Besonders APS-Systeme stellen durch die Komplexität der Algorithmen jedes Unternehmen auf die Probe. Doch durch fokussiertes Feilen an diesen Rechenmethoden wird leicht die Organisation vergessen.
Oft sind dann APS-Projekte für sich ein Erfolg - es fehlt aber die reibungslose Einbettung in den Betrieb. Besonders hart trifft es meist den Shop-Floor (Produktionsstätte). Eine komplexe Planung, welche neben produktionsspezifischen Bedingungen auch Kundenkriterien umfassend berücksichtigt, überfordert oft das Verständnis des Arbeiters. Genau deren Akzeptanz und damit die Ausführung des Plans sind aber notwendig.
Cirquent, Mitglied der BMW Group, hat durch die Erfahrungen bei BMW und zahlreichen anderen Unternehmen mit diskreter Fertigung ein eigenes Supply Chain Assessment entwickelt. Dieses setzt sich aus 4 Schritten zusammen:
- Ausgangssituation bestimmen: Ist-Situation anhand von qualitativen und quantitativen Kenngrößen beschreiben; Ziele, Stärken und Schwächen aufzeichnen. Typische Kenngrößen sind Bestandshöhe, Service-Levels (sowohl zum Supply Chain Partner als auch intern), Durchlaufszeiten, Rüstkosten, Planungsaufwand, Reihenfolgestabilität usw.
- Potentiale erkennen: durch Analyse Schwachstellen aufdecken; Best Practices und Branchen-Benchmarks vergleichen
- Verbesserungsszenarien entwickeln: Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs; Umsetzungsstrategie evaluieren. Aus der erwarteten Veränderung der Kenngrößen und der Projektkosten kann dann ein ROI abgeleitet werden.
- Ergebnisse aufbereiten: Machbarkeitsnachweis, Business Case, Roadmap zur Umsetzung
Ein Beispiel für dieses analytische Vorgehen ist der deutschen Kabelproduzent Leoni bei dem u. a. Schwachstellen in der Planungsorganisation aufgedeckt wurden. Eine neue Definition der Planung und die Einführung von unterstützenden IT-Systemen, verringerten den Dispositions- und Steuerungsaufwand um 30%. Bei einem anderen Kunden Rheinchemie Rheinau GmbH war es die Gesamtdurchlaufszeit-Reduktion von 25%.
Für die Umsetzung der Maßnahmen gibt es als Produktionslösung neben APS Systemen auch noch den klassischen Leitstand oder MES-Lösungen (Manufacturing Execution System). Bei APS Systemen steht nicht unbedingt die grafische Visualisierung im Vordergrund, sondern der Automatismus über eine Vielzahl von Algorithmen für eine kostengünstige Einplanung der Aufträge. MES Systeme demgegenüber sind stärker auf eine kurzfristige, sehr maschinennahe Belegungsplanung aus. MES und APS Systeme nebeneinander können im Bereich der Planung eine Redundanz darstellen, im Bereich der Ausführung aber eine sinnvolle Ergänzung sein.
Ein wichtiger Punkt ist auch die Diskussion um die Systemverteilung. Hardware- und Datennetze ermöglichen immer zentralere Systeme. Das reduziert Redundanz und Synchronisierungsprobleme.
Zur organisatorischen Umgestaltung kam es auch bei Siteco. Siteco ist ein Anbieter und Hersteller technischer Innen- und Außenbeleuchtung mit Sitz in Traunreut nahe der österreichischen Grenze. Nach einer genauen Analyse der Produktionsplanung und -steuerung konnte Siteco Verbesserungsszenarien identifizieren und mehrere zu steigerbare Kenngrößen festhalten. In der Evaluierung von verschiedenen Lösungen für den Soll-Zustand entschied sich Siteco für das APS System von SAP - SAP APO. Durch dieses Vorgehen wurde schließlich nicht der APS-Algorithmus alleine in den Mittelpunkt gestellt. Vielmehr wurde vorab die Planungsorganisation neu gestaltet. Fertigungsteuerer und Disponenten arbeiten nun als Supply-Chain-Planer in einer Abteilung Schulter an Schulter. Das vereinfacht den Informationsfluss und verringert Reibungsverluste. Auch die APO-Einführungszeit im ersten Produktionswerk in nur fünf Monaten bestätigt das strukturierte Vorgehen.
Insgesamt sind die Aufgabenstellungen der Produktionsplanung und -steuerung über alle Unternehmensgrößen und Branchen sehr ähnlich. Es besteht hier die gute Möglichkeit, von anderen Unternehmen Abläufe zu transferieren. Durch die Vielfalt an Möglichkeiten existiert aber auch ein hoher Grad an Innovationspotential.
Mehr über das Projekt bei Siteco oder Cirquent können Sie auf dem Management Event "600min Produktion" am 1.4.2008 in Wien erfahren. Veranstaltungsort: Schloss Wilhelminenberg. Details unter www.managementevents.at/participants




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Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 