Auch die größeren, internationalen ERP-Anbieter haben inzwischen den Bedarf des KMU-Marktes entdeckt und buhlen um die Gunst der Unternehmen. Die Notwendigkeit zur Software-Erneuerung sowie die entsprechende Investitions-Bereitschaft wird auch in aktuellen Marktumfragen für den österreichischen KMU-Bereich bestätigt.
Die Notwendigkeit zur Modernisierung der Systemlandschaft mag zwar erkannt sein. Viele Herausforderungen stehen damit aber den Unternehmen erst bevor. Folgende Fragen stellen sich zum Beispiel: Soll ein totaler Neuanfang in der Software-Landschaft gewagt oder auf Bisherigem aufgebaut werden? Welcher Anbieter und welches System sind geeignet für das Unternehmen? Sind die Funktionalitäten angepasst an eine (mögliche) globale Vergrößerung des Unternehmens, und sind diese für die Unternehmensgröße, Branche und erforderliche Komplexität geeignet? Welcher Einführungspartner und welche Art des Support-Modells (unternehmensintern/Outsourcing etc.) versprechen einen nachhaltigen Erfolg?
Den Überblick bewahren
Für KMUs ist es oftmals schwierig, einen Überblick über die umfassende Anbieterlandschaft und Systemvielfalt zu gewinnen: Die vielen Merger, Käufe und Namensänderungen der letzten Jahre, sowie die zunehmende Komplexität der Systeme, welche vielfach scheinbar dasselbe leisten können, trüben den Blick auf das Vorhandene und Machbare. Die langjährige Praxis der Evaluationsprojekte zeigt, dass KMUs nicht unbedingt ein ERP-System mit geringerer Komplexität benötigen als die größeren Unternehmen. Entscheidend ist jedoch, dass sie durch die ERP-System-Auswahl und -Einführung nicht in eine Kostenfalle geraten. Interne Ressourcen sind weniger verfügbar als bei größeren Unternehmen; Verzögerungen oder gar das Scheitern von ERP-Projekten können geschäftsschädigend sein bzw. bis zur Insolvenz führen. Zudem weisen KMUs oftmals gewachsene Strukturen auf, die über lange Zeit gut funktioniert haben und welche durch die Systemeinführung nicht beeinträchtigt, sondern vielmehr gefördert werden sollen.
ERP-Zufriedenheitsstudie 2008
Die Zufriedenheit der Anwender bei der Einführung und während des Betriebs des ERP-Systems ist entscheidend dafür, dass ein System und dessen Vorteile in einem Unternehmen erfolgreich genutzt werden können. Die Zufriedenheit der Anwender wird auf Initiative des Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s consulting seit 2003 iterativ und vergleichend über den gesamten DACH-Raum hinweg erforscht. Die Studie geht Anbieter-neutral vor und ist bei Anbietern und Anwendern beliebt. Es zeigt sich, dass Zufriedenheit von Seiten der Anbieter immer noch zu stark mit möglichen Funktionalitäten verknüpft wird. Ein Blick auf die IT-Investitionen von Unternehmen, sowie Einsichten zur Anwenderzufriedenheit zeigen aber, dass Betreuung und Support während und nach der Einführung, sowie die tägliche Praxis zentral für die Anwenderzufriedenheit sind. Eine Mehrzahl der Unternehmen ist zwar relativ zufrieden mit ihrem ERP-System. Der Grad der Zufriedenheit steckt jedoch auch im Detail und verweist auf einen Handlungsbedarf von Seiten der Anbieter. Die wichtigsten Resultate der österreichischen ERP-Anwender-Zufriedenheitsstudie 2008 werden übrigens exklusiv in der MONITOR-Sonderausgabe "Software" 10a im Oktober 2008 publiziert. Näher Informationen auch zur Bestellung der Studie 2008 finden Sie unter www.erp-z.info.
Der Osten ruft
Im Zusammenhang mit der zunehmenden globalen Aktivität von KMUs, wie natürlich auch von größeren Unternehmen, hat das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen i2s consulting eine ERPgoesEast-Initiative gestartet (vgl. www.erpgoeseast.info). Dabei werden Erfahrungen und Zufriedenheit von europäischen Unternehmen im Umgang mit ERP an global verteilten Standorten genauer ergründet. Insbesondere europäische Unternehmen mit Standorten in China, Indien, osteuropäischen Ländern, aber auch im Mittleren und Fernen Osten stehen dabei im Vordergrund. Die damit verknüpften technischen und andern Herausforderungen werden in den nächsten Jahren verstärkt auch von KMUs angegangen und gelöst werden müssen.
Die laufenden Forschungen wie auch die praktische Beratungsarbeit machen immer wieder deutlich, wie entscheidend es ist, dass die Anwender ihre Bedürfnisse kennen, wenn sie ein ERP-Projekt in Angriff nehmen wollen. Die ERP-Anwender-Zufriedenheitsstudie sowie die ERPgoesEast-Umfragen (z.B. in China) der i2s consulting erlauben dabei, Best Practices für Anwender wie auch Anbieter aufzuzeigen und die Bedürfnisse der Anwender zu verdeutlichen. Es zeigt sich dabei, dass die Anwender in ihrer Vorgehensweise und im Auswahlentscheid weniger von sogenannten Trends ausgehen (z.B. die Frage nach dem Outsourcing des Supports), sondern vielmehr ihre Geschäftsprozesse genau kennen sollten.
Um einen echten Nutzen von ERP-Systemen für die Unternehmen zu erzielen, ist es aus unserer Sicht erforderlich, dass ein echter Dialog und Vertrauen zwischen Anbietern und Anwendern aufgebaut wird und die ERP-Anbieter ihre Verantwortlichkeit wahrnehmen. Nur so können Unternehmensstrukturen und (sich verändernde) Bedürfnisse rechtzeitig erfasst und mit den Anforderungen und Möglichkeiten der ERP-Systeme optimal in Einklang gebracht werden.
Weitere Informationen:
lic. phil. Sabina Lichtensteiger (lichtensteiger@i2s-consulting.com) oder Mag. Christoph Weiss (weiss@i2s-consulting.com), Büroleiter der i2s consulting in Österreich.




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8/2011
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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 