Änderungen für Konsumenten?
Dem Konsumenten ist die Erneuerung der Technologie an sich egal - was zählt, ist, dass sein persönlicher Internet-Zugang zu Hause funktioniert - das zeigte der Vortrag von Paul Srna, Projektleiter Neue Medien beim Verein für Konsumenteninformation (VKI). Derzeit gibt es "leider ein für den Konsumenten unüberschaubares Angebot. Oft wird daher das falsche Produkt gewählt", berichtete Srna. Kein Wunder, dass daher die Beschwerden beim VKI exponentiell stark zunehmen würden. Für die Zukunft wünschte sich Srna, der mit keinem Wort auf NGN einging, nur "mehr Aufklärung und Information für den Konsumenten, damit der seinen Bedarf genau abschätzen kann".
In jedem Fall kommt auf die Benutzer ein neuer technischer Standard zu. Bereits Mitte 2007 sollte der neue 802.11n WLAN-Standard in Kraft treten. Hier ist eine gewisse Verzögerung eingetreten. Im November 2007 wurde der Entwurf in Version drei mehrheitlich in Atlanta verabschiedet, "die finale Version soll im Oktober 2008 verabschiedet werden", sagte Thomas Zemen, Leiter des Forschungszentrums Telekommunikation. Sowohl Techniker als auch Hersteller setzen große Hoffnungen in den neuen Standard, der oft auch als MIMO (Multiple Input - Multiple Output) bezeichnet wird. "Die MIMO Kommunikation erlaubt höhere Datenraten ohne die Bandbreiten erhöhen zu müssen", erklärte Zemen die Vorzüge. Auch Hersteller wie Apple oder AVM haben bereits damit begonnen, den neuen Funkstandard bei der Hardware zu integrieren. "Das wird echtes Breitband in den eigenen vier Wänden", schwärmte Zemen.
Mobilfunker geben Gas
"Wir müssen Innovation stattfinden lassen, aber wir können nicht erwarten, alles an einem Tage umstellen zu können", verwies Mark Kent, technischer Strategiechef bei der British Telecom, darauf, sich in Geduld zu üben und wartete mit einer alten Weisheit auf: Gut Ding braucht Weile. "Wir müssen zuerst Lösungen für 100, dann 1000 und dann für die Masse bauen", verwies er auf die Strategie Step-by-Step, die konkret bei der Entwicklung des Projekts "Firebird" der British Telecom zum Tragen kam. Ziel dabei war eine Konsolidierung des bestehenden Systems. Seit 2007 ist die komplexe, globale offene Applikations-Server-Plattform in Betrieb.
"Konvergenz und der User im Mittelpunkt - das sind die zentralen Faktoren heute", betonte Reinhard Wilfinger, Leiter Strategie und Projekte bei der mobilkom. "Die Mobilfunker mobilisieren das next generation internet, das allerdings woanders gemacht wird", bedauerte Wilfinger. Profitieren würden davon ebay, google, yahoo oder sonstige Dienste-Anbieter. Ganz klar ist die Tendenz, dass Voice over IP im Kommen ist. "Skype ist bedrohlich", sagte Wilfinger klipp und klar. "2015 werden 45 Prozent aller Voice Minuten in Westeuropa über IP gehen", zitierte Wilfinger eine Studie von Analysis Research. "IMS ist zwar nicht die Antwort auf Internet-Konvergenz, aber gibt uns die Möglichkeit, in den Mitbewerb einzutreten", betonte der mobilkom-Stratege. Seit 2007 bietet die mobilkom A1 over IP an.
Bis 2009/2010 soll der Nachfolger für UMTS als NGMN (Next Generation Mobile Network) realisiert sein, wünscht sich James Burke, CTO von T-Mobile. "Wir werden nie genug Speed haben, aber Anwendungen wie YouTube benötigen eine hohe Bandbreite und bewirken ein erhöhtes Datenaufkommen", bemerkte Burke. "Wir wollen jetzt sicher nicht die 3G-Story wiederholen", sagte der T-Mobile-CTO, sondern es gehe darum "IP vernünftig zu sharen und die Kosten relativ niedrig zu halten". Erfolgsfaktoren seien Performance, Kosten für den Kunden und den Operator sowie die Migration. "Ich glaube, das NGMN wird eine Revolution sein", versprühte Burke Optimismus und Begeisterung. Wie die österreichische Ausprägung aussehen wird, darauf dürfen die Konsumenten gespannt sein. James Burke meinte dazu: "Österreich ist der kompetitivste Markt, den ich in meinem Leben je erlebt habe".
Die Bezeichnung NGN wird aber auch häufig (stark vereinfachend) als Schlagwort für die derzeitig erfolgende Umstellung der bestehenden Telekommunikationsnetze auf IP-Technologie benutzt, da das Internet Protocol die vorherrschende Wahl zur Implementierung von paketvermittelnden Netzen ist. Kritiker sehen in NGN-Netzen eine mögliche Gefährdung der Netzneutralität.
(Quelle: Wikipedia)
Zentrales Element eines IMS ist die Call Session Control Function (CSCF). Sie etabliert, überwacht, unterstützt und initiiert so genannte Multimedia Sessions, beispielsweise ein Telefonat zwischen zwei Smartphone-Nutzern, die ein Kino-Portal besuchen, dort einen Film auswählen, das nächstgelegene Kino suchen und sich dann verabreden. Hierfür koordiniert die CSCF auch die Service-Interaktionen des Nutzers. Das aus der Internet-Telefonie bekannte SIP-Protokoll (Session Initiation Protocol) kommt beim IMS ebenso zum Einsatz. Ende 2007 hat das Berliner Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS) ein Open Source IP Multimedia Subsystem (OSIMS) präsentiert. Seitdem sind interessierte Forschungsstätten und Unternehmen eingeladen, im Vorfeld des Markteintritts eigene Entwicklungen zu testen. "Nur die Vielfalt der Anwendungen wird am Ende über den Erfolg von IMS als allgegenwärtige Diensteplattform entscheiden", ist Thomas Magedanz, Leiter der Abteilung NGN am FOKUS überzeugt, dass die Öffnung ein wichtiger Schritt war.




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8/2011
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Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 