationen" zu platzieren. Dies kann aber auch schiefgehen, denn der Kunde ist launig: Wie man anhand von Anwendungen wie Mobile Payment oder Mobile Shopping sieht, sind manche Wege zu mehr Gewinnen für die Betreiber steinig.
Und zu guter Letzt wird es auch eine Kernfrage bleiben, wie viele DVB-H-Geräte zur frontalen Markteinführung von Handy-TV vor der EM heuer verfügbar sein werden. Denn auch hier zeichnet sich ein Lieferengpass ab.
Durch die Bank werden die österreichischen Netzbetreiber also um ihre Erträge weiter kämpfen müssen. Allesamt waren sie im Jahr 2007 weit von den Spitzenbilanzen der Boomzeiten entfernt, und man kann davon ausgehen, dass auch das heurige Jahr trotz Innovationen wie Handy-Fernsehen weiter kompliziert bleibt.



1/2012
8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 