Consulting
IT-Berater auf dem Vormarsch
Dunja Koelwel

Wer als Beratung suchender Unternehmer durch Messen spaziert, über Webseiten surft oder in Verbänden nachfragt, bekommt mittlerweile nicht nur die klassischen Managementberater als kompetente Ansprechpartner genannt, sondern auch oftmals beratende IT-Dienstleister. Diese haben sich mittlerweile ein beachtliches Stück des Kuchens gesichert, nämlich rund 25%. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Lünendonk, das im Rahmen von Studien Beratungsunternehmen auf ihre Kompetenz hin durchleuchtet. Als IT-Berater bezeichnet Lündendonk dabei "große, meist internationale Dienstleistungsunternehmen, die neben Dienstleistungen wie IT-Beratung, Systemintegration, IT- und Business-Process-Outsourcing auch in großem Umfang Strategie und Managementberatung erbringen."

Die Ausbildungsrichtungen der Berater/ IT- Experten der IT-Beratungs-und Systemintegrations- Unternehmen - Grafik www.lünendonk.de
Für dieses doch erstaunlich Ergebnis hat Michael Bauer, Geschäftsführer des IT-Beratungshauses Trivadis Österreich, auch eine Erklärung parat: "IT wird heute nicht mehr aus den IT-Abteilungen, sondern aus den Fachabteilungen betrieben. Es gibt kaum Projekte, wo nicht nachweislich ein schneller ROI erzielt wird. IT wird somit immer mehr zum Business-Treiber und es ist wichtig zu wissen, was ist machbar und was nicht. Und eben dies ist die Kompetenz beratender IT-Dienstleister." Ergänzend meint DI Dr. Johannes Adler, Geschäftsführer beim IT-Berater Anecon: "Klassische Managementberatung holt sich oft bei den IT-Details die Expertise von IT-Beratern hinzu. Im umgekehrten Fall aber kaum. Das liegt daran, dass die IT als zentraler Kostenfaktor auch wesentlicher Baustein für die Umsetzung von Geschäftszielen ist. Insofern bearbeitet ein IT-Berater auch einen wesentlichen Bereich, um Veränderungen und Geschäftsweiterentwicklung zu betreiben - also klassische Managementberatung. Deswegen unterstellt man IT-Beratern auch Softskills in der Managementberatung, nicht aber umgekehrt."

Bruno von Rotz, verantwortlich für die deutschsprachige Region beim Open Source Consultant Optaros: „Wer eine neutrale Beratung zum Thema ERP haben will, wird nicht zum Hersteller gehen. Hier sind die klassischen Berater gefragt.“
Kompetenzen erkennen
Doch was ist dann die unterschiedlichen Kompetenz von klassischen Beratern und beratenden IT-Dienstleistern? Nach Auffassung von Bruno v. Rotz, verantwortlich für die deutschsprachige Region beim Open Source-Consultant Optaros, sollte man am besten strikt zwischen Beratungs- und Implementierungsauftrag unterscheiden. "Wer eine neutrale Beratung zum Thema ERP haben will, wird nicht zum Hersteller gehen. Wer die richtige Desktop-Lösung für sein Unternehmen kennen lernen will, wird auch nicht zu den Anbietern direkt gehen. Hier sind die klassischen Berater gefragt. Doch eine Kombination von Beratungs- und Implementierungserfahrung ist durchaus sinnvoll, denn ein rein theoretisches Wissen ist gerade in Technologiefragen nicht immer fundiert genug. Hier ist oft Umsatzerfahrung wichtiger."
Als Vorteil der klassischen Berater zeigen sich also meist fundierteres Wissen unter anderem in Sachen Strategieberatung, Kostenanalyse, Business Development und systemische Organisationsentwicklung sowie Change-Management. Die beratenden IT-Dienstleister punkten wiederum hauptsächlich mit Umsetzungs-Know-how auch bei komplexen IT-Systemanforderungen, Wissen um die Geschäftsprozessoptimierung und die IT-Organisation. Als Nachteil ist bei ersteren das teils fehlende und bei letzteren das möglicherweise subjektiv gefärbte Umsetzungswissen zu sehen.

Michael Bauer, Geschäftsführer des IT-Beratungshauses Trivadis: „IT wird heute nicht mehr aus den IT-Abteilungen, sondern aus den Fachabteilungen betrieben.“
Prognosen für die Zukunft: "3. Modus Beratung"
Wie sich die Beraterszene künftig entwickeln wird, scheint allerdings noch völlig offen. Jörg Hossenfelder, Geschäftsführer bei Lünendonk, meint, dass sich der Markt in den kommenden Jahren thematisch aufgliedern wird in Spezialisten, die etwa eine besondere Expertise hinsichtlich Branche aufweisen und die so genannten Allrounder, die Beratung und Umsetzung aus einer Hand bringen. Erstere punkten mit ihrem Spezialwissen, die anderen bieten Unternehmen einen besseren Projektüberblick, da sich Kosten und Ansprechpartner einfacher einordnen lassen.

Jörg Hossenfelder, Geschäftsführer bei Lünendonk: „Der Markt wird sich in den kommenden Jahren thematisch aufgliedern in Spezialisten, die etwa eine besondere Expertise hinsichtlich Branchen aufweisen und die sogenannten Allrounder, die Beratung und Umsetzung aus einer Hand bringen.“
In einem sind sich aber alle einig: Der Berufsstand der Berater ist sicher kein Auslaufmodell. Jörg Hossenfelder abschließend: "Berater arbeiten konjunkturunabhängig: Ist die Lage gut, benötigen Unternehmen Consulting für das Wachstum, ist die Lage schlecht, dann benötigen sie Beratung zur Kostenreduktion. Auch die Globalisierung und die sich schnell wandelnden Anforderungen an Unternehmen sorgen für genügend Arbeit!"
- Strategieberatung: 30,5 Prozent
- Organisationsberatung: 33,7 Prozent
- HR Consulting: 10,6 Prozent
- IT-Beratung: 25,2 Prozent
(Quelle: BDU e.V. für 2006)
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