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Interview

Mit MySQL ins Web 2.0

Sun will mit dem Kauf der quelloffenen Datenbank MySQL neue Enterprise-Kunden und vor allem den Web-2.0-Markt erobern. Auch aus der Open-Source-Gemeinde gibt es positive Signale. Ein Gespräch mit Johannes Dobretsberger, Marketingleiter Sun Österreich.

„Wir werden jetzt sicher nicht bei großen Kunden gegen proprietäre Datenbanken ins Feld ziehen", Johannes Dobretsberger, Marketingleiter Sun Österreich (Foto: Sun)

Mit dem Kauf von MySQL ersteht Sun Microsystems ein neues Prunkstück für seine Open-Source-Sammlung. Dort kann man schon Stücke wie die Office-Software OpenOffice.org, den Java-Applikations-Server GlassFish, die integrierte Entwicklungsumgebung NetBeans, die Java-Entwicklungsumgebung OpenJDK, die quelloffene Unix-Betriebssystem-Version OpenSolaris sowie OpenSPARC, das freigegebene Design des Multicore-Prozessors UltraSPARC, „bestaunen“. Vor kurzem hat sich Sun auch noch Innotek mit der freien Virtualisierungslösung VirtualBox einverleibt.

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Open-Source-Communities auszubauen und die Entwickler bestmöglich zu unterstützen“, erklärt Johannes Dobretsberger, Marketingleiter Sun Österreich. Im Hintergrund des MySQL-Deals steht freilich nicht nur Suns Open-Source-Sendungsbewusstsein. „Natürlich wollen wir die Milliarde wieder zurückbekommen“, räumt Dobretsberger ein und rechnet vor: „MySQL hat 11 Millionen User und deckt 50% des Open-Source-Datenbankmarkts ab. Die Software verzeichnet 50.000 Downloads pro Tag. 2007 haben sich 16% des Gesamtmarkts Richtung Open-Source-Datenbanken verschoben. Für uns ist das ein absoluter Wachstumsmarkt.“ Kurzfristig möchte Sun über Professional Services, Support und Trainings Umsatz lukrieren. Aber langfristig sei bei den neuen Datenbankkunden „Cross Selling“ quer durch das gesamte Sun-Portfolio das Ziel, so Dobretsberger.

Die Analysten bewerten den Deal positiv. „MySQL bietet für Sun Microsystems vielfältige Wachstumsmöglichkeiten und Synergien, die den Kaufpreis rechtfertigen“, meint etwa die deutsche Experton-Group. Andererseits werde MySQL mit den Ressourcen und dem weltweiten Vertriebs- und Servicenetz von Sun seine Position auf dem Enterprise-Datenbanken-Markt festigen können.“ MySQL versucht schon seit geraumer Zeit, im Enterprise-Backend Fuß zu fassen und der verbreiteten Wahrnehmung entgegenzuwirken, dass die Open-Source-Datenbank nur was für unkritische Aufgaben sei – bisher mit mäßigem Erfolg. Mit Sun im Rücken könnte das nun besser gelingen, glaubt auch Dobretsberger: „Jetzt kann man MySQL mit einem Mehrwert betreiben, den man vorher nicht hatte, weil Sun die Datenbank in ein Portfolio aus Technologie, Services, Open Source und Communities einbetten kann.“ Auch von Suns OEM-Partnerschaften mit IBM, Intel und Dell werde MySQL profitieren. Die Partnerschaft mit Oracle sieht Dobretsberger durch den Deal nicht beeinträchtigt.

Positives Echo in den Communities

Die Open-Source-Szene bekundet praktisch unisono ihr Vertrauen in Sun. Auch Bertrand Diard, CEO des Open Source Datenintegrationssoftware-Anbieters Talend hält die Übernahme für „eine gute Nachricht – sowohl für Anwender als auch für Open-Source-Anbieter.“ MySQL werde nun die nötigen finanziellen Mittel erhalten, um die Entwicklung voranzutreiben. Außerdem sieht Diard das Open-Source-Konzept bestätigt: „Ein so großer Player wie Sun würde MySQL nicht kaufen, wenn er nicht an das Modell glauben würde. Sun orientiert sich klar Richtung Open Source und ist auch bereit dafür zu investieren.“ „Wir stellen sicher, dass MySQL Open Source bleibt“, bestätigt Dobretsberger, „auch das Branding bleibt erhalten.“ Diard sieht MySQL jetzt nicht nur technisch, sondern auch „auf der Business-Seite“ als ernstzunehmenden Konkurrenten der großen proprietären Datenbankanbieter. Dobretsberger relativiert: „Wir werden jetzt sicher nicht bei großen Kunden gegen proprietäre Datenbanken ins Feld ziehen, aber im Web-2.0-Umfeld werden wir MySQL aktiv forcieren.“ Große Web-2.0-Sites wie Facebook, Google, Nokia, Baidu und China Mobile nutzen bereits MySQL. „Wir wollen die nächsten Googles oder Yahoos identifizieren und dann mit unserem gesamten Portfolio unterstützen“, so Dobretsberger.

Mit MySQL in der Tasche kann Sun nun gut gerüstet in den Kampf um die Datenhoheit im Internet einsteigen und laut Experton-Group „eine potenziell führende Rolle einnehmen“ – vor allem durch verstärkte Aktivitäten im Bereich Cloud-Computing. Der Marktforscher geht davon aus, dass die Verlagerung von Applikationen und Daten in verteilte, web-basierte Datencluster („Clouds“) im Enterprise sowie auch im B2C-Bereich zunehmen wird. Dies zeige sich im schnellen Wachstum von Services wie Web-Office, Web-Mail, Web-CRM und Web-Storage sowie der Social Networks. Viele neue Webanwendungen und Clouds laufen auf MySQL-Servern. Dobretsberger bestätigt die Marschroute: „Wir wollen der IT-Anbieter für Web-Infrastruktur sein.“

www.sun.at

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