4-4-2008 | Aus MONITOR 4/2008 Gedruckt am 25-10-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/9811
Thema: Mobiles Business

Mobiles Internet

Heißer Kampf um "mobile Internet"-Kundschaft

Mobiles Internet beflügelt den Businesskundenmarkt: Zehn Prozent, das sind 30.000 aller österreichischen Unternehmen; nutzen laut AIM Business zurzeit mobile Datenkarten bzw. USB-Modems. Tendenz stark steigend. Kein Wunder, dass alle vier heimischen Anbieter auf "Mobilität" setzen. Der Trend beschert neue Umsätze - und die haben alle vier Anbieter bitter nötig, denn es herrscht nach wie vor ein erbitterter Preiskampf am Markt.

Christine Wahlmüller

Bild: Telekom

Ein Besuch auf der Fachmesse ITnT im Februar hat überrascht: T-Mobile und "Drei" glänzten mit pompösen, großflächigen Ständen in den Signalfarben Magenta und Orange. One, das irgendwann im zweiten Halbjahr auch Orange heißen wird (und wohl auch mit der gleichnamigen Farbe auftreten wird) sowie Branchenleader mobilkom waren auf der ITnT nicht vertreten. Die mobilkom kommt traditionell nicht, One war letztes Jahr sehr wohl vor Ort. Heuer wurde der Messeauftritt sang- und klanglos gestrichen. Der seit Oktober amtierende neue CEO Michael Krammer, vormals telering-Chef, und die neuen Eigentümer haben bereits für einige Veränderungen gesorgt. Allen Anbietern gemein ist, dass sie den Businessmarkt als absoluten Hoffnungsmarkt intensiver denn je bearbeiten.

Dabei ist die Zahl der Unternehmen, die ein oder mehr Handys nutzen, laut jüngster Erhebung des AIM Business, Integral Markt- und Meinungsforschung, vom Oktober 2007 auf 82% zurückgefallen. Anfang 2006 waren es noch 84%. Das bedeutet, knapp jedes fünfte heimische Unternehmen kommt noch ohne Mobiltelefon über die Runden. Die Unternehmer, die bereits bei einem der vier Anbieter zur Kundschaft gehören, denken jedoch kaum an einen Wechsel. Für etwas weniger als zwei Drittel der befragten Unternehmen (60%) kommt das überhaupt nicht in Frage. Nur 6% der Unternehmer geben einen Wechsel als "sehr wahrscheinlich" an. Außerdem sind die Unternehmer treue Vertragskunden. Vor allem bei den größeren und mittelständischen Betrieben, die Mobiltelefone einsetzen, herrscht praktische eine hundertprozentige Versorgung mit Vertragshandys. Nur Kleinbetriebe mit bis zu vier Mitarbeitern setzen ganz gerne auch Wertkarten-Handys ein (17%), aber auch hier dominieren zu 88% die Vertragshandys.

Neue mobile Endgeräte boomen

„Immer mehr Businesskunden schwören auf den totalen Festnetz- ersatz.“ - Michael Krammer, CEO One

Der Einsatz von Smartphones, MDAs und Blackberrys nimmt stetig zu, lag er im Oktober 06 noch bei 11%, so stieg er im Oktober 2007 auf 13% an. Je größer das Unternehmen, desto höher ist auch die Verbreitung. Bei den großen Unternehmen über 100 Mitarbeitern hat bereits mehr als die Hälfte die neuen Endgeräte, die auf mobiles Arbeiten überall und jederzeit abzielen, im Einsatz. Einerseits sind die neuen Sprach-Daten-Multimedia-Endgeräte ja praktisch, weil man sie immer mit sich trägt und daher immer parat hat. Andererseits geht damit auch ein gewisser Fluch insbesondere für Führungskräfte einher, kaum mehr "Feierabend" machen zu können. Geht die Entwicklung so rasant weiter, so wird in einigen Jahren mobiles Arbeiten genau so selbstverständlich werden wie das Telefonieren per Handy. Vorausgesetzt, die Mobilfunker und Entwicklungsabteilungen finden eine Lösung, dass die mobile Datenübertragung stabiler wird.

Hier hapert es nämlich noch gewaltig: Insbesondere in Ballungsräumen sinkt die Datenübertragungsrate, je mehr User online sind, oder es kommt gar zu Datenverlusten, ergab eine Studie des österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) in Kooperation mit der Arbeiterkammer im Sommer 2007. Das ändert allerdings nichts am mobilen Breitband-Boom. Laut RTR-Report lag die Absolut-Zahl vom zweiten Quartal 2007 bereits bei 350.000 Anschlüssen für mobiles Internet, Anfang 2006 gab es 99.000 Anschlüsse. Bei den Unternehmen haben bereits 10%, d.h. rund 30.000, mobile Datenkarten und USB-Modems im Einsatz.

