Das Jahr 1991 markiert eine einschneidende Wende in der bisherigen Konstellation der Prozessor-Herstellung. Der Chip-Riese Intel, der in den 1980er Jahren praktisch das Monopol auf Prozessoren für Personal Computer besaß und sich mit seiner i286 und i386-Serie in diesem Markt etabliert hatte, wurde plötzlich "unerhörter" Weise von der Konkurrenz angegriffen.
Zwar hatte die ursprüngliche Intel-Ausgründung AMD als "Source Provider" schon seit Start 1969 versucht, mit eigener Prozessortechnologie zu reüssieren, so richtig gelungen ist es dem Unternehmen von Jerry Sanders aber erst wesentlich später. Anfangs konnte Intel mit seinem Know-how das Oberwasser behalten und den Markt besetzen, versuchte aber laufend, AMD den vorgeworfenen eigenen "Nachbau" seiner Prozessoren zu untersagen und zu veranlassen, dass sich der aufbegehrende Rivale auf die Lieferung vorgegebener Komponenten beschränkt. Bei den Intel-Serien 8086 und 8088, die bei AMD gebaut wurden, ging das noch gut.
Jahrelanger Rechtsstreit
Die Situation eskalierte im Jahr 1991, als AMD mit seiner Am386-Prozessorfamilie eine tatsächliche Kopie des i386 von Intel auf den Markt brachte. Dieser Produkteinführung ging ein jahrelanger Rechtsstreit voraus, durch den Intel AMD an der Auslieferung des Am386 hindern wollte. Zwar war der Chip erst fünf Jahre nach dem i386 erschienen, doch gab Intel nicht klein bei. Der Hintergrund war, dass Intel mit AMD schon zuvor ein Fertigungsabkommen abgeschlossen hatte, dass es AMD erlaubte, Chips mit dem Mikrocode von Intel zu fertigen und auszuliefern. Nach Auslegung von Intel sollte dies aber nur bis zur i286er-Serie gelten und nicht für den für Intel höchst erfolgreichen i386, mit dem der PC praktisch zum Werkzeug für alle wurde. AMD wurde von Intel wegen Copyrightverletzungen geklagt. Nach langem Hin und Her entschied das Gericht aber doch, dass AMD seinen Am386 ausliefern durfte.
Damit legte das Unternehmen den Grundstein für seine weitere Erfolgsgeschichte. AMD war zum damaligen Zeitpunkt von Aktionären und Analysten beinahe schon tot gesagt worden, als sich der Erfolg mit dem Am386 einstellte und auf Anhieb im ersten halben Jahr mehr als eine Million Stück verkauft werden konnten. Intel war geschockt und ging in die Berufung, doch das Urteil zugunsten von AMD wurde sogar 1994 ein zweites Mal von einem kalifornischen Gericht bestätigt.
1991 markiert auch das wirtschaftliche Wendejahr für AMD. Das Unternehmen aus dem Silicon Valley, das es in den Anfangsjahren sehr schwer hatte, Investoren aufzutreiben, wurde plötzlich wahr genommen. Auf den Am386 folgte der Am486 (auf der Basis eines Abkommens mit Compaq), und schließlich der 5x86, bis der erste eigenständige AMD-Prozessor ohne Intel-Basistechnologie das Licht der Welt erblickte: der K5
Für PC-Anwender war das Jahr 1991, was die Versorgung mit Prozessoren betrifft, aus heutiger Sicht ausgesprochen erfreulich. Denn der freche Vormarsch von AMD, eigentlich ursprünglich als "verlängerte Werkbank" von Intel identifiziert, erzeugte einen bis daher nicht gekannten Wettbewerb am Prozessormarkt. Der bisherige Monopolist musste seine Preispolitik überdenken, und schließlich ist AMD zu einem nicht zu geringen Teil dafür mitverantwortlich, dass PC heute so billig sind.
"Low-End-Einstieg"
Das musste natürlich mit gewissen Zugeständnissen erkauft werden. 1991, nach Erscheinen des Am386, baute sich AMD leider auch das Image des Low End-Versorgers auf, da seine Prozessoren anfangs nicht die volle Qualität von Intel-Chips erreichten. Die Gründe lagen darin, dass die AMD-Chips unter weit größerem Zeitdruck als bei Intel produziert werden mussten, sodass zu wenig Raum für Qualitätskontrollen und Feintuning überblieb. Auch war das Vertriebs- und Supportnetzwerk im Vergleich zu Intel damals noch ziemlich unterentwickelt.
Doch jedes Pech hat auch sein Gutes: AMD konnte auf diese Weise den Markt im untersten Segment betreten und somit die Voraussetzungen für Billigrechner schaffen - eine "Taktik", die nachhaltig zu Marktanteilen führte. Auf dieser Basis führte AMD dann schließlich 1995 seinen K5 in den Markt ein, der für das Publikum zu ersten eigenständig wahrnehmbaren AMD-Rechnern führte. Im Gegenzug reagierte Intel später mit seinen Celeron-Prozessoren, um das von AMD definierte Low End-Segment nicht dem Rivalen alleine zu überlassen.
Das Jahr 1991 zeigte auch auf, mit welchen Methoden sich Intel in Zukunft gegen unliebsame Konkurrenz wehren sollte. Nicht nur AMD bekam kostspielige und langwierige Prozesse an den Hals geworfen, sondern auch andere mutmaßliche Patentverletzer und aufstrebende Mitbewerber. Die Verfahren wurden aber keineswegs von Intel immer gewonnen. Durch diese Einschüchterungstaktik, die aus dem ersten großen Konkurrenzkampf mit AMD rückdatiert, sollten andere Mitbewerber vorsorglich in Schranken gehalten werden. Den nicht gerade schmeichelhaften Ruf eines Monopolisten bekam Intel dann aber auch nie mehr los, wie diverse Antitrust-Verfahren vor der amerikanischen Wettbewerbsbehörde zeigen sollten.




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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 