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Strategien

Business Intelligence

Kraft aus der Veränderung

Die Konsolidierung am Business Intelligence-Markt mischt die Karten für das Produktangebot neu. Ob die große Kauflust nun die Innovation hemmt oder genau das Gegenteil bewirkt: Kunden ist bei ihrer Kaufentscheidung erhöhte Sorgfalt angeraten.

Die Zeiten zweistelligen Wachstums sind laut der Marktforscher von Gartner vorüber. Bis 2011 soll sich der Business Intelligence-Markt auf ein durchschnittliches Plus von 8,6 Prozent beruhigt haben. Andere Bereiche mögen solche Zahlen optimistisch stimmen, im Segment BI signalisiert dieses moderatere Wachstum den Eintritt in eine reifere Phase: Produkte werden immer ausgereifter, der Markt zunehmend über den Preis regiert, beides treibt die Konsolidierung voran. Und ähnlich wie beim Thema Enterprise Ressource Planning beginnen die großen Player allmählich den leckeren Bissen Mittelstand zu entdecken.

Kunden bereitet das Aussuchen einer BI-Lösung indes einiges Kopfzerbrechen. Wie lässt sich nach den ganzen Übernahmen des letzten Jahres die Zukunft von bestimmten Produktlinien einschätzen? Soll man Entscheidungen aufschieben oder ist die Zeit gerade jetzt günstig, um zuzuschlagen?

Kauflust und Gelegenheiten

Den Beginn der Übernahmewelle signalisierte Microsofts Einkauf von ProClarity im Frühjahr 2006. Ein Jahr später legte Oracle 3,3 Mrd. Dollar für Hyperion auf den Tisch. Weil Hyperion in den Jahren davor bereits einer ausgeprägten Einkaufslust nachging, um sein Portfolio im Bereich Corporate Performance Management (CPM) aufzufetten, holte sich Oracle so mit einem Schlag auch gleich Alcar, Appsource, Arbor Software, Brio Technology, Decisioneering, IMRS, Pillar Data Systems, Razza Solutions, Sapling, Sqribe und Upstream an Bord.

Einen Leckerbissen sicherte sich SAP im Herbst um 6,8 Mrd. Dollar mit Business Objects. Neben der Stärkung der Walldorfer Kompetenz in Sachen BI, verweist Frank Naujoks, Research Manager Software bei IDC, auf das Potenzial, das die Bestandskunden von Business Objects bergen: Drei Viertel von ihnen würden noch nicht zur SAP-Klientel zählen. Den bisherigen Abschluss bildet IBMs Fünf-Mrd.-Dollar-Übernahme von Cognos im November 2007.

Laut Analyst Naujoks seien dies allesamt keine Übernahmen, die sich über Nacht verdauen ließen: "Dies bindet Managementkapazität, sorgt für Verunsicherung in der Belegschaft und bei Kunden sowie Interessenten und freut die verbleibenden Anbieter", so Naujoks in einer Analyse. Denn wenn die Großen mit sich selbst beschäftigt seien, böte sich für den Rest des Marktes die Gelegenheit, die eigenen Produkte ins rechte Licht zu rücken. Auch sei die Konsolidierung noch nicht zu Ende. Laut Naujoks würden sich neben den üblichen Verdächtigen auch Unternehmen wie Adobe, Cisco und Hewlett Packard auf die Pirsch nach passenden Akquisen machen.

Die Gunst der Stunde will unter anderem MicroStrategy nutzen, nach SAS zweitgrößter Softwareanbieter im BI-Umfeld. "Das Thema Business Intelligence kommt absolut empor", ist Country Manager Österreich, Wolfgang Mayer, überzeugt. Die Kunden seien nicht verunsichert, sondern vielmehr offen für neue Themen.

Das Unternehmen kündigte ein Programm unter anderem für Kunden von Cognos und Business Objects an, im Rahmen dessen diese ihre Lizenzen günstig gegen MicroStrategy-Lizenzen tauschen könnten. Man würde so versuchen Teile der Investitionen, die die Kunden bereits gemacht haben, "zu retten". "Preisgemetzel" wolle man damit keines beginnen, so Mayer, sondern vielmehr jene ansprechen, die mit ihren Lösungen "nicht 100-prozentig zufrieden seien". Gemeinsam mit den Kunden wolle man in ein Projektgeschäft hineingehen und das Thema nicht auf Lizenzseite reduzieren.

Innovation außer Gefahr

Gartner rät Unternehmen unterdessen strategische Investitionen zurückzuhalten bis von den fusionierten Anbietern entsprechende Roadmaps präsentiert würden. Insbesondere, wenn es sich um Produkte handle, deren Funktionalität sich überschneiden, sei Vorsicht angebracht. Ansonsten können die Marktforscher der Konsolidierung zumindest aus Kundensicht nur Positives abgewinnen, zumal diese verbesserten Nutzen für die Unternehmen brächte. "Die Konsolidierung durch SAP, Oracle, IBM und Microsoft sollte dazu beitragen, dass aus BI rascher Wert generiert werde", so Gartner Senior Research Analyst Dan Sommer im Rahmen der Veranstaltung Business Intelligence Summit. Auch würde Innovation dabei nicht leiden. Die großen Anbieter würden für breiteres Interesse am Thema sorgen, während sich kleinere Hersteller mit innovativen Technologien differenzieren würden, nicht zuletzt um die Lücke zwischen den Produktlinien der "Mega-Vendors", wie Sommer sie bezeichnet, zu schließen.

Dem stimmt auch ICD-Mann Naujoks zu. Es würden sich neue Nischen "wie Search, Workflow- und Rules Engines oder Collaborative Technologies" auftun, die von innovativen, kleinen Unternehmen besetzt und entwickelt würden. "Dies wird dem Information Management und Access-Markt, der BI als einen Teil einschließt, neue Impulse verleihen", resümiert Naujoks.

Laut Gartner hätten sich die Technologien jetzt bereits auf einen höheren Level geschraubt: Online Analytical Processing (OLAP) würde durch weitere Innovation endgültig zur Massentechnologie getrieben und sei damit alleine kein ausreichendes Werkzeug mehr, um einen Vorsprung beim Wettbewerb herauszuspielen. Getrieben würde diese Entwicklung unter anderem von Microsoft, das zuletzt sein gesamtes Portfolio zum Thema BI in ein Paket namens PerformancePoint Server packte und breit verfügbar machte.

Die Veränderung des Angebots zeigt sich auch an den Umsatzzahlen von Business Objects und Cognos. Beide Unternehmen generierten das Gros ihrer Umsätze mit Produkten für OLAP-Abfragen und beide verloren vor den Übernahmen Geschäftsanteile in diesem Bereich. Anders aufgestellt ist hingegen SAS, das rund ein Viertel seines Geldes mit komplexen Analysetools macht, mehr als die Hälfte über Datenintegration: Diese Software ist vergleichsweise teuer, die Margen sind hoch, die Kunden loyal.

Innovation erwartet sich Gartner auch durch BI als Software as a Service (SaaS). Firmen wie LucidEra bieten hier Lösungen zur Nutzung über das Internet an. Über regionale Versionen und Branchenspezialisierungen könnte sich das Geschäft in diesem Bereich vertiefen.

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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