Hier drängen auch die Hardware-Anbieter ständig mit Neuheiten auf den Markt: Erst Ende März hat die mobilkom den angeblich "weltweit ersten" USB Stick für mobiles Breitband mit Speicherfunktion präsentiert (Vodafone Mobile Connect USB Stick E169 HSDPA). Die Nutzung ist kinderleicht - so zumindest das Versprechen der mobilkom. Der USB-Stick wird über die USB-Schnittstelle angesteckt, die SW wird selbständig installiert. Danach auf "Verbinden" drücken und schon kann losgesurft werden. In Verbindung mit einer A1-Erstanmeldung (3BG oder 5 GB) kostet der USB-Stick 29 Euro. Für größere Businesskunden gibt es natürlich individuelle Angebote, hier können sicher auch z.B. diese neuen USB-Sticks "hineinverhandelt" werden.

Marktanteile unter der Lupe

„2008 steht unter dem Motto Neue Chancen für den Mittelstand.“ - Hendrik Kasteel, Marketing- Vorstand, T-Mobile„2008 steht unter dem Motto Neue Chancen für den Mittelstand.“ - Hendrik Kasteel, Marketing-Vorstand, T-Mobile

Der österreichische Mobilfunkmarkt ist heiß umkämpft - sowohl im Privat- als auch im Business-Segment. Unangefochten an der Spitze steht im Privat- wie im Business-Sektor die mobilkom. Laut Eigenangabe telefonieren rund zwei Drittel aller Business-Kunden in Österreich derzeit über das A1 Netz. Der Datenbereich wächst rasant, hier wird wieder einmal ein erbitterter Preiskampf ausgetragen. "Im vergangenen Jahr sind die Preise vor allem im Datenbereich stark gefallen - und das bei gleichzeitig steigenden Bandbreiten", betont Hannes Ametsreiter, Marketing-Vorstand der mobilkom. Dass die mobilkom jetzt auch beginnt, den KMU-Markt genau ins Visier zu nehmen, beweisen die Kunden, die als beispielhaft für den Einsatz von A1 Breitband von Ametsreiter genannt werden: das Life Radio aus OÖ oder ein Zahnarzt. Es gibt auch ein A1 Kleinunternehmerpaket, das um 35 Euro monatlich Mobiltelefonie, mobiles Breitband und E-Mails am Handy umfasst.

Die drei übrigen Anbieter wollen sich in punkto Business-Marktanteil nur wenig in die Karten schauen lassen. Wiewohl alle vier Anbieter betonen, dass der Business-Sektor ein immer wichtigerer Umsatz-Faktor wird. "Wir haben 2007 mit 25% Zuwachs das größte Plus im Business-Segment in unserer Geschichte gemacht und 12.000 neue Kunden gewonnen", gab T-Mobile-Austria-Chef Robert Chvátal bei der Bilanzpressekonferenz Ende Februar bekannt. Der größte neue Kunde für T-Mobile ist die Stadt Wien, aber auch abseits der Bundeshauptstadt konnte T-Mobile punkten. Chvatál nannte die Villacher Brauerei als Referenzkunden. "2008 werden wir unsere Position am Business-Markt weiter stärken und ausbauen", ist Hendrik Kasteel, Marketing-Vorstand bei T-Mobile voll Elan auf Expansionskurs unterwegs. Vor allem Kundenservice und die Vorteile eines internationalen Konzerns sollen die gut zahlende Businesskundschaft anlocken. Diesen Umsatzfaktor benötigen die Mobilfunkanbieter dringend, denn der Privatkundenmarkt ist mehr als gesättigt, und hier ist im Moment nur durch mobiles Internet eine Bewegung am Markt möglich. Ganz anders sieht es am Businessmarkt aus, wo bislang Festnetz (noch) an erster Stelle steht.

 

Die kleinen Anbieter

„Im vergangenen Jahr sind die Preise vor allem im Datenbereich stark gefallen - und das bei gleichzeitig steigenden Bandbreiten.“ - Hannes Ametsreiter, Marketing-Vorstand mobilkom

