Viele meinen, die IT-Branche ist vor allem auf Wien und vielleicht noch auf Oberösterreich (Hagenberg lässt grüßen) konzentriert. Falsch. "Tirol ist sicher gut aufgestellt", betonte Ute Putz von der Tiroler Zukunftsstiftung. Erstens in punkto Ausbildung, hier gebe es sowohl an der Universität als auch der Fachhochschule gute Ausbildungsmöglichkeiten, zweitens, was Forschung angeht, "denken Sie nur an das Thema Quantencomputing", bemerkte Putz. Am Innsbrucker Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Akademie der Wissenschaften sind derzeit rund 60 Forscher tätig (www.iqoqi.at). Drittens gebe es auch viele IT-Unternehmen in Tirol. "Wir stehen nur vor der Herausforderung, die Szene greifbar zu machen", gestand Putz ein. Sie zeigte sich von der Cluster-Idee begeistert, so sei jetzt in Überlegung, in Tirol einen IT-Cluster zu gründen. "Erfolgsaustausch, Kooperationsmöglichkeiten und natürlich auch Förderungsmaßnahmen für die Teilnehmer durch uns", zählte Putz die Vorzüge des IT-Clusters auf.
Die Cluster-Idee wird im Osten bereits eifrig praktiziert. So gibt es sowohl in Wien (VITE - Vienna IT Enterprises) als auch im Burgenland (ICT-Burgenland) eine Netzwerk-Möglichkeit für IT-Unternehmen. "Wir haben im Burgenland mehr IT-Unternehmen als Fleischer, Schlosser und Bäcker zusammen", betonte der burgenländische IT-Unternehmer und WKO-Vertreter Johann Steszgal. "Wir wollen mit der neuen Initiative PIN-SME jetzt gezielt den Mittelstand in Europa fördern", wies Steszgal einmal mehr darauf hin, dass die meisten Unternehmen, auch in der IT-Branche, einfach in diese Kategorie fallen.
"Österreich neigt zur Liebe der Verkleinerung, es wäre aber schon schön, wenn wir auch ein paar große SW-Häuser hierzulande hätten", bedauerte BEKO-Vorstand Peter Kotauczek. "Unsere letzte Hoffnung zur Realisierung ist der Kapitalmarkt", fügte Kotauczek hinzu. Organisches Wachstum sei gut und schön, aber ab einer gewissen Größe könne man nur noch durch Bündnisse oder Zukäufe wachsen. Als Beispiele nannte er BEKO und S&T. "Die Rahmenbedingungen sind gut, und es zahlt sich sicher aus in Österreich zu investieren, aber es ist halt alles recht klein-klein", stimmte Johann Steszgal zu.
Projekt Digitales Österreich
Bei der Entwicklung des öffentlichen Sektors "müssen wir uns der Realität der Zukunft stellen", betonte Christian Rupp, Sprecher der Plattform Digitales Österreich der Bundesregierung. "Wir brauchen die elektronische Identität, wenn jemand etwas mit der Verwaltung zu tun hat, aber auch für Vertragsabschlüsse z.B. in der Telekom-Industrie wäre die Abwicklung viel einfacher", stellte Rupp fest.
Trotz aller Bemühungen bleiben auch viele Aktivitäten in der Realität noch auf der Strecke. "Wir haben einfach in Österreich über 2.000 Gemeinden, die unter 3.000 Einwohner haben", erklärte Rupp. Viele Gemeinden hätten keine eigene IT-Abteilung. Da werde nicht einmal das Basispaket, 12 Seiten Formulare, auf help.gv.at eingepflegt, berichtete Rupp aus dem Alltag.
Rosen für Cluster-Modell
Danach kam das Gespräch wieder auf die Cluster-Idee zurück. "Ich sehe die Cluster-Idee positiv, der Verband der Content Industries ist daraus jetzt entstanden. Wir wollen kein Valium-Tabletten-Verband sein, sondern unsere Idee ist ein Content Valley", betonte Roman Tolic, Obmann des Verbands Content Industries, gegründet im Sommer 2006. Gerade dieser Teil der IT-Branche gilt ja als einer der Hoffnungsträger für die Zukunft. "Die Cluster-Idee steht und fällt sicher mit der Person des Clustermanagers", gestand Tolic ein, der dem Wiener Clustermanager Bernhard Schmid gratulierte, "genial, wie der Wiener Cluster funktioniert".
Der noch recht junge Content-Verband wurde auch aus der Motivation gegründet, Vernetzung und Kooperationsmöglichkeiten für innovative, junge Unternehmer oder kreative Köpfe zu schaffen. Für Unternehmensgründer sei die Situation aber gar nicht so einfach, knüpfte hier Johann Steszgal mit seinen eigenen Erfahrungen an. "Man braucht unternehmerischen Mut und Geld. Jede Bank hat bei uns abgewunken, und Venture Kapital haben wir auch keines bekommen", erinnerte sich Steszgal.
Wünsche für 2008
Zuletzt von Chefredakteur Rüdiger Maier zu ihren Wünschen für 2008 gefragt, hatte Christian Rupp keinen Wunsch, aber ein anschauliches Beispiel parat. "Der Tourismus und die IKT-Branche erbringen die gleiche Wertschöpfung für Österreich, der Tourismus leistet sich die Österreich-Werbung, die IKT-Branche hat nichts". Johann Steszgal spann den Gedanken weiter: "Ich wünsche mir ein besseres Image, auch mehr Frauen und junge Leute, die wieder mehr ein Blitzen in den Augen haben".
Mehr österreichische Leitkonzerne im Software-Bereich, wünschte sich Peter Kotauczek. Zwei Dinge äußerte Roman Tolic: Einerseits ein Investitionsvehikel für die IT-Branche zu schaffen und ganz konkret als "Verband sowohl Investments als auch Start ups auf die Beine zu stellen", bekräftigte Tolic. "Ich halte es für wichtig, Kraft für Kooperationsprojekte zu finden, nicht nur nicht in Tirol, sondern definitiv auch mit anderen Bundesländern, denn zusammen kann man immer mehr erreichen", fand Ute Putz schöne Schlussworte.
- Prof. Ing. Peter Kotauczek, Vorstand BEKO Holding und Präsident des Verbandes der österr. SW-Industrie (VÖSI)
- Mag. Ute Putz, Bereichsleiterin Kompetenzfeldentwicklung, Tiroler Zukunftsstiftung
- Christian Rupp, Sprecher der Plattform Digitales Österreich der Bundesregierung
- DI Johann Steszgal, Geschäftsführer TAC IT, Obmann der Sparte Information-Consulting der WKO Burgenland, Österreich-Vertreter im paneurop. Netzwerk für IKT und e-Business (PIN-SME)
- Roman Tolic, Obmann Content Industries www.contentindustries.at
Moderation: Rüdiger Maier, Chefredakteur MONITOR




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