Die SOA Produkte der Hersteller Oracle, IBM, SAP und Microsoft warten mit einer Vielzahl von Versprechen auf. So soll die Oracle SOA Suite dem Kunden höhere Produktivität und höhere Servicequalität durch die Zusammenstellung von Services zu modularen Anwendungen und Geschäftsprozessen erlauben. IBM hingegen verspricht die Optimierung von Prozessen, die Rationalisierung der Kommunikation und der Datenübertragung sowie die Verbesserung der allgemeinen Effizienz im Unternehmen durch die IBM WebSphere Produktfamilie. Enterprise SOA von SAP soll die Innovationen des Kunden beschleunigen, die Geschäftsprozesse vereinfachen und eine Differenzierung im Wettbewerb erlauben. Microsoft verspricht mit der Unternehmensplattform auf Basis der Serviceorientierung ein breites Fundament für den Betrieb heterogener Geschäftssysteme bereitzustellen.
Die Stärken einer SOA
Jenseits der Versprechen der Hersteller ist SOA eine Standard-Architektur, die es Unternehmen erlaubt, standardisiert, flexibel und Kosten sparend Anwendungen zu erstellen und zu betreiben. Die wichtigsten Stärken von SOA sind die Standardisierung durch Web-Services als Schnittstelle zu bestehender und neuer Funktionalität, die Kostenersparnis durch die Weiterverwendung bestehender Systeme und die Flexibilität durch die Trennung von statischer und dynamischer Funktionalität sowie durch den Einsatz graphischer Modellierungstools für Geschäftsprozesse und Geschäftsregeln.
Hinzu kommt, dass alle großen Hersteller von demselben SOA-Modell ausgehen, so dass die Kombination verschiedener Standardsoftware wesentlich einfacher werden dürfte. SOA ist kein Allheilmittel für sämtliche Probleme in der IT. Es ist ein nützliches Instrument, um zentrale und komplexe Fragestellungen bei der Bereitstellung betrieblicher Informationssysteme zu lösen.
Oracle
Für Oracle ist SOA eine standard-basierte Plattform, die es erlaubt, Dienste (Web Services) bereitzustellen, aufzufinden und gegenseitig zu benutzen. Das SOA-Modell von Oracle nennt sich Oracle Business Integration Architecture. Diese Architektur wird mittels Oracle Fusion Middleware als Technologieplattform realisiert. Oracle erweitert SOA mit Mechanismen zur Erzeugung und Verarbeitung von Events und nennt diese Event Driven Architecture (EDA). Oracle hat mit Fusion Middleware eine viel versprechende Komponente in seinem SOA-Stack, die in naher Zukunft um die Produkte von BEA erweitert werden dürfte. Oracle verwendet SOA als Basis für die Integration der eigenen Produkte. Unter dem Begriff "Oracle Application Unlimited" werden bereits heute Produkte wie Siebel, Peoplesoft, Retex, JD Edwards und andere zusammengefasst. In naher Zukunft wird es möglich sein, mittels SOA die verschiedenen Module aus der großn Oracle Produktpalette zu einer Lösung zu kombinieren.
IBM
IBM versteht SOA als Praxis, die davon ausgeht, dass die Architektur eines Informationssystems aus der Geschäftsarchitektur, einer Zusammenstellung von Services eines Unternehmens sowie den entsprechenden Richtlinien und Regeln für deren Einsatz abgeleitet werden kann. Der SOA Produkt-Stack von IBM besteht hauptsächlich aus den drei Produktfamilien WebSphere, Rational und Tivoli. WebSphere dient dabei als namensgebender Rahmen für eine Vielzahl von Produkten, die schon lange auf dem Markt sind. Eine IBM SOA Implementation ohne WebSphere-Produkte ist undenkbar.
Sicher hat IBM die größte Anzahl an Produkten in ihrem Stack und ist in den Bereichen Virtualisierung und ESB führend. Im Gegensatz zu den anderen Herstellern bietet IBM jedoch vor allem die Infrastruktur an, diese jedoch in einer besonders ausgereiften Form. Das konkrete System muss darauf aufbauend realisiert werden. Die Problematik, eine heterogene Systemlandschaft zu einem flexiblen, funktionierenden Ganzen zusammenzufügen, bleibt.
SAP
In den Augen von SAP ist SOA ein Instrument zur Abbildung betrieblicher Prozesse in die Informationssysteme eines Unternehmens, welches unter dem Begriff "Enterprise SOA" zusammengefasst wird. Enterprise Web Services und Composite Applications sind die Basis für die Enterprise Service Architecture (ESA), welche die SOA-Realisierung von SAP darstellt. Der SOA-Stack von SAP reflektiert die Stellung eines ERP-Systems in einem Unternehmen als Master. SAP geht davon aus, dass die Umsysteme zu SAP mittels SOA integriert werden können. Dies ist mit der NetWeaver-Plattform möglich.