Spannend wird heuer der Weg von One. Für die zweite Jahreshälfte hat One-Chef Michael Krammer den Markenwechsel zu "Orange" angekündigt. One ist zwar traditionell ein Anbieter für den SoHo und KMU-Markt - "im Bereich Kleinunternehmen nähern wir uns dem "private" Marktanteil von One" (Krammer) - hat aber auch einige große namhafte Accounts wie etwa die AUA, die TIWAG, die Allianz oder Renault unter Vertrag. "Immer mehr Businesskunden schwören auf den totalen Festnetzersatz, das bedeutet mittels "Mobiler Nebenstellenanlage" oder "Mobiles Festnetz" die gesamten Kommunikationsbedürfnisse einfach und sehr kostengünstig abzuwickeln", betont One-CEO Michael Krammer. Derzeit hat One laut Eigenangabe insgesamt rund 100.000 mobile Breitband-Kunden. Die Datenumsätze machen bereits 15% des Gesamtumsatzes 2007 in der Höhe von 624 Mio. Euro aus. "Im Business-Bereich werden wir künftig völlig neue Wege gehen, so richtig losgehen wird das im vierten Quartal 2008 und dann Anfang 2009", verspricht Krammer. Zuvor müssen die in Wien-Floridsdorf angesiedelten Blau-Schwarzen aber erst den Wechsel zu "Orange" bewerkstelligen.

Marginal ist bislang die Rolle von "Drei" am Business-Markt, der Schwerpunkt liegt eindeutig im KMU-Bereich. "Mobiles Breitband spielt dabei eine zentrale Rolle", betont 3-CEO Berthold Thoma. Daher wird massiv auf Datenprodukte gesetzt. Drei hat jetzt neuerdings ein "Datenpool" auf den Markt gebracht. Damit kann eine gewisse Anzahl von Mitarbeitern mit unterschiedlichem Nutzungsverhalten mit Datenvolumen versorgt werden. Das Start-Pool mit 3 GB kostet monatlich 19 Euro. Auch beim Geräteportfolio kommt es (wie übrigens auch bei den anderen Anbietern) ständig zu Neuzugängen, "die Handys wie z.B. der Nokia E90 Communicator entwickeln sich mehr und mehr in Richtung Laptop-Ersatz", stellt Thoma fest. "Applikationen am Handy wie VoIP mit Skype, Google Maps oder die Autonavigation werden massenmarktfähig. Das Handy wird sozusagen zum "Schweizer Messer" für Geschäftskunden", sieht Thoma den Höhenflug der Mobiltelefone ungebrochen.

Ziele und Strategien 2008

„Unser Ziel ist es verstärkt Kunden für mobiles Breitband zu begeistern.“ - Berthold Thoma, CEO 3

"Wir setzen auf Innovation, Service und Qualität", mit diesen drei Säulen will Hannes Ametsreiter die Pole-Position von mobilkom weiter erfolgreich ausbauen. "Jeder A1 Business Kunde hat einen persönlichen Betreuer, unabhängig von der Größe des Unternehmens". Daneben gibt es eine kostenlose Business-Hotline, die rund um die Uhr besetzt ist. Dass Service der springende Punkt im Kampf um den Businesskunden ist, haben auch die anderen Anbieter erkannt: Auch T-Mobile und One werben mit persönlicher Betreuung. "Wir bieten jedem Geschäftskunden bereits ab einem Handy einen persönlichen Beratungstermin an", betont Michael Krammer.

Auch die Investitionen in die Optimierung der Netze gehen munter weiter. Als Innovationstreiber in punkto mobile Internet erweist sich vor allem 3, während die mobilkom auch auf die Entwicklung von NFC (Near Field Communication) setzt. Durch die neue, drahtlose Technologie kann das Handy sehr einfach als Zutrittskarte oder Geldbörse genutzt werden. Leider mangelt es noch an Endgeräten. Das Nokia 6131 ist derzeit das einzige am Markt erhältliche NFC-taugliche Handy. Ob die Kunden NFC annehmen werden, hängt letztlich davon ab, ob die dafür benötigten Endgeräte auch verfügbar sind.

"2008 steht unter dem Motto "Neue Chancen für den Mittelstand", hat T-Mobile-Marketing-Vorstand Hendrik Kasteel schon seine Claims abgesteckt. "Nach einer aktuellen Studie setzen künftig 52% aller KMUs auf HSDPA - das Business wird mobil", zeigt Kasteel auf, wo die Zukunft liegt. "Unser Ziel ist es verstärkt Kunden für mobiles Breitband zu begeistern und den Anteil am Umsatz durch Geschäftskunden um 60% zu erhöhen", sagt 3-CEO Berthold Thoma.

Eine andere Strategie bleibt den vier Mobilfunk-Anbietern eigentlich gar nicht. Denn das klassische Mobil-Telefonieren verliert zugunsten von Datendiensten immer mehr an Bedeutung, heißt es in der deutschen Untersuchung Telco Trend vom Juli 2007. Außerdem ist der durchschnittliche heimische Monatsumsatz pro Kunde (ARPU) im Jahr 2007 weiter drastisch zurückgegangen (laut One von 31 auf 28 Euro) und hat bei allen Anbietern für Umsatzrückgänge gesorgt.

  • Artikel bookmarken
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb

Userkommentare

DISQUS ist ein Service von disqus.com und unabhängig von monitor.at - siehe die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

comments powered by Disqus