Vorsichtige Auswahl
Die relativ weite Verbreitung von BI-Software geht nicht notwendigerweise mit deren erfolgreichem Einsatz einher. Laut einer Studie von Actinium Consulting, einem Beratungsunternehmen mit dem Kerngebiet BI, zeige sich jeder zweite Anwender unzufrieden mit seiner Software-Auswahl. Laut Actinium-Geschäftsführer Klaus Hüttl sei mehrheitlich die Integrationsfähigkeit und Implementierbarkeit der Lösungen überschätzt worden. Angesichts der veränderlichen Situation am BI-Markt empfiehlt dieser noch mehr Sorgfalt bei der Auswahl. Unternehmen sollten sich "sehr konsequent am eigenen Bedarfsprofil orientieren", kurzum, genau wissen, was sie wollen, den Markt kennen und vor allem von so genannten "Tool-Entscheidungen" Abstand nehmen. Fehlt allerdings die nötige Menge an Erfahrungswissen, könne die Evaluierung von Produkten zum "riskanten Spiel" werden, so Hüttl.
Dringenden Nachholbedarf gibt es insbesondere im Bereich CPM. Laut einer Umfrage von Gartner wird dieses von Anwendern in der Region EMEA zwar als wichtigstes Thema im Rahmen von BI wahrgenommen, gefolgt von Data Warehousing und Datenqualität. Entsprechend positiv sind auch die Wachstumsaussichten: Bis 2011 soll sich die jährliche Marktzunahme auf über 14% belaufen.
Dennoch schafft es rund die Hälfte der Unternehmen nicht, das Potenzial der CPM-Lösungen für sich umzusetzen. Trotz umfangreichen Angebots und Beratung scheint der bunte Strauß an Analysemöglichkeiten schwierig zu nutzen. Als Grund für das Versagen gilt, dass die Ergebnisse zwar gemessen, aber nicht gemanagt würden. Unterm Strich bewirkt CPM daher kaum Veränderung bei den Management-Prozessen. Nigel Rayer, Research Vice President bei Gartner: "Business Intelligence muss sich von der Performancemessung zum proaktiven Performancemanagement wandeln, um Geschäftsziele zu erreichen." Rayner hat mögliche Ursachen zur Hand. Die meisten Unternehmen würden von zum Teil noch händischen Aufzeichnungen und Tabellenkalkulationen zu modernen CPM-Lösungen wechseln. Entsprechend fehle die Erfahrung, wozu diese Applikationen in der Lage seien und wie man sie am besten implementiere. Die Folge: Anstatt Veränderungen anzustoßen würden die Anwender schließlich nur bestehende Prozesse automatisieren.
Für eine erfolgreiche Nutzung sollte CPM nicht nur an den Anforderungen der Finanzabteilungen ausgerichtet, sondern das Performance Management anderer Bereiche mit an Bord geholt werden. Am besten gelinge CPM laut Gartner als Zusammenarbeit zwischen IT, Finanzbereich, den Geschäftsfeldern und mit Unterstützung der Geschäftsführung. Dies sei allerdings kein leichtes Unterfangen, zumal gerade viele CEOs den neuen Instrumenten mit einiger Scheu begegnen. Immerhin griffen diese weiterhin gerne auf "Tools" wie Bauchgefühl oder handschriftliche Aufzeichnungen zurück.
Neu in Österreich
Gleich zwei BI-Anbieter erweiterten per Jahresbeginn ihr Niederlassungsnetz nach Österreich. Die deutsche Firma Stas peilt mit ihrem Produkt "Stas Control" mittelständische Unternehmen und dort unter anderem die Bereiche Automotive, Elektrotechnik, Fertigung, Finanzdienstleister, Handel, Mode und Schuhe sowie Vermietung an. Stas will mit seiner Österreich-Filiale die Kontakte zur heimischen Klientel verbessern, zu der unter anderem Banner Batterien und Formatwerk zählen. Nicht zufällig gewählt ist der Standort Wels inmitten der oberösterreichischen Industrieregion.
Ebenfalls in Wels ließ sich das schwedische Unternehmen Qliktech nieder, unter anderem um dem "enormen Wachstum" in Österreich Rechnung zu tragen. Neben der engeren Zusammenarbeit mit rot-weiß-roten Kunden will Cliktech auch die Kooperationen mit seinen Implementierungspartnern wie BMD Systemhaus, Data Systems Austria und Standard ITSolutions intensivieren und das Netzwerk auch weiter ausbauen.
Die BI-Lösung der Schweden heißt "QlikView" und soll nach eigenen Angaben im Gegensatz zu OLAP-Implementierung bereits in wenigen Tagen oder Wochen einsatzbereit sein. Qliktech-Kunden sind Bene Büromöbel, Magna und die Supermarktkette Mpreis.



7/2011
6/2011
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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 