Die Verwendung einzelner SAP-Module als Enterprise Web Services in einer Umgebung, in der SAP nicht das Leading-System ist, gestaltet sich jedoch etwas umständlicher, da die Differenzierung Enterprise Web Service - Web Service und die Bereitstellung so genannter Consuming Services (Composite Applications) nicht allgemein üblich sind. Es ist jedoch zu erwarten, dass SAP in den nächsten Releases ihre große Modulpalette als Sammlung von Diensten realisieren wird, was die Modernisierung einer SAP Landschaft erheblich vereinfachen wird.
Microsoft
Microsoft versteht SOA als Resultat bestimmter Grundsätze, Praktiken und Frameworks, die es erlauben, normierte Services bereitzustellen, sowie als Architektur einer Applikations-Plattform. Eine Besonderheit des SOA-Modells von Microsoft liegt in der Presentation-Ebene. Mit Office-Applikationen als User Interfaces für auf SOA basierende Lösungen und der damit verbundenen Idee, Anwendungen, basierend auf Services, einfach zusammenstellen zu können, erweitert Microsoft den Wirkungsbereich des Desktops. Des Weiteren versucht Microsoft, die Vorteile von SOA in die Entwicklung abzubilden. Dies geschieht durch die nahtlose Integration der Web Services-Technologien in die Entwicklungsumgebung.
Diese Bestrebungen gehen von der Idee aus, mittels SOA-Anwendungen aus vorgefertigten Komponenten (Services) sehr schnell und produktiv zusammenzustellen. Die Aufteilung der Office-Produktfamilie in eine Vielzahl von Serverprodukten und die Erweiterung von Sharepoint als Portal und Collaboration Environment unterstützen diese Umsetzung. Insbesondere hat der Microsoft Ansatz, ein Dokument als Web Service zu betrachten Konsequenzen hinsichtlich der strukturierten Verarbeitung von Unternehmensinformationen.
Fazit
Eine große Stärke von SOA ist die relative Ähnlichkeit der Modelle der Hersteller Oracle, IBM, SAP und Microsoft. Dies deutet darauf hin, dass es in Zukunft sehr viel einfacher sein wird, die Produkte oder Produktfamilien verschiedener Hersteller zu einem funktionierenden Ganzen zu kombinieren. Noch viel Einfacher wird die Kombination, wenn die Hersteller von Standardprodukten ihre Produkte in einzelne Services aufteilen und vorgefertigte Geschäftsprozesse in BPEL liefern, die mittels SOA Mechanismen kombiniert werden können.
Dieser Prozess ist im Moment im Gang und es sind in den nächsten Jahren in allen Releases der Hersteller entsprechende Änderungen zu erwarten. Die Kombination von Standardprodukten und bestehenden Systeme mittels den SOA Standards SOAP, WSDL und BPEL bleibt jedoch den Unternehmen überlassen.
Orchestration-Ebene: Die Orchestration-Ebene bildet Geschäftsprozesse und Geschäftsregeln in einer Service Oriented Architecture ab. Sie ist für den dynamischen Bereich der Business-Logik einer auf SOA basierenden Anwendung zuständig. Jeder Hersteller hat eine Reihe von Produkten im Portfolio, die BPM unterstützen. Process Engines, die auf BPEL basieren, sind von Oracle und IBM verfügbar.
Service-Ebene: In dieser Ebene sind die Mechanismen zur Verwaltung von Diensten, die standardisierten Serviceschnittstellen sowie die spezialisierten Dienste zu finden. Alle Hersteller unterstützen standardisierte Web Services als Schnittstelle. Service Management Komponenten sind von Oracle, IBM und SAP verfügbar.
Integration Architecture-Ebene: Die Infrastruktur zur Verknüpfung der verschiedenen Dienste und zur Verbindung von Diensten mit bestehenden Anwendungen oder Datenbanken sowie zur Koppelung von Services mit den Bestandteilen der Presentation Ebene. Jeder der großen Hersteller verfügt über einen oder sogar mehrere ESB (Oracle ESB und AquaLogic / TUXEDO, IBM WebSphere ESB, SAP NetWeaver, Microsoft BizTalk)
Applications: Einzelne als Web Service verfügbare Module sind bereits verfügbar, die systematische Aufteilung bestehender Standardlösungen in Services mit zugehörendem vorgefertigtem Geschäftsprozess in BPEL stehen jedoch noch aus, sind jedoch in den nächsten Jahren zu erwarten.
Buchtipp:





1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 