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Thema: BPM,SOA IT-Consulting

Studie

SOA kommt "langsam, aber gewaltig"

Service-orientierte Architektur (SOA) ist in aller Munde. Aber ist sie auch im Einsatz? IBM, SAP und Software AG haben in einer gemeinsamen Studie die heimischen Top-500-Firmen ins Visier genommen und herausgefunden, dass bereits 43% den SOA-Weg eingeschlagen haben.

In Prozent der heimischen Top-500-Unternehmen (Quelle: marketmind)

190 Organisationen gaben Auskunft über ihre SOA-Aktivitäten, was die Studie laut Gereon Friederes, Geschäftsführer des mit der Durchführung beauftragten Marktforschers marketmind, "in hohem Maß repräsentativ" macht. Dass der SOA-Begriff von den Befragten "teilweise weit interpretiert" wurde, war von den Auftraggebern sicher nicht ganz unerwünscht - vertreten die drei SOA-Keyplayer doch auch unterschiedliche SOA-Ansätze. Aber schließlich ging es nicht um Details, sondern im Grunde um die Gretchenfrage: "Glauben Sie an SOA?" Und die Schar der Gläubigen wächst. SOA komme "langsam, aber gewaltig", meint Friederes. IBM-Generaldirektor Leo Steiner erwartet durch SOA eine ähnlich "radikale Veränderung" wie sie die Erfindung des Containers im Transportwesen gebracht hat: "Flexibilität und Geschwindigkeit werden durch die Standardisierung extrem erhöht"

Präsentierten die SOA-Studie: (v.l.n.r.) Walter Weihs, Vorstand der Software AG Österreich, Benno Weißmann, Managing Director von SAP Österreich, IBM-Generaldirektor Leo Steiner, Gereon Friederes, Geschäftsführer von marketmind

"Es geht um flexible, kleine Services auf einer innovativen Plattform", ergänzt Benno Weißmann, Managing Director von SAP Österreich. "SOA erhöht die Konkurrenzfähigkeit. Das ist nicht nur was für Große, gerade der Mittelstand braucht das dringend." Auch Walter Weihs, Vorstand der Software AG Österreich, streicht die Chancen auf Wettbewerbsvorteile heraus: "Viele Firmen, zum Beispiel Banken, bieten immer mehr gleiche Leistungen an. Das Differenzierungsmerkmal ist nur mehr im Prozess zu finden. Eines der Geheimnisse von SOA ist, Prozess und Anwendung durch eine flexible Middleware zu trennen."

28% der befragten Firmen gaben an, dass sie SOA bereits einsetzen. Weitere 15% planen einen Einsatz innerhalb der nächsten drei Jahre. Wesentlicher Treiber sind die Bestrebungen, Lieferanten, Partner und Kunden in die eigenen Systeme zu integrieren - im Schnitt das drittwichtigste Unternehmensziel der heimischen Top 500. "SOA bringt eine höhere Kooperationsfähigkeit bei der Produkterstellung", ist Steiner überzeugt. Applikationenintegration in jeder Form wird in den Firmen überhaupt als der wichtigste IT-Veränderungstrend der nächsten fünf Jahre wahrgenommen, was "die Kernkompetenz von SOA" sei, betont Friederes. In der Gruppe der SOA-Anwender war das Thema Kosteneffizienz der wichtigste Beweggrund bei der Einführung. Mit dem Erfolg sind die Firmen überwiegend zufrieden. Nur 2% sehen ihre Erwartungen nicht erfüllt, was SOA, laut Friederes, zu einer "Niedrigrisiko-Technologie" macht. Der Großteil folgte bei der Umsetzung dem Prinzip "think big - start small". Dazu rät auch Weihs: "Fangen Sie in kleinen Schritten an. Zu große Projekte erhöhen das Risiko."

SOA als Chefsache

Bei 37% der SOA-Anwender war die Geschäftsführung unmittelbar in die Projekte involviert. Dazu Steiner: "IT wird zur strategischen Waffe, die die Reaktionsfähigkeit erhöht. Das wird auch auf der CEO-Ebene gesehen." Jene Firmen, die SOA noch nicht nutzen, aber planen, befinden sich mehrheitlich noch am Beginn des Weges, also in der Phase des Know-how-Aufbaus und der Bedarfsanalyse. Anders als bei den "early adopters" steht bei den Planern nicht mehr Kosteneffizienz, sondern Prozessoptimierung im Fokus. Die Erwartungshaltung: Anpassungsfähigkeit der IT an sich verändernde Aufgaben sowie einfachere und transparentere Prozesse.

Bei den Firmen, für die SOA derzeit kein Thema ist (57%), sind es in der Mehrheit "unternehmensspezifische Gründe", die dagegensprechen - vor allem die "Wichtigkeit des Tagesgeschäfts" und damit verbundene andere IT-Projekte, die für vordringlicher gehalten werden. Die Studie konstatiert in dieser Gruppe ein "häufig noch geringes Wissen über SOA". Viele sehen auch keinen Bedarf in der eigenen Firma. "Da fehlt oft noch das Erkennen des Nutzens", interpretiert Friederes. Bedenken gibt es auch hinsichtlich des organisatorischen Aufwands, der hohen Komplexität und der Schnittstellenproblematik.

Weißmann will den Zweiflern die Angst nehmen: "Tagesgeschäft und SOA schließen einander nicht aus. Das ist nichts hoch Technologisches, das alle Prozesse verdreht. Bestehende Lösungen kann man einbinden." Zwar sei SOA in Unternehmen, die viele nicht standardisierte Eigenlösungen betreiben, schwieriger umzusetzen, aber die Alternative zur Strategie der kleinen Schritte sei, irgendwann "30 Jahre alte Systeme komplett zu erneuern". Und Steiner schiebt eine Warnung nach: "Wer nicht auf Standards setzt, wird es immer schwieriger haben, die Geschwindigkeit im Geschäftsleben zu halten."

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MONITOR-Autoren
Mag. Christoph Weiss

Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) ..mehr..

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