Und mitten drin stand Steve Jobs mit seiner Firma Apple, die damals gerade den den Personal Computer Apple Macintosh ("Mac") auf den Markt brachte. Macintosh hieß er übrigens deshalb, weil das der Name der Lieblings-Apfelsorte des Chefdesigners war.
Aber das nur nebenbei. Denn bei Apple tobte zu dieser Zeit auch ein Machtkampf, den Steve Jobs schließlich verlor. 1985 verließ er Apple und machte sich mit einer anderen Firma selbständig, mit der er seiner eigenen Gründung Konkurrenz machen wollte: NeXT Computer Inc.
Die Idee dahinter: Ein würfelförmiger Computer mit einem komplett neu entwickelten Betriebssystem (NeXTStep) sollte das damals gerade im Aufwind befindliche Personal Computing revolutionieren: Mit einfacher Bedienung, Stabilität, Anwendungsvielfalt, ungewöhnlich hoher Leistung und nicht zuletzt einem für damals hochmodernen Design. Jobs investierte sieben Millionen Dollar aus eigener Tasche in seinen Traum.
Doch es zeigte sich, dass er zu ehrgeizig war. Der NeXT sollte nach seinen Vorstellungen "perfekt" sein, besser als der MacIntosh, besser als die PCs von IBM, besser als alles, was es damals gab. Das Resultat war der NeXTcube, ein sechsflächiger Würfel in mattem Magnesium-Schwarz, das erste marktfähige Produkt von NeXT. Ein toller Computer, aber mit einem Problem: Die Zielgruppe und der Preis passten nicht zusammen. Jobs wollte den NeXTcube an College-Studenten und Kreative verkaufen, allerdings zum stolzen Preis von rund 10.000 Dollar. Das Problem: Als PC war der NeXTcube viel zu teuer, als Workstation war er wiederum nicht stark genug; dazu kam, dass Sun Microsystems damals die Unis gratis mit Workstations ausstattete und damit NeXT den Highend-Markt abgrub.
Steve Jobs erkannte, dass seine Vision und die Wirklichkeit nicht zusammen passten. Fast keiner wollte oder konnte den NeXTcube kaufen, die Produktion fiel 1989 auf schlappe 100 Stück pro Monat. Der schicke schwarze Würfel war ein phänomenaler Flopp geworden. Da einzige, was ihn noch interessant machte, war das damals hochentwickelte Betriebssystem, für das sich IBM, Compaq und Sun interessierten.
Doch Steve Jobs wollte keine Lizenzen verkaufen, für ihn war das Hardwaregeschäft wichtiger. Also versuchte er es unter Aufbringung der letzten Reserven und Kreditlinien noch einmal, den NeXT zu einem Consumer-PC zu machen. 1990 kamen vier neue NeXT-Computer auf den Markt, doch der Erfolg wollte sich einfach nicht einstellen, auch nach einer Finanzspritze von Canon nicht.

Doch auch diesmal ließ sich Steve Jobs nicht unterkriegen. Es stellte sich nämlich heraus, dass es mit Apple seit seinem Austritt ziemlich bergab gegangen war, weil sich das Unternehmen unter dem glücklosen CEO Gil Amelio zu sehr von seinen Aktionären hatte treiben lassen, als in Innovationen zu investieren. Was Apple also brauchte, war ein neues, konkurrenzfähiges Betriebssystem. Jobs bot den Rest seiner Firma NeXT einfach Apple zum Kauf an, nicht ohne damit zu verknüpfen, dass er wieder operativer Chef sein wollte.
Und so geschah es: Apple kaufte NeXT 1996 um 430 Millionen Dollar, Jobs war seine Finanzsorgen los und wieder Chef seiner eigenen Firma. Und für Apple begann es wieder aufwärts zu gehen: NeXTStep wurde zur Grundlage des Apple-Betriebssystems Mac OS X, bekanntermaßen ein großer Wurf.
Der Rest ist Geschichte: Jobs rettete Apple vor dem Bankrott und landete mit Produkten wie dem iMac und später modischen Lifestyle-Produkten wie iPod, iTunes und iPhone sowie dem aktuellen MacBook volle Treffer.
Die Bilanz von NeXT sah weniger strahlend aus: In zwölf Jahren verkaufte das Unternehmen lediglich 50.000 Computer, verheizte aber 200 Mitarbeiter und Millionen an Zuschussgeldern von Investoren wie Ross Perot oder Minderheitseignern wie Canon. Er selbst ist dabei aber nicht unbedingt schlecht ausgestiegen.




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